Hier wurde ein herrlich inszenierter aber zu kurzer Singleplayer-Part mit einem Battlefield like Multiplayer-Part für 50 Spieler gepaart.
Dieses PC-Review basiert auf Martin Wogers Xbox360-Review vom 07.03.2008.
Ihr hattet noch nie so richtig den Zugang zu den Battlefield-Spielen gefunden, weil Ihr verwirrt angesichts der Masse an Teilnehmern wart? Zuviel war Euch dort gleichzeitig los, wirrer Chit-Chat und jeder schoss auf Euch? Aber irgendwie war es ja doch aufregend, wenn man es denn nur mal für sich üben könnte. Kaos hat ein Herz für Euch und spendiert Frontlines: Fuel of War eine umfangreiche Solospielerkampagne die genau das machen soll. Einen MMO-Shooter für einen einzelnen Spieler simulieren ohne dabei zum reinen Bot-Gemetzel zu verkommen. Hohe Ziele, die man sich da gesteckt hat.
Frontlines: Fuel of War
Kaos sind sicher nicht die falsche Truppe für dieses gewagt Experiment, schließlich haben sie an Battlefield 2 mitgewirkt und zuvor den Battlefield 1942 Mod Desert Storm geschrieben. Wie es also mit vielen Leuten gleichzeitig auf einer Map zugeht wissen sie. Ein packendes Solospiel macht aber noch weit mehr aus, beispielsweise eine interessante Story. Die Geschichte von Frontlines erinnert dabei an beste Tom Clancy (Red Storm Rising) - Zeiten in den 80ern, gewürzt mit einen Schuss apokalyptischer Endzeitstimmung.
Wenn das Öl alle ist...
Frontlines: Fuel of War
Das Öl geht uns im Jahr 2024 praktisch so weit aus, dass für die Massen nicht genug da ist. Große, monatelange Stromausfälle sorgen für Panik und schließlich geht es um die letzten Reserven im Kaukasus. Die Rotstern getaufte Union aus Russen und Chinesen steht der Westlichen Allianz, im Gegenzug von Europäern und den USA gegründet, gegenüber. Es beginnt mit kleineren Scharmützeln und steigert sich bis hin zum einem recht furiosen WWIII-Finale. Sicher ist das weder innovatives noch besonders brillantes Thrillermaterial aber es funktioniert. Die Verknüpfung mit ein paar aktuellen Nachrichten, ein wenig weitergesponnen und im Zeitraffer abgespielt sorgt für eine beklemmende Atmosphäre in den Sequenzen zwischen den Missionen.
Frontlines: Fuel of War
Erzählt wird schön dynamisch und mit der Einbindung eines Reporters der die Stray Dogs, die Truppe des Spielers, begleitet. Die Stray Dogs selbst kommen ohne Namen aus, schließlich soll man nach dem Ableben ja mit einem anderen Soldaten weitermachen. Im Geschäft des schnellen Sterbens sind persönliche Bindungen und Namen ja sowieso hinderlich. Auf dem Einsatzfeld angekommen wähnt Ihr Euch durchaus in einem Battlefield-artigen Spiel. Die Maps sind weit weniger linear, als Ihr es von dem üblichen Solo-Shooter gewohnt seid. Ihr dürft überall hin, Eure Stray Dogs werden sich auch ohne Euch um Ihre eigene Haut kümmern.
MMO mal ganz für sich allein
Frontlines: Fuel of War
Und Ihr werdet mehr als nur ein paar Mal sterben. Macht ja nichts, in jedem Level habt Ihr eine bestimmte Anzahl von Respawns oder "Leben". Sofort wird übrigens nie gestorben, unter Beschuss verfärbt sich der Screen langsam rot. Dann solltet Ihr schnell Deckung suchen. Dort reichen dann schon wenige Sekunden durchatmen, um das vorige Feuer zu vergessen und sich erneut frisch in die Schlacht zu stürzen. Und weiter geht es, denn die wichtigen Missionsziele kann schließlich nur Euer Mann bewältigen.
Frontlines: Fuel of War
Der Missionsablauf ist dabei immer recht ähnlich. Ihr werdet auf einer Karte abgesetzt, die in der Übersicht größtenteils rot für "Red Star" markiert ist. An der Grenze dieses roten Einflussgebiets sind ein oder mehr Punkte mit den Missionszielen markiert. Erfüllt Ihr die Vorgaben wird sich die Grenze zugunsten der Blauen verschieben und neue Ziele werden Euch mitgeteilt, meist im Kommandoton. In den häufigsten Fällen müsst Ihr eigentlich in erster Linie einen bestimmten Punkt erreichen. Sei es nun, um eine SAM-Lafette zu sprengen, eine Geisel zu befreien oder einen Schalter zu benutzen. Ein wenig schwieriger wird es erst, wenn Ihr diesen Punkt verteidigen müsst. Es dauert MMO-Flag-typisch ein paar Sekunden, bis ein Fleck Euch gehört. Und auch solange, bis Ihr ihn wieder von einem heranstürmenden Trupp Feinde, die Euch abdrängen konnten, zurückgeholt habt.
Frontlines: Fuel of War
Allzu viel Abwechslung wird im eigentlichen "tun" bei den Zielen nicht geboten, die Stimmung kommt mehr dadurch auf, wie es verpackt und serviert wird. Sichert die Dorfstraße, rückt vor auf die SAM-Stellung, besetzt den Bahnhof, gewinnt die Panzerschlacht und zerstört die Fabrik klingt halt besser als "bewegt Euch von Punkt 1-6, bleibt bei 3 vier Minuten stehen und lasst keinen Panzer bei 4 übrig". Verbale Verpackung ist wichtig und sorgt für genug Stimmung. Und diese stimmt auch dank der KI von Freund und Feind. Sie bietet nicht die manchmal geniale Überraschung oder den irrationalen Wahnsinn echter menschlicher Mitspieler. Trotzdem geht es weit über das hinaus, was Ihr sonst an Bot-Kämpfen vorgesetzt bekommt. Das Feeling stimmt und das "Experiment Multiplayer für Einen" ist geglückt.
Drohnen retten den Tag
Frontlines: Fuel of War
Aber warum muss das Solo-Frontlines so verdammt kurz sein? Ich bin es langsam leid in jedem meiner Reviews klagen zu müssen, dass 6-7 Stunden keine ausreichende Spielzeit für einen Solomodus sind. Das sind gerade 2 Abende oder ein gegen Mittag begonnener Sonntag. Das ist einfach zu wenig. Ich kann verstehen, wenn Ihr es leid seid, dass ich dies jedem Spiel in der letzten Zeit vorwerfe. Aber glaubt mir, ich bin es mindestens ebenso leid es jedes Mal schreiben zu müssen...
Frontlines: Fuel of War
Diese sieben Stunden - gespielt auf mittel und ich bin wirklich kein großes Shooter-Ass - machen aber wirklich Laune, was nicht zuletzt an dem guten Sortiment von Waffen liegt. Damit sind nicht die üblichen Sturmgewehre, Raketenwerfer oder sonstiges bekanntes Schießmaterial gemeint. Die echten Stars des Tages sind kleine, ferngelenkte Drohnen und auch wer sie wie ich erst zaghaft einsetzt wird sich schon bald nicht der kindlichen Freude an einem ferngelenkten Spielzeug entziehen können. Zugegeben, einem Spielzeug mit ein paar Kilo Sprengstoff an Bord.
Frontlines: Fuel of War
An einigen Stellen findet Ihr Hubschrauber und Geländewagen ungefähr in der Größe, die Ihr auch im Spielzeughandel bekommt. Diese hier sind aber etwas robuster und können auch schon mal einen Treffer ab, während sie auf einen ausgewachsenen Panzer oder eine Geschützstellung zuhalten. Mit kabellosen Pads, wie das der 360, das problemlos auch am PC funktioniert, habt Ihr sogar das gleiche Feeling, das die echten Spielzeuge vermitteln, nur die Sicht aus der Perspektive des Gefährts ist natürlich besser. Habt Ihr das Ziel erreicht drückt Ihr die Feuertaste und es macht "boom" ohne dass Ihr Euch aus der Deckung wagen musstet. Wenn es ein wirkliches, echtes und ganz großes Highlight in Frontlines gibt sind es die kleinen Fahrzeuge.
