GTA 6, das teuerste Videospiel aller Zeiten: Droht der Gaming-Welt der Kosten-Kollaps?

Special Kevin Hildebrand Lukas Schmid
GTA 6, das teuerste Videospiel aller Zeiten: Droht der Gaming-Welt der Kosten-Kollaps?
Quelle: Rockstar Games

Kosten von weit über einer Milliarde Dollar für GTA 6 - und auch sonst sieht es düster aus in der Gaming-Welt. Steht der Kosten-Kollaps kurz bevor?

Achtung, Achtung, das ist keine Übung! Grand Theft Auto 6 wird nicht verschoben und soll ganz planmäßig im Herbst 2025 erscheinen. Das geht aus einem jüngst erschienenen Geschäftsbericht des amerikanischen GTA-Publishers Take-Two hervor. Grund zur Freude also - sofern nicht doch noch eine kurzfristige Planänderung dazwischenkommt. Doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.

Fans der Spielereihe warten seit über elf Jahren auf einen Nachfolger für GTA 5 (erschien erstmals am 17. September 2013). Dementsprechend dürfte nicht nur die Vorfreude auf den neuesten Teil des Open-World-Abenteuers riesig sein - die Kosten, die das Spiel verschlingt, sind es auch.

Auch wenn es keine offiziellen Zahlen von Entwickler Rockstar Games gibt, rechnen Branchen-Experten damit, dass die Entstehung des Titels rund ein bis zwei Milliarden Dollar verschlingen könnte. Damit wäre GTA 6 die kostspieligste Videospiel-Entwicklung aller Zeiten. Bis jetzt.

Wir sprachen mit Experten darüber, was die Kosten für einen Blockbuster dieser Kategorie derart in die Höhe treibt und schauen, wie viel Geld große Titel der Vergangenheit in ihrer Entwicklung kosteten. Zudem klären wir die Frage, ob der Branche diese Entwicklung guttut - oder ob irgendwann der große Kosten-Kollaps droht.

Passend dazu: Müssen Videospiele teurer werden? Der hohe Preis, den man für Gaming zahlt

Zwei Menschen auf einem Auto Quelle: Rockstar Games

Gerichtsprozess gibt Einblick in Kosten

Ein bis zwei Milliarden Euro für die Entwicklung eines Videospiels klingen nach einer absurden Summe. Und in der Regel halten sich Entwickler im Hinblick auf Ausgaben sehr bedeckt. Bei einem Rechtsstreit zwischen Microsoft und Activision Blizzard auf der einen und der amerikanischen Federal Trade Commission auf der anderen Seite im Juli 2023 wurden allerdings Dokumente von Sony veröffentlicht, die einen Einblick in die Kosten der Entwicklung von The Last of Us: Part 2 und Horizon Forbidden West gaben.

Letzteres verschlang über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 212 Millionen US-Dollar. Der Großteil dieser Summe ging an rund 300 Entwickler, die in Vollzeit für das Projekt beschäftigt waren. The Last of Us 2 kostete mit 220 Millionen Dollar geringfügig mehr und war sechs Jahre in Entwicklung.

Diese Dokumente zeigen: Der Großteil der Gelder, die nötig sind, um ein Videospiel zu erschaffen, gehen an das Personal. Dazu kommen noch weitere Posten wie benötigte Technologie, Programme, Hardware und Co. Auch laufende Kosten wie Strom werden in diese Summen einberechnet. Und: Selbst das bekannteste Spiel kommt nicht ohne Marketing aus, welches auch finanziert werden will.

Interessant hierbei: ein Bericht der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde von Anfang 2023 ergab, dass die Entwicklung eines Videospiels zwischen 2018 und 2023 rund 50 bis 150 Millionen US-Dollar kostete. Für 2024 und 2025 rechnete die Behörde mit voraussichtlichen Kosten von durchschnittlich 200 Millionen Dollar. Warum ist GTA 6 also so viel teurer?

Technischer Fortschritt erhöht die Entwicklungskosten

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sprachen wir mit Felix Falk, Geschäftsführer des game-Verbandes der deutschen Gamesbranche. Laut ihm sorgt unter anderem die schiere geplante Größe von Spielen in der Art wie Grand Theft Auto 6 für deutlich höhere Entwicklungskosten:

Felix Falk Quelle: Game-Verband Felix Falk "Die Entwicklungskosten für AAA-Produktionen sind in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der technologische Fortschritt, der aufwendigere Grafiken und größere Spielwelten ermöglicht, aber damit auch verteuert. Immer größere und spezialisiertere Teams sowie längere Entwicklungszyklen erhöhen die Personalkosten."

Er fügt hinzu: "An großen Produktionen arbeiten heute nicht mehr Dutzende, sondern Tausende von Entwicklerinnen und Entwicklern. Gleichzeitig steigen auch die Kosten für das Marketing: Um bei der großen Anzahl von Veröffentlichungen wahrgenommen zu werden, investieren die Unternehmen hier ebenfalls Millionensummen."

Wie viele Mitarbeiter tatsächlich an der Entwicklung von GTA 6 beteiligt sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Allerdings dürfte dieses Mammutprojekt wohl mehr Entwickler und Co. erfordern als die eben angesprochenen Titel The Last of Us und Horizon.

Studios könnten Kosten geringer halten

Weiterhin sprachen wir mit Prof. Dr. Giovanni Vindigni, D.Th., FRSA, der unter anderem als Studiendekan des Studiengangs Digital Games Business an der DIPLOMA Hochschule Hamburg und Doctoral Advisor an der Middlesex University fungiert. Er bestätigt, dass es vier große Posten gibt, die die Kosten für Videospiel-Entwicklungen bestimmen: das Personal, die Technologie, Prozessmanagement sowie das Marketing und Vertrieb. So weit, so gut.

Dr. Giovanni Vindigni Quelle: Dr. Giovanni Vindigni Dr. Giovanni Vindigni Doch er sagt auch: mit einem besseren Evaluationsprozess könnten Studios Kosten sparen: "Ein kritischer Aspekt ist, dass viele Studios primär Evaluationen ex post durchführen und somit wesentliche Vorteile einer vorausschauenden und kontinuierlichen Überprüfung vernachlässigen."

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Ex post bedeutet in dem Fall, dass eine Analyse der Ausgaben, Arbeit und Co. nachträglich stattfindet - also nachdem das Spiel bereits erschienen ist. Vindigni: "Regelmäßige interne Überprüfungen während der Entwicklungsphase, das heißt eine interne Prozesskontrolle, könnten jedoch frühzeitig Risiken identifizieren und den Entwicklungsprozess effizienter gestalten."

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