Game of Thrones: Episode 6 – The Ice Dragon im Test

Test Alexander Winkel
Game of Thrones: Episode 6 – The Ice Dragon im Test
Quelle: Telltale Games

Telltale Games hat sich viel Zeit gelassen, um die finale Episode ihrer Game of Thrones Staffel fertigzustellen. Liegt es an den zahlreichen Kritiken, welche durchaus von der einen oder anderen Seite auf den Entwickler einprasselten, oder daran, dass man sich bereits auf eine zweite Staffel vorbereitet? Beides mag zutreffen, denn The Ice Dragon versucht in vielerlei Hinsicht einiges wieder gut zu machen und schafft es dabei, die Dramaturgie der HBO TV Serie bzw. der Bücher von George R. R. Martin wieder gerecht zu werden.

Hinweis vorweg: Leichte Spoiler lassen sich in diesem Test nicht vermeiden, auch wenn wir versucht haben, möglichst wenig zu verraten. Wer empfindlich ist, sollte sich vielleicht nur die Zahlenwertung anschauen. Diese bezieht sich nicht konkret auf die letzte Episode, sondern umfasst eine Gesamtwertung der kompletten ersten Staffel zu Game of Thrones.

Game of Thrones: Episode 6 - The Ice Dragon im Test Quelle: Telltale Games Wer einst am Ende der ersten Staffel von Game of Thrones vor dem TV saß und nicht glauben konnte, dass der größte Held und Charakter der Geschichte, Eddard Stark grandios gespielt von Sean Bean, einen Kopf kürzer nun das Dasein in der Familiengruft verbringen wird, hatte die Bücher nicht konsumiert. Immer wenn man denkt, es könne eigentlich nicht schlimmer kommen, wird man in dieser Serie eines besseren belehrt. Nach so vielen Episoden im TV und bisher fünf Büchern (englische Ausgaben) stellt sich durchaus die Frage, welcher der schillernden Helden wirklich noch an ein gutes Ende glauben darf.

Nun sind wir aber etwas weit abgeschweift vom eigentlichen Thema, der sechsten Episode The Ice Dragon von Game of Thrones aus dem Hause Telltale Games. Das Episodenformat kommt der Spielumsetzung normalerweise zu Gute, wer aber immer vorne mit dabei war wie wir beim testen, hat es schwer, in den finalen Showdown einzusteigen. Fast vier Monate ist es nun her, seit der Veröffentlichung von A Nest of Vipers und so manche Gedächtnislücke ist leider trotz des Vorspanns in der sechsten Episode noch vorhanden. Nicht alle Entscheidungen des Spielers werden nochmals präsentiert, so dass man sich erst wieder einfinden muss.

Game of Thrones: Episode 6 - The Ice Dragon im Test Quelle: Telltale Games Wie ist man mit Mira Forrester umgegangen? Ist sie zu einer kaltblütigen Frau geworden, welche wie Cersei Lennister über Leichen gehen würde, oder ist sie doch untertänig und erbittet höflich die Hilfe? Was waren die Entscheidungen im Kampf gegen den Whitehills, welche direkt an der Front den Kampf gegen das Haus Forrester führen und wie weit ist der Knappe Gared Tuttle im Land hinter der Mauer gekommen? Fragen, die sich wohl einige nach der etwas zu langen Pause stellen werden. Wer bis zu dieser Episode gewartet hat und erst jetzt die Serie genießt, tut sich definitiv leichter in den folgenschweren Entscheidungen, die uns The Ice Dragon noch vorsetzen wird.

Nach den Ereignissen der letzten Episode werden die zahlreichen Storystränge wieder etwas übersichtlicher. Wir begleiten Mira in den königlichen Mauern von Königsmund, sehen uns der Gefahr der weißen Wanderern mit Gared Tuttle gegenüber und müssen ein für alle Mal die Verhältnisse zwischen den Forresters und den Whitehils in den Nordlanden klären. Die sechste Episode The Ice Dragon lässt sich dabei kaum in Dramaturgie überbieten. Es offenbaren sich die Auswirkungen von Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getätigt haben und nun offensichtlich als Last auf unseren Schultern tragen müssen. Ganz klar, man kann die scheinheilige Fassade, die Telltele Games hier aufbaut durchaus wieder hinterfragen, denn schlussendlich wird die Handlung wohl in den meisten Fällen in ähnlichen Bahnen verlaufen. Ob nun der Hieb eines Schwertes das Leben beendet oder ein Gift, die Waffe der Frau, ist schließlich einerlei. Es bleibt abzuwarten, ob die Entscheidungen tatsächlich größere Auswirkungen auf die Erzählung in der nächsten Staffel haben werden.

Game of Thrones: Episode 6 - The Ice Dragon im Test Quelle: Telltale Games Es wird Tote geben, und das nicht zu knapp und leider für den Spieler auch oftmals wieder schockierend und ungewollt. Eine falsche Entscheidung und der Kopf kann rollen. Andererseits kann so mancher Charakter aber auch gerettet werden und dessen Geschichte wird wohl dann in der nächsten Staffel weiter verfolgt. Es sei denn, Telltale Games will uns nur einen Hoffnungsschimmer geben und führt die Hoffnung mit einem Fausthieb und melancholischen Tod derjenigen Person dann in den ersten Folgen der kommenden Staffel ad absurdum. Wie man sieht, bietet The Ice Dragon zumindest viel Diskussionsstoff vor allem rund um die Entscheidungen, die man trifft und welche Auswirkungen diese bereits in der finalen Episode hatten, aber auch in Zukunft noch haben werden.

Erfreulicherweise wurde das Spiel nun komplett lokalisiert. Die Menüs wie auch die Untertitel sind mittlerweile in Deutsch vorhanden, während die Sprecher nach wie vor gute Arbeit aber nur in Englisch abliefern. In spielerischer Hinsicht darf man wieder die typischen Dialoge, teilweise sehr gewieft durchdacht, erwarten - an den Schlagabtausch mit Cersei Lennister kommen diese aber nicht mehr heran. Vor allem das Gespräch zwischen Sara, Mira und Margaery Tyrell hätte doch etwas mehr Pfiff vertragen können. Erstaunlich ist, dass nun endlich auch die fahnenflüchtige Krähe Gared Tuttle eine tragende Rolle zugesprochen bekommt. Die Ereignisse hinter der Mauer sind weitreichend und die letztendliche Entscheidung hat wohl einen großen Einfluss auf die kommende Episode. Eine Scharmützel bringt der Knappe ebenfalls mit sich, eine wilde Jagd mit einem Bären und der Kampf gegen die weißen Wanderer. Auch in den Mauern des Hauses Forresters wird gekämpft. Simple Quick-Time-Events, die höchstens durch die Ladepausen etwas ärgerlich ausgehen können. Nach wie vor läuft die Engine nicht flüssig, obwohl die Technik eher bescheiden ist.

Meinung

Wertung zu Game of Thrones (XBO)

Wertung:

7.6 /10
Pro & Contra
Ein dramaturgisches Ende in einer Erzählstruktur, wie es HBO nicht besser machen könnte.Schwerwiegende Entscheidungen die sich hoffentlich nun deutlich auf Staffel zwei auswirken. Zumindest hat es den Anschein.Gared Tuttle wird zunehmend wichtiger, die Figur, welche seit der ersten Szene dabei ist.Es wird Tote geben und das nicht zu knapp. Ob es uns gefällt oder auch nicht!Endlich auch mit deutschen Untertiteln.
Die Story findet einfach kein Ende. Alles bleibt offen und hinterlässt ein unzufriedenes Gefühl.Telltale Games kann kaum Akzente setzten. Wirklich große Szenen gibt es nur wenige in der gesamten Staffel.Wenig Interaktionsmöglichkeiten da Telltale Games nach wie vor auf Dialoge aufbaut.Durch die Bank weg sorgen technische Probleme wie Ruckeln für Ärgernisse.Wer ein Spiel erwartet, sollte die Finger von lassen. Dies ist eine interaktive Geschichte, mehr aber auch nicht.
Fazit

Ein Kommentar zur Wertung: Diese bezieht sich nicht direkt nur auf die finale Episode The Ice Dragon, sondern umfasst sämtliche Episoden der ersten Staffel. Wir haben an dieser Stelle sämtliche Eindrücke einfließen lassen, um zu einem finalen Ergebnis zu kommen.

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