Gear Club Unlimited 2: Tracks Edition im Test: Arcadige Möchtegern-Rennsimulation
Test
Holt die PS-Boliden aus den Garagen und startet die Motoren eurer Nintendo Switch! Mit Gear Club Unlimited 2: Tracks Edition bringt der Entwickler Eden Games eine neue Edition des zweiten Teils der Reihe hervor, die neben neuen Fahrzeugen auch noch einige Ingame-Neuerungen mit sich bringt. Ob sich die Anschaffung wirklich lohnt? Das erfahrt ihr in unserem Test!
Nintendo ist zwar für spaßige arcardige Rennspiele wie Mario Kart bekannt, dennoch hat sie mit der Gear-Club-Unlimited-Reihe eine etwas realistischere Rennsimulation ohne Gumbas, Schildkrötenpanzer und Bananen. Nun wirft das zuständige Entwicklungsstudio Eden Games eine neue Edition von Gear Club Unlimited 2 auf den Markt, die neben (fast) allen bisher veröffentlichten Zusatzinhalten auch neue Fahrzeuge und Strecken vorzuweisen hat. Wir haben die Motorhaube geöffnet und uns das mal näher angesehen.
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Neue Kampagne, Strecken und Fahrzeuge
Die Edition beinhaltet die normale Hauptstory und eine neue Kampagne. Sie findet im Endurance Championship statt. Dieser teilt sich in zwei Events auf, die in beliebiger Reihenfolge abgeschlossen werden können. Das erste Event behandelt die Langstreckenserie, die vier Wettbewerbe beinhaltet. Hier werden pro Wettbewerb jeweils vier Rennen auf vier neuen Strecken gefahren. Das zweite Event beinhaltet zwei Wettkämpfe, darunter das im Trailer hochgepriesene Highlight der 24 Stunden von Le Mans auf dem sagenumwobenen Circuit de la Sarthe.
Quelle: PC Games
Mit der Tracks Edition wurden neue Fahrzeuge hinzugefügt. Hier sehen wir den Nissan GT-R LM Nismo.
Der Wettkampfablauf ist dabei immer gleich: Zuerst muss das Fahrzeug ausgewählt werden, mit dem wir die jeweiligen Wettbewerbe bestreiten werden. Das ist wichtig, denn innerhalb der Wettbewerbe können wir nicht mehr das Fahrzeug wechseln. Also sollte die Wahl gut überlegt sein, ob man mit dem schnelleren Auto, dessen Handling für einen selbst aber eine Katastrophe ist, antreten will oder doch lieber seine Lieblingskarre nimmt, deren Fahrverhalten man schon kennt. Neue Autos hat die Edition auch vorzuweisen. So stehen unter anderem der Mercedes AMG GT3 und der Porsche 919 Hybrid mit genügend Geld, das man sich mit dem Rennenfahren verdient, zum Kauf bereit.
Minimal strategische Planung vor und während des Rennens
Wir beginnen mit der ersten Strecke und entscheiden zunächst, ob wir in einem Qualifying um einen der besseren Plätze kämpfen wollen. Wer sich jedoch gerne vom zwölften Platz nach vorne kämpfen will (was nicht sonderlich schwer ist), kann auch direkt mit dem Rennen starten. Diese beginnen immer mit einem fliegenden Start.
Quelle: PC Games
Vor dem Losfahren muss erstmal die Reifenhärte und Höhe der Tankbefüllung bestimmt werden. Dabei gibt uns das Spiel Hinweise, denen nicht immer blind vertraut werden sollte.
Haben wir unsere Wahl zwischen Qualifying und Rennen getroffen, müssen wir noch die Reifenhärte und Tankbeladung bestimmen. Das hat so einige Tücken, da ab einem bestimmten Zeitpunkt nichts mehr geändert werden kann. Das Spiel gibt einem Hinweise, welche Reifen- und Tankstrategie man am besten nutzen sollte. Diese zu befolgen sind nicht immer ratsam, da es bei unserem Test manchmal vorkam, dass der Sprit am Ende doch nicht gereicht hat und man doch nochmal zur Box musste.
Box, Box, Box!
Quelle: PC Games
In der Boxengasse werden die abgefahrenen Reifen gegen neue getauscht und das Auto nachgetankt.
Wie eben schon angedeutet, spielen nun Reifenverschleiß und Benzinverbrauch eine Rolle. Um nicht auf den Felgen zu rasen oder mit leerem Tank das Rennen vorzeitig beenden zu müssen, gibt es die Boxenstopps. Durch blaue Pfeile auf der Strecke wird kurz vor der Boxengasse angezeigt, wo sich diese befindet, falls man die Hilfslinien in den Optionen nicht deaktiviert hat. In der Boxengasse angekommen, dürfen wir noch zügig die Reifenhärte und die Tankauffüllung bestimmen. Letzteres kostet viel Zeit, weswegen der Tank nicht zwingend vollgetankt werden muss. Sofort wechseln unsichtbare Helferlein die Reifen und tanken die PS-Monster nach (das ist übrigens seit 2010 in der Formel 1 und seit 2012 in der DTM verboten). Schade ist, dass der Boxenstopp nicht wenigstens ansehnlich animiert ist. Anstatt Menschen an das Auto zu lassen und zu zeigen, wie die Reifen gewechselt werden und der Tankrüssel an die vorgesehene Stelle gesetzt wird, dürfen wir uns nur typische Schraubergeräusche anhören. Die Pitstops dauern gerade am Anfang ziemlich lang. Die Zeit kann nur durch das gute Abschließen der einzelnen Wettbewerbe verkürzt werden.
Realistischere Rennsimulation? Weit gefehlt!
Quelle: PC Games
Das Zurückspulen funktioniert bei den Rundstrecken nur im Rennen und nicht im Qualfying.
Im Qualifying fahren wir die Strecke ohne die Gear-Club-Unlimited-typische Fähigkeit, bei Fahrfehlern zurückzuspulen und den gleichen Abschnitt noch mal zu fahren. Im Rennen sieht das anders aus. Begehen wir einen Fehler können wir drei Mal pro Runde zurückspulen. Das ist gerade für Rennsimulationsanfänger ganz praktisch. Da sich aber in jeder Competition die vier Rennstrecken wiederholen, dauert es nicht lang, bis man sich das Wissen um den genauen Bremsweg und die genaue Anfahrt der Kurve angeeignet hat.
Eine Vielfalt an neuen Strecken gibt es, wie eben schon angedeutet, nicht. Es wirkt so, als hätten die Entwickler das Spiel künstlich in die Länge ziehen wollen, indem sie unterschiedliche Competitions mit den gleichen Strecken mit unterschiedlichen Fahrzeugklassen anbieten. Die Fahrzeiten pro Rennen wurden im Vergleich zu den vorherigen Strecken deutlich verlängert. Flexibel einstellen kann man diese aber nicht, das ist gerade bei dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans nervig, da das Rennen 30 Minuten dauert. Eine schnelle Runde auf dem Asphalt zu drehen, ist daher unmöglich.
Bedauerlicherweise fehlt ein Schadensmodell, welches den Spielern das Gefühl geben könnte, näher an der Realität zu sein. Die Rundenzeiten werden leider nicht während der Fahrt angezeigt und anstatt Durchsagen zu geben, wann der beste Zeitpunkt für einen Stopp gekommen ist, taucht es in Textform während der Fahrt mitten auf dem Bildschirm auf. Das stört kurz vor dem Kurvenbereich enorm und führt manchmal zu einem Crash. Ein wirklicher Unterschied beim Fahrverhalten durch die verschiedenen Härtegrade der Reifen und des Tankgewichts ist uns leider nicht aufgefallen.
Quelle: PC Games
Die Strecke Circuit de la Sarthe, bekannt durch die 24 Stunden von Le Mans, ist spaßig. Es stellt sich nur die Frage, warum die Bäume so unterirdisch schlecht aussehen.
Die Switch ist nicht gerade dafür bekannt, grafische High-End-Spiele auf den Fernseher zu bringen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Gear Unlimited 2: Tracks Edition auch hier keine Ausnahme macht. Ein grafischer Vergleich mit aktuellen Rennspielen wie F1 2020 auf anderen Konsolen ist kein nennenswerter Kritikpunkt, wenn die Bäume neben der Strecke von Le Mans aber so aussehen, als hätte sie ein 15-jähriger Schüler im Informatikunterricht programmiert, darf man sich nicht über das Kopfschütteln der Spieler beschweren.
Zu wenig Inhalt für zu viel Geld?
Wie schon erwähnt, beinhaltet Gear Club Unlimited 2 (jetzt kaufen 27,00 € ): Tracks Edition die Zusatzinhalte Arrows, Checker, Hazard and Wings. Die Porsche Edition, die fast vor einem Jahr erschienen ist, ist leider nicht im Spiel enthalten und muss nochmal für 15 Euro dazu gekauft werden. Das ist schade, da die Gear Club Unlimited 2: Tracks Edition eher wie ein überteuertes Spiel rüberkommt und es zu wenige richtige und effektive Neuerungen hat. Das zeigt sich auch im Koop-Modus. Obwohl die Rennsimulation einen solchen hat, sind die Entwickler nicht auf die glorreiche Idee gekommen, die neuen Strecken für Multiplayer zu implementieren. Also fallen Rennen mit Freunden auf den neuen Kursen weg und man muss auf die altbewährten Strecken zurückgreifen. Gelegentliche Spielabstürze sind leider noch zu erwarten. Bei unserem Test stürzte die Arcade-Rennsimulation zwei Mal während eines Rennens ab.
Was bleibt also von Gear Club Unlimited 2: Tracks Edition hängen? Viel Arcade-Rennspiel und wenig ernstzunehmende Rennsimulation. Wer den Anspruch an ein realistischeres Fahrverhalten hat, wird nicht zum Switch-exklusiven Spiel greifen, für Arcade-Racer-Freunde könnte es dennoch ein Spaß für zwischendurch sein.
