Ghostrunner: Parkour-Action im Cyberpunk-Setting - bockschwer und doch genial

Test Alexander Bernhardt Philipp Sattler
Ghostrunner: Parkour-Action im Cyberpunk-Setting - bockschwer und doch genial
Quelle: One More Level

Ghostrunner macht sich den Hype des Cyberpunk-Genres, der vor allem durch CD Project Reds Cyberpunk 2077 angeheizt wird, zunutze und versetzt uns in eine düstere Welt, in der wir als Parkour-laufender Ghostrunner mithilfe unseres treuen Katanas die Menschheit retten wollen. Dabei macht das Mirrors-Edge-ähnliche Gameplay eine Mordslaune, wenn wir nicht aufgrund der happigen Schwierigkeit vorher den Controller durchs Zimmer pfeffern.

In schwindelerregenden Höhen springen wir in einem Affentempo von Wand zu Wand, während die Projektile nur so umher fliegen. Ein letzter Enterhaken zieht uns an den Feind heran, doch das Blei ist schon auf dem Weg zu uns. Der ersten Kugel weichen wir dank der Zeitlupenfunktion aus, die Zweite lassen wir mit einem gekonnten Schwertschlag abprallen und schleudern sie sogleich auf den Feind zurück. Am Ende stürzen wir uns auf den letzten Gegner, der mit einem einzigen Schlag unseres Katanas in zwei Hälften geteilt wird. Das ist Ghostrunner!

Ghostrunner ist aber auch das ständige Scheitern, getroffen werden und fallen, zu langsam und zu schlecht sein. Die Entwicklerstudios One More Level, 3D Realms und Slipgate Ironworks haben gemeinsam mit den Publishern 505 Games und All in! Games nicht nur ein unfassbar schnelles und schweres Spiel erschaffen, sondern auch ein unfassbar gutes.

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Was heißt "Mensch sein"?

Nachdem Cyberpunk 2077 ein weiteres Mal verschoben wurde, können sich Fans des düsteren Science-Fiction-Genre mit Ghostrunner die Wartezeit verkürzen. Hier verschlägt es uns in den sogenannten Dharma-Tower. Ein übergroßer Wolkenkratzer, der eine ganze Stadt in sich birgt. Dort kämpft die Menschheit zurückgezogen um ihr Überleben, da der Rest der Erde mittlerweile nicht mehr bewohnbar ist. Regiert wird das Gebäude von der Wissenschaftlerin Mara, auch Schlüsselmeisterin genannt. Diese lässt jeden verhungern und in Armut dahinvegetieren, der ihr nicht die Treue geschworen hat. Wir spielen in diesem Szenario den letzten lebenden Ghostrunner, ein Kampfcyborg, der vor 20 Jahren im Duell mit der Schlüsselmeisterin den Kürzeren gezogen hat. Nun wurden wir aber von Widerstandskämpfern repariert, um die Wissenschaftlerin erneut zu stellen und die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren.

Die Geschichte von Ghostrunner kann zwar nicht überraschen, unterhält durch die interessante Spielwelt aber trotzdem. Quelle: PC Games Die Geschichte von Ghostrunner kann zwar nicht überraschen, unterhält durch die interessante Spielwelt aber trotzdem. Die Story in Ghostrunner (jetzt kaufen 39,99 € ) gewinnt zwar keinen Oscar, funktioniert als Bindeglied zwischen den Leveln aber ziemlich gut. Die Frage, was einen Mensch ausmacht und was nicht, wird dabei viel thematisiert. Das ist zwar nicht sonderlich innovativ, aber definitiv auch nicht langweilig. Leider ist der Geschichtsverlauf, der übrigens stark an Portal 2 erinnert, sehr vorhersehbar. So wussten wir nach spätestens dem zweiten der 17 Level, wie die Charaktere sich entwickeln werden. Die meisten davon treffen wir im Spiel übrigens nicht, dafür haben wir aber unsere Verbündeten durchgängig per Funk im Ohr. Das ist aber nicht weiter schlimm, da die englische Vertonung wunderbar gelungen ist. Auf eine deutsche Sprachausgabe müssen wir leider verzichten, aber immerhin stehen uns wahlweise deutschsprachige Untertitel zur Verfügung. Bewohner des Towers treffen wir im Spiel aufgrund einer Ausgangssperre übrigens nicht. Die einzigen Menschen auf die wir treffen, sind unsere Gegner.

Butterweiche Steuerung

Die Wallruns, aber auch alle anderen Fortbewegungsmöglichkeiten gehen flüssig von der Hand und machen enorm Spaß. Quelle: PC Games Die Wallruns, aber auch alle anderen Fortbewegungsmöglichkeiten gehen flüssig von der Hand und machen enorm Spaß. Das Gameplay in Ghostrunner kann man wohl am besten als ein schnelleres und actionreicheres Mirrors Edge beschreiben. Wo wir in der City of Glass nur recht selten auf Gegner stoßen, spielt der Kampf in Ghostrunner eine große Rolle. Dabei erlaubt das Spiel keine Fehler. Ein Treffer und wir sind tot! So ergeht es aber auch unseren Kontrahenten, weshalb wir von einem Gegner zum nächsten flitzen, deren Attacken elegant ausweichen und sie mit unserem Katana zur Strecke bringen. Stillstand wird in Ghostrunner schnell zum Fremdwort. Lediglich die wenigen Bossgegner halten mehrere Treffer aus. Langsam laufen aber auch die Scharmützel mit den Obermotzen nicht ab, soviel ist sicher. Um nicht erwischt zu werden, können wir uns auf unterschiedlichste Weise fortbewegen. Wir rutschen, springen, dashen, laufen Wände entlang oder ziehen uns mit einem Enterhaken herum - und all das in einem Mordstempo! Dabei ist das Leveldesign sehr gut gelungen. Mit unterschiedlichen und abwechslungsreichen Wegen haben wir fast immer verschiedene Möglichkeiten, ans Ziel zu gelangen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit geht die Steuerung auch richtig gut von der Hand, leicht wird Ghostrunner aber trotzdem nicht. So kann beispielsweise nicht manuell gespeichert werden. Da die automatischen Speicherpunkte aber fair bleiben, ist das nicht allzu schlimm.

Das Timing muss sitzen

Ghostrunner ist vor allem aufgrund der enormen Zielgenauigkeit der Kontrahenten sehr herausfordernd. Da es eine Menge unterschiedlicher Gegnertypen gibt, kommt auch nie Langeweile auf. Jeder verlangt eine andere Taktik. So ist der Nahkampf-Ninja erst verwundbar, nachdem wir seinen Angriff im richtigen Moment geblockt haben. Die Drohne dagegen ist in der Luft zwar schwer erreichbar, kann dafür aber als kurzweilige Schwebemöglichkeit genutzt werden. Die Bruchlandung der Maschine kann wiederum umstehende Gegner ausschalten. Leider kommen ein paar Feinde zu kurz. Der Sniper kommt beispielsweise in gerade mal einem Level vor. Das ist aber kaum der Rede wert, da die restlichen Gegner durchaus für genug Abwechslung sorgen.

Unsere Tetris-förmigen Fähigkeiten müssen wir in einem Rastermenü unterbringen, um sie nutzen zu können. Quelle: PC Games Unsere Tetris-förmigen Fähigkeiten müssen wir in einem Rastermenü unterbringen, um sie nutzen zu können. Im Laufe der Geschichte schalten wir außerdem vier unterschiedliche Fähigkeiten frei, die uns das ein oder andere Mal aus der Patsche helfen können - beispielsweise ein Luftstoß, mit dem wir aus der Entfernung attackieren können. Alle erlernten Fähigkeiten können zudem auf verschiedene Weisen an euren persönlichen Spielstil angepasst werden. Ihr macht aus euren Dash einen Doppel-Dash oder dürft abgewehrte Projektile künftig zielsicher Richtung Feind fliegen lassen. Letzteres ist übrigens sehr befriedigend und macht trotz der immensen Schwierigkeit unfassbar viel Spaß. Neben diesen Talenten können in der Spielwelt auch umliegende Gegenstände gefunden werden, die euch für begrenzte Zeit eine Spezialfähigkeit gewähren. Ihr könnt je nach Item Shurikens
werfen, die Zeit verlangsamen oder auch gewaltig hohe Sprünge absolvieren. Und dann sind da noch die versteckten Sammelgegenstände: unterschiedliche Schwertdesigns, Tonaufnahmen vom Erbauer des Dharma-Towers und viele weitere Gegenstände, die uns mehr über die Spielwelt verraten. Über genug Abwechslung konnten wir uns in Ghostrunner wirklich nicht beschweren.

Feudales Japan trifft Cyberpunk

Im Cyberspace erlernen wir neue Fähigkeiten, während wir uns durch die pixelige Welt mit japanischen Einflüssen bewegen. Quelle: PC Games Im Cyberspace erlernen wir neue Fähigkeiten, während wir uns durch die pixelige Welt mit japanischen Einflüssen bewegen. Neben den Kämpfen gibt es auch reine Parkour-Abschnitte, die ein bisschen Ruhe in das Spiel bringen. Fast noch ruhiger wird es dann im Cyberspace, dem virtuellen Ort, wo wir neue Fähigkeiten erlernen. Die feudal japanischen Gebäude passen sich gut der pixeligen Umgebung unseres virtuellen Trainingsbereiches an. Hier müssen wir immer wieder kleine Rätsel lösen, Gegenstände sammeln und unsere neu erlernten Fähigkeiten ausprobieren. Das ist zwar keine wirkliche Herausforderung, muss es aber auch nicht sein. Es wirkt mehr wie ein Ruhepol zwischen den actiongeladenen Kämpfen.

Aber nicht nur der Cyberspace ist toll designet worden, auch der Dharma-Tower hat einige schöne Orte zu bieten. Hin und wieder wird es etwas eintönig, wenn wir uns im nächsten tristen und dunklen Industrie-Gebiet befinden. Diese werden aber durch die faszinierende Stadt mit den riesigen leuchtenden Bildschirmen überschattet. Teilweise fühlten wir uns fast wie in Bladerunner, nur ohne den ganzen Regen. Insgesamt schaut Ghostrunner einfach klasse aus. Unterlegt ist das Ganze dann noch mit einem fetzigen Soundtrack, bei dem Techno- und Elektrofans das Herz höher schlägt. Technische Probleme hatten wir im Test auf der Playstation 4 kaum, nur sehr selten kamen kleine Ruckler vor.

Der feuchte Traum jedes Speedrunners

Das Cyberpunk-Design schaut richtig schick aus! Nur selten wirkt die Umgebung etwas zu trist. Quelle: PC Games Das Cyberpunk-Design schaut richtig schick aus! Nur selten wirkt die Umgebung etwas zu trist. Am Ende der Levels erhalten wir eine kleine Statistik, wie oft wir gestorben sind und wie viel Zeit wir brauchten. Wir sind in den 17 Level nur sehr selten unter 100 Tode geblieben, was für den hohen Schwierigkeitsgrad spricht. Wer sich mit anderen messen möchte, kann das als Speedrunner kaum besser als in diesem Spiel. Bis zur Millisekunde genau wird unsere Zeit gestoppt.
Wie viele Stunden ihr in Ghostrunner verbringen könnt, ist sehr schwer einzuschätzen und hängt davon ab, wie gut ihr euch anstellt. Wir brauchten knapp 12 Stunden für alle Level, spielten aber auch mit dem Playstation-Controller. Mit Maus und Tastatur sind die waghalsigen Gefechte um einiges leichter zu bewältigen. Die ersten Speedrunner schafften es aber schon, in unter 50 Minuten das Ende zu erreichen. Durch den kompetitiven Aspekt, immer schneller sein zu wollen, steigt zudem der Wiederspielwert von Ghostrunner erheblich.

Ghostrunner ist aber nicht nur für Speedrunner einen Blick wert. Mit einer interessanten Spielwelt, einem großartigen Design und einem genialen Gameplay ist den Machern ein fantastisches Spiel gelungen. Die Story ist zwar vorhersehbar und die Gegnertypen sind nicht alle optimal ausgeschöpft worden, aber diese Kleinigkeiten gehen im Flow des Parkour-Rennens schnell unter. Ghostrunner ist auf der Playstation 4, der Xbox One, der Nintendo Switch und auf dem PC erhältlich.

Meinung

Wertung zu Ghostrunner (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Super schnelles GameplayLeveldesign mit verschiedenen LösungsmöglichkeitenTolle Parkour-AbschnitteCyberpunk-Look ist klasseFetziger SoundtrackUnheimlich herausfordernd, aber nie unfairViele verschiedene GegnertypenSpannende WeltFür Speedrunner prädestiniertNette CollectablesVerschiedene und nützliche FähigkeitenCyberspace bringt Abwechslung
Story sehr vorhersehbarManche Gegnertypen kommen zu kurzNur einen Schwierigkeitsgrad...... der sehr schwer istTeilweise ist das Cyberpunk-Design repetitiv
Fazit

Ghostrunner ist schnell, schwer und macht richtig Laune!

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