Google Stadia im Test: Cloud-Gaming ausprobiert - wie gut ist Stadia wirklich?
Test
Nachdem Google im März 2019 auf der GDC seinen neuen Spiele-Streaming-Dienst namens Google Stadia angekündigt hat, ist das Interesse an Streaming-Services für Games erheblich gewachsen. Google selbst hat seitdem auf verschiedenen Wegen die Werbetrommel für Stadia gerührt und war unter anderem auf der gamescom in Köln mit einem großen Messestand vertreten. Nun steht am 19. November der Start der kostenpflichtigen Pro-Version für Vorbesteller der Founder's und Premier Edition an. Wir hatten vorab bereits die Möglichkeit, Stadia ausgiebig auszuprobieren und verraten in unserem Test, wie gut der Dienst funktioniert und was ihr von Stadia erwarten könnt.
Was bei Musik, Filmen, Serien und weiteren Medienformen längst Standard geworden ist, ist auch in der Gaming-Welt grundsätzlich nichts Neues mehr, dort aber noch lange nicht so sehr am Massenmarkt angekommen, wie es sich manch einer wünschen würde. Google zum Beispiel. Das US-amerikanische Unternehmen hat sich das Spiele-Streaming auf die Fahne geschrieben und im Frühjahr 2019 seinen neuen Dienst namens Stadia angekündigt. Damit landen selbst brandneue AAA-Spiele in bestmöglicher Qualität auf vielen mit dem Internet verbundenen Geräten. Ein TV-Stick wie der Chromecast Ultra, ein Smartphone, ein Tablet oder ein gewöhnlicher Office-Laptop reicht aus, um zu zocken, solange die Internetleitung leistungsstark ist.
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Die Notwendigkeit potenter Hardware im eigenen Haushalt wird damit obsolet, da Rechenzentren und dortige Server diese Aufgabe übernehmen, unabdingbar wird dafür schnelles und zuverlässiges Internet. Wer Stadia (jetzt kaufen ) ab 19. November ausprobieren will, kommt um eine Founder's beziehungsweise Premier Edition aus dem Google Store nicht umhin, auch wenn die Hardware nicht zwingend notwendig ist, um in Kürze loszuspielen. Aber: Der Zugangscode zu Stadia ist an die Bestellung eines der beiden Sets gebunden. Während die Founder's Edition hierzulande schon länger vergriffen ist, kann die Premier Edition weiterhin bestellt werden. Zu Testzwecken wurden wir vorab mit der Founder's Edition und einem Stadia-Zugang ausgestattet. Was genau sich in der Vorbesteller-Box befindet, erfahrt ihr in unserem Unboxing in Video- sowie Textform hier.
Einrichtung und Voraussetzungen
Habt ihr eine Founder's oder Premier-Edition zur Hand, richtet ihr den Chromecast Ultra über die Google-Home-App wie gewohnt ein, das geht schnell und ist simpel. Danach ist die Stadia-App dran, die ihr auf das Smartphone ladet. Zuletzt fügt ihr noch den Stadia-Controller hinzu, der sich direkt mit dem Wlan verbindet und damit die Eingabeverzögerung verringert. Wollt ihr mit dem Controller am Chromecast Ultra spielen, müssen sich beide Geräte im gleichen Netzwerk befinden. Grundsätzlich seid ihr beim Spielen nicht an die Hardware von Google gebunden. Auch die meisten anderen Controller werden unterstützt, beispielsweise von der PS4 oder Dritthersteller-Geräte. Am Laptop oder PC könnt ihr auch mit Maus und Tastatur spielen. Die breite Unterstützung für eine Vielzahl von Geräten, vor allem Smartphones abseits der Google-eigenen Pixel-Geräte, folgt 2020, wenn Stadia auch in der Basis-Variante launcht.
Spiele bei Stadia kaufen
Spiele kauft ihr bei Stadia in der App oder im Browser. Für Pro-Abonnenten soll es zukünftig immer wieder kostenlose Games geben, grundsätzlich handelt es sich bei Stadia aber nicht um eine Spiele-Flatrate. Die Preise dürften voraussichtlich die gleichen sein, die ihr auch bei anderen Verkäufern hinlegt. Zu Testzwecken konnten wir vor Release bereits Fall of the Tomb Raider, Mortal Kombat 11, Destiny 2, Kine, Gylt (erscheint exklusiv bei Stadia) und Just Dance 2020 spielen. Das komplette Launch-Line-Up sowie angekündigte Titel findet ihr in unserem Unboxing-Artikel.
Quelle: PC Games
Google Stadia: Review - Spiele-Streaming im Test - wie gut ist Stadia wirklich? (6)
Setup und Internetanschluss
Eine Internetleitung mit 10 Mbps gibt Google als Minimum an, um Stadia zu nutzen, bei dieser Geschwindigkeit mit einer 720p-Auflösung und 60 Bildern pro Sekunde. 1080p, HDR und 5.1-Surround-Sound gibt es ab rund 20 Mbps, für die maximale Qualität in 4K-Auflösung, ebenfalls bei 60fps sowie 5.1-Sound, braucht ihr wenigstens 35 Mbps. Wir hatten beim Spielen ein Auge auf die Analyse-Tools unseres Routers und stellten fest: Diese Angaben sind durchaus realistisch. Bei maximaler Qualität jagt Stadia ziemlich genau 35 Mbps durch die Leitung, das aber nur in der Spitze. Die meiste Zeit lag die genutzte Bandbreite bei etwas unter 30 Mbps.
Apropos Router: Zum Einsatz kam zu Testzwecken eine Fritzbox 7490 mit aktuellen Wlan-ac-Standard. Der Chromecast Ultra sowie das Pixel 3a XL wurden also primär über das 5-Ghz-Band mit Internet versorgt. Getestet hat der Autor dieser Zeilen Stadia mit diesem Setup in der eigenen Wohnung in der Großstadt. Als Internetanbieter dient dort die Telekom mit einem 50.000er-DSL-Anschluss über VDSL-Kupferleitungen, wobei die Leitung potentiell mehr als die doppelte Geschwindigkeit hergibt. Das Setup sowie der Internetanschluss sind zuverlässig, schnell, weisen eine niedrige Latenz auf und sind in rund drei Jahren nur ein einziges Mal ausgefallen. Durchaus sehr gute Voraussetzungen also für Spiele-Streaming, wenn auch nicht über das Übliche hinaus. Alle folgenden Beschreibungen zur Qualität von Stadia fußen also auf diesen Voraussetzungen. Bei einem schlechteren Internetanschluss, leistungsschwächerer Infrastruktur, einem weniger leistungsfähigen Router oder anderen leistungsmindernden Variablen wird die Qualität entsprechend potentiell schlechter sein.
So gut läuft Stadia
Mit unserem Setup läuft Stadia bereits vor dem offiziellen Release beeindruckend gut. Und das wohlgemerkt, obwohl Google aktuell natürlich noch viele Erfahrungswerte sammelt, um Stadia weiter zu optimieren. Vor allem bis zum Launch der kostenlosen Basis-Variante im nächsten Jahr dürfte noch einiges passieren. Doch schon jetzt ist das Spielen mit dem Google-Dienst zum größten Teilen makellos. Eine spürbare Eingabeverzögerung nahmen wir beim jeweils mehrstündigen Spielen über mehrere Tage hinweg in verschiedenen Spielen nicht ein einziges Mal war - also: nicht auch nur eine einzige verzögerte Eingabe!
Bild- und Tonqualität waren etwas zwiegespaltener. Deutlich überwiegend liefen die Games in 4K-Auflösung und mit HDR-Bild ohne den geringsten Makel und das dann auch über mehrere Stunden am Stück. Gelegentlich jedoch kam es zu Problemen, wobei das Spiel in diesen Fällen über längere Zeit immer wieder für Sekundenteile grafisch zusammenbrach und den Ton kurz komplett verlor. Schwer zu sagen allerdings, woran das genau liegt. Wir vermuten, es handelt sich um Probleme, die noch behoben werden und es sind weder unser Setup noch der Internetanschluss Schuld. Denn, wie bereits erwähnt, überwiegend blieb das Spielen über Stunden am Stück völlig fehlerfrei und selbst, wenn es zu Probleme bei Bild und Ton kam, war die Eingabe stetst trotzdem verzögerungsfrei. Wohlgemerkt in einem großen Wohnhaus aus den 1970er-Jahren mit knapp 100 Wohnungen, wo also sehr viele Nutzer auf denselben Leitungen online gehen.
Quelle: PC Games
Google Stadia: Review - Spiele-Streaming im Test - wie gut ist Stadia wirklich? (5)
Gespielt haben wir hauptsächlich in den Abendstunden, wenn also besonders viele Menschen Zuhause gleichzeitig online sind und beispielsweise Filme streamen - beeindruckend, dass trotz dieser bekanntermaßen starken Internetnutzung zu diesen Uhrzeiten Stadia keinerlei Probleme hatte. Die Aussetzer, die wir erlebten, lagen zeitlich alle am Nachmittag. Richtig flott waren die Ladezeiten der Spiele - klar, die Games laufen ja auf leistungsstarken Servern in Rechenzentren.
Guter Stadia-Controller
Angenehm in der Hand liegt auch der Stadia-Controller. Der ist zwar nicht notwendig, um den Service zu nutzen, sorgt aber dank direkter Wlan-Verbindung mit dem Internet für geringe Latenzen. Außerdem verfügt er über einen Button sowie ein Mikrofon für die Nutzung des Google Assistant, wobei wir dieses Feature vor dem Launch noch nicht ausprobieren konnten. Ansonsten bietet das Eingabegerät im Grunde alles, was man von einem solchen Produkt erwartet: alle üblichen Buttons, analoge Schulter-Trigger, einen Knopf für Screenshots und Videoaufnahmen, einen 3,5mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer und Headsets sowie einen Home-Button. Außerdem verfügt der Stadia-Controller über recht leistungsstarke Vibrationsmotoren für haptisches Feedback. Übrigens werden Screenshots und Videos direkt in der Cloud gespeichert und sind mit eurem Stadia-Konto von allen Geräte aus aufrufbar, nicht nur von dem also, an dem ihr die Aufnahmen angefertigt habt.
Weitere Features kommen
Abseits des Google Assistant fehlen noch ein paar weiteres Features, die erst nach und nach Teil von Stadia werden, aber bereits angekündigt wurden, zum Beispiel Achievements. Gleiches gilt für das Spielen unterwegs im mobilen Internet, das ist vorerst nicht möglich, eventuell aber in der Zukunft, verriet Google bei einer öffentlichen Fragerunde Mitte November. Für uns in Deutschland stellt sich die Frage allerdings ja schon aufgrund eines nicht unbedingt sonderlich leistungsstarken mobilen Netzes ohnehin nicht wirklich. Und selbstverständlich funktioniert Stadia nur mit einer flotten, zuverlässigen Leitung mit geringer Latenz wirklich gut. Glasfaser ist also optimal, wobei, wie unser Test zeigt, auch Kupferleitungen unter den richtigen Bedingungen völlig ausreichen, selbst für die maximal angebotene Qualität.
Technisch beeindruckend
Alles in allem funktioniert Stadia erstaunlich gut. Besonders die nicht vorhandene beziehungsweise nicht spürbare Eingabeverzögerung beeindruckt. Denn: Selbstverständlich gibt es bei Videospielen zwischen Eingabe am Controller und Anzeige auf dem Bildschirm immer eine Verzögerung, das ist ja schon physikalisch gar nicht zu vermeiden. Die Hersteller sind aber natürlich bemüht, diese Verzögerung so gering zu halten, dass sie nicht auffällt, geschweige denn stört. Dass Google das beim Spielestreaming bereits jetzt so gut hinbekommt, verdient Anerkennung. Denn man darf nicht vergessen: Die eigene Angabe am Controller wird mitunter mehrere Kilometer weit bis zum nächsten Rechenzentrum übertragen, dort in die Tat umgesetzt, erneut mehrere hundert Kilometer weit zum Spieler zurückgeschickt und landet dann dort schließlich auf dem Bildschirm. Für uns von Nürnberg/Fürth aus steht das nächste für die Berechnung von Stadia zuständige Rechenzentrum in Frankfurt, also etwa 200 Kilometer weit entfernt.
Google selbst erklärte in der Vergangenheit bereits, dass man daran arbeite, Eingaben von Spielern vorherzusagen und diese potentiell bereits vorab zu berechnen; also schon bevor der Spieler die entsprechende Eingabe tatsächlich macht. Inwiefern diese Technik bereits jetzt zum Einsatz kommt, können wir natürlich nur mutmaßen. Auf jeden Fall hat es das Unternehmen geschafft, auch auf Schnelligkeit ausgelegte Games per Streaming spielbar zu machen. Mit keinem der für uns vorab zugänglichen Titel hatten wir ein Problem, auch nicht bei chaotischen Gefechten in Destiny 2, bei waghalsigen und gut getimten Sprüngen im Tomb Raider oder bei reaktionsschnellen Moves im Mortal Kombat 11.
Quelle: Google
Google Stadia: Review - Spiele-Streaming im Test - wie gut ist Stadia wirklich? (3)
Spiele-Streaming: Die Zukunft?
Um das nochmal in aller Deutlichkeit zusagen: Natürlich gilt all das nur für unser eigenes Setup, das wir zu Testzwecken nutzten und das vergleichsweise leistungsstark und zuverlässig ist. Gerade in ländlichen Regionen könnte Spiele-Streaming potentiell großen Hürden gegenüberstehen. Wer aber einen leistungsstarken Internetanschluss besitzt, für den kommt Stadia auf jeden Fall in Frage. Die Founder's beziehungsweise Premier Edition wird mit dem Launch der Basis-Variante 2020 nicht mehr notwendig sein, insofern sinkt die Einstiegsinvestition dann weiter und umfasst nur noch den Kaufpreis eines Spiels. Aktuell ist Stadia vor allem für sogenannte Early Adopter spannend, denn Googles Dienst zeigt auf durchaus beeindruckende Weise, wie weit die Technik seit beispielsweise dem bereits vor Jahren eingestellten Streaming-Service OnLive gekommen ist. Ob Spiele-Streaming wie auch bei Filmen, Serien und Musik zum Mainstream wird, das lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Ein weiterer, großer Grundstein für eine solche Zukunft ist aber mit Stadia durchaus gelegt.
