Gran Turismo 5 im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

Kann der Ausnahme-Racer die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen? Erfahrt es in unserem ausführlichen Review!

Die Abwechslung

Gran Turismo 5 Gran Turismo 5 GT5 hat mit einem etwas unschönen Umstand zu kämpfen, der sich Balancing nennt. Es herrschen oft zwei Zustände vor: Entweder man fährt davon oder ist hoffnungslos unterlegen, wodurch der Wagen bis zum Anschlag aufgemotzt wird, um sich dann mit nur einem Konkurrenten zu prügeln. Anders als bei Forza 3 sind Leistungsbeschränkungen bei GT5 die Ausnahme. Wenn man Wettbewerbe zu einem Zeitpunkt absolviert, in dem man bereits eine umfangreich befüllte Garage vorweist, sind Siege reine Formsache. Der non-lineare Gedanke ist manchmal auch nachteilig, da GT5 zu selten spannende Positionkämpfe bietet, es sei denn man macht es sich selbst künstlich schwer. Lediglich die letzten Karriere Veranstaltungen haben es in dieser Hinsicht faustdick hinter den Ohren, da sich sämtliche Wagen an der Leistungsgrenze befinden. Der andere Grund ist, dass es fast immer 1-2 Fahrer gibt, die dem Rest des Feldes davon fahren und man sich nie mit allen Piloten auseinander setzen muss oder kann. Meistens befinden sich 8-12 Wagen auf der Strecke. In seltenen Fällen sind es 16. Da wird schon mal ein vermeintlich hochklassiges Rennen locker gewonnen, während man sich bei einem Amateur-Wettbewerb unheimlich abmüht, der Schwierigkeitsgrad ist schon ein wenig undurchsichtig ausgefallen, was jedoch grundsätzlich kein sehr schwerwiegender Kritikpunkt ist. In einigen Wettbewerben hat GT5 ein Strafsystem parat, bei dem man den Kontrahenten nicht berühren darf. Doof nur, wenn uns die KI ständig hinten rein donnert und unverschuldet eine Disqualifikation die Folge ist. Größtenteils darf man sich jedoch in Kurven wieder wunderbar an die Gegnern anlehnen und sie problemlos überholen. Hier hat sich kaum was geändert, da mechanische Schäden nicht zu befürchten sind. Das ist zwar typisch für die Serie, allerdings nicht gerade förderlich wenn man ein "Real Driving Simulator" sein will.

Gran Turismo 5 Quelle: Sony Gran Turismo 5 Ein positiver Aspekt, den man GT5 hoch anrechnen muss, ist die Abwechslung, die in Forza 3 in diesem Ausmaß nicht gegeben ist. Neben Rennen mit Supersportwagen darf man sich auch in Pick-Ups, Go-Karts, Rallyboliden, Nascars oder Kübelwagen mit 30 PS setzen. Ein kleines Kart fährt sich deutlich anders als die großen Vorbilder, während man in den Rallywagen durch Matsch, Schotter und Schnee heizt. Man muss zugeben, das der Rallymodus recht rudimentär ausgefallen ist und sich keinesfalls mit dem neuesten WRC-Spiel messen lassen kann, als Sidekick taugt er jedoch alle mal. Ähnliches gilt für die Nascar-Rennen. Leider fährt man die Rallys auf generischen Strecken aus dem Editor, die sich zwar ändern, dafür aber sehr unspektakulär ausfallen. Die Fahrphysik stimmt jedoch auch hier, wie immer bei GT5. Und wenn wir schon bei Matsch und Schnee sind, GT5 bietet tatsächlich dynamische Wettereffekte wie eben Schnee oder Regen, die sich deutlich auf das Fahrverhalten auswirken. Dieses Feature ist jedoch nur ganz wenigen Strecken vorenthalten, genau wie der fließende Tag-Nacht-Wechsel, der richtig stimmungsvoll daher kommt. Optisch kann ein Regenschauer nicht überzeugen. Ein F1 2010 spielt in einer komplett anderen Liga und ist GT5 Meilen voraus. Gerade die billigen Wassereffekte auf der Frontscheibe sind bezeichnend. Rally, Nascar, die Mercedes-Fahrschule und andere Events gehören zu den so genannten Spezialveranstaltungen, die sich unter einem extra Menüpunkt verstecken. Wer schnell viel Geld und Erfahrung sammeln will, ist hier genau richtig.

Trockene Präsentation

Gran Turismo 5 Gran Turismo 5 Die Präsentation und die dazugehörigen Menüs kann man entweder nicht mehr als sonderlich zeitgemäß oder eben, wenn man es positiver sieht, als traditionell bezeichnen. Das auf den ersten Blick überladene GT-Menü ist dennoch schnell verinnerlicht. Begleitet wird man, während man durch die einzelnen Abteilungen surft, von klassischer Musik und Fahrstuhlklängen, was ungewöhnlich für ein Rennspiel wirkt. Misslungen ist das Konzept der Wagenkäufe. Die 200 Premium-Modelle lassen sich jederzeit wie gewohnt beim Händler erwerben. Die restlichen 800 Autos gibt es nur auf den Gebrauchtmarkt zu finden, der sich ständig ändert. Will man sich für einen speziellen Wettbewerb womöglich das passende Auto kaufen, ist unter Umständen Wartezeit angesagt. Warum man 80 Prozent des Fuhrparks nur auf diese Weise erwerben kann, bleibt unverständlich.

Gran Turismo 5 Quelle: Sony Gran Turismo 5 Unverständlich ist auch die zähe Menünavigation, die alle Nase lang von Ladezeiten unterbrochen wird. Unverständlich deswegen, weil uns Gran Turismo 5 eine optionale Installation von satten 6,5 GB anbietet, die stolze 42-48 Minuten dauert. Ohne Installation wird es noch unangenehmer für den Spieler. Wahlweise darf man im Hintergrund installieren, was die Ladezeiten in den ersten Stunden jedoch verlängert. Die Wartezeit von 50 Minuten dürfte sich erst nach sehr, sehr viel Spielstunden amortisieren. Ansonsten sind die Ladebildschirme vor einem Rennen trotz Installation auch nicht die kürzesten. Man verbringt einen nicht unwesentlichen Teil des Spiel mit Warten, da selbst die Wagenmodelle beim Händler 2-3 Sekunden zum Aufploppen benötigen. Während der Rennen bekommt man natürlich auch etwas Hintergrundmusik zu hören. Die Lizenzlieder sind zwar nicht die bekanntesten Vertreter ihrer Zunft, hören sich größtenteils aber recht gut an, auch wenn es viel Standard-Elektrosound gibt. Bei den Wagengeräuschen ist mal wieder Zwiespalt angesagt. Ein Lamborghini oder Ferrari hört sich schön kernig und kraftvoll an, wie viele andere Premium-Flitzer. Standardkarren klingen oft blechern und wenig natürlich, schlicht unpassend. Die Steuerung funktioniert prima und lässt keine Wünsche offen. Wahlweise darf man für mehr Realismus zum Lenkgrad greifen uns damit sehr präzise durch die lang gezogenen Kurven rasen.

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