Grand Ages: Medieval für PS4 im Test - Ökonomisches Aufbauspiel aus dem Hause Kalypso
Test
Kalypso Media gehört als deutsches Unternehmen zu den wenigen Publishern, die das Strategiespiel-Genre so langsam auch auf Konsolen etablieren wollen. Denn seien wir mal ehrlich, Strategiespiele für Konsolen sind nicht grade zu Hauf in den Regalen zu sehen. Da kommen Spiele, wie Kalypso's Tropico-Reihe grade recht. Die Entwickler von Gaming Minds arbeiteten zuletzt auch an Grand Ages: Medieval, dem Nachfolger von Grand Ages: Rom und stechen dabei auch hier in Konsolengefilde. Wie sich das Spiel so schlägt, lest ihr in unserem Test.
Hinweis: Der Mehrspieler-Modus der Konsolenversion (PlayStation 4 Version getestet) funktioniert seit dem Release nicht! Es lassen sich keine Lobbys beitreten, was wohl auf Serverprobleme zurückzuführen ist. Dass dieses Problem allerdings bis heute (Stand: 24.10.2015; Release: 24.09.2015) nicht behoben wurde, ist schwach. Wir haben uns deswegen auch entschieden, die Mehrspieler-Wertung vorerst nicht zu vergeben.
Quelle: Kalypso Media
Grand Ages: Medieval PS4 (11)
Wir schreiben das Jahr 1050. In Europa gibt es Kriege, immer wieder gibt es Unruhen in den Städten und Umweltkatastrophen sind ein ernst zu nehmendes Problem. Doch es gibt auch eine schöne Seite der Medaille: der Handel zwischen den Städten floriert und viele Städte erlangen Reichtümer, die sie zu ungeahnt großem Machteinfluss führen. Die bis dahin bekannte Welt entwickelt sich im Mittelmeerraum immer weiter und dazwischen sind wir, der Spieler - einer von vielen Herrschern, die sich in diesem Ökonomischen Gebilde beweisen müssen.
Kampagne als Einstiegshilfe
Grand Ages: Medieval bietet dem Spieler im Singleplayer zwei "verschiedene" Spielmodi an. Zum einen die Kampagne und auch ein Freies Spiel – so wie man es bei einem Strategiespiel auch erwartet. Die Kampagne führt uns Schritt für Schritt durch die verschiedenen Spielmechanismen und dient demnach auch als Tutorial. Wir übernehmen die Rolle des Adligen Leon Vasselios und dürfen nach dem Tod des Vaters die Stadt Sofia als Bürgermeister leiten. Zur Seite steht uns die byzantinische Kaiserin Eudokia sowie der weise Rahib, der uns als "Mentor" dient.
Quelle: Kalypso Media
Grand Ages: Medieval PS4 (10)
Was die Geschichte der Kampagne betrifft, ist Grand Ages: Medieval gar nicht mal so einseitig und flach. Der Erzähler kommentiert die Geschehnisse, die mit schlichteren Artworks untermalt sind und erzählt die Geschichte, die mit bösen Kontrahenten, Integren und anderen Dingen gespickt ist, durchaus packend. Zudem wird dadurch auch immer das, was wir im Spiel dann umsetzen müssen, logisch miteinander verknüpft. Die Geschichte ist also keineswegs nur Nebengeplänkel. Wer sich durch die recht lang andauernde Kampagne gebaut, gekämpft und geforscht hat, der wird am Ende in ein Freies Spiel freigelassen.
Handel, Handel und … ?
Kern des Spiels ist natürlich die Ökonomie. Wir treiben Handel mit Gütern, bauen Produktionsstätten innerhalb der Städte auf und versuchen durch geschicktes Ein- und Verkaufen, das Goldkonto zu füllen. Das ist grade zu Beginn durchaus fordernd und es braucht seine Zeit, bis man die verschiedenen Mechanismen durchschaut hat. Zwar sind die 20 Güter, die im Spiel vorhanden sind, nicht wirklich viel und die Komplexität darf auch hier hinterfragt werden, aber als Spieler wird man in den ersten Stunden schon durchaus gefordert und muss lernen, wie der Kreislauf zwischen Gütern und Städten funktioniert.
Quelle: Kalypso Media
Grand Ages: Medieval PS4 (7)
Hat man sich eingefunden, so kann man durch das Aufbauen weiterer Städte oder dem Handel mit anderen Städten versuchen, seinen Machteinfluss zu vergrößern. Je mehr Geld und Rohstoffe wir handeln, desto einfacher ist es auch, zu expandieren. Man kann mit fremden NPC-Städten versuchen zu handeln und dadurch Einfluss gewinnen. Handelt man also viel mit anderen Städten, kann es durchaus sein, dass wir alsbald in der Lage sind, diese diplomatisch zu übernehmen. Klappt das nicht, sind uns die Kontrahenten (die natürlich auch an Macht und Größe gewinnen wollen) schon im Nacken oder haben wir einfach Bock auf einen Krieg, dann heißt es Kämpfen.
Schwacher Militärpart
Den Fokus, den das Spiel hat, legt es nie wirklich ab. Die militärischen Auseinandersetzungen sind unspektakulär, funktionieren nach dem Masse statt Klasse Prinzip und sind im Grunde genommen nur auf dem "Schere-Stein-Papier"-Prinzip aufgebaut. Wir sehen die Kämpfe ohnehin nur als passiver Beobachter, wirklich eingreifen können wir nicht. Hat uns eine gegnerische Truppe von Söldnern oder Soldaten getroffen, so wird erst mal ein paar Tage/ Wochen gekämpft, bis sich ein Sieger herauskristallisiert. Irgendwelche Taktiken gibt es leider nicht und auch ein Schlachtenbildschirm, wie man in aus Total War kennt, sollte man hier nicht erwarten.
Quelle: Kalypso Media
Grand Ages: Medieval PS4 (4)
Grundsätzlich ist der schwache Militäraspekt zu verkraften. Man lässt sich mit Grand Ages eben auf eine Reihe ein, die auf Spielen wie Cäsar oder Imperium Roman quasi aufbaut. Serien, die nie großen "Wert" auf das große Kämpfen gelegt haben. Anders als bei Total War zum Beispiel, wo eben der Militärpart das wohl größte Flaggschiff der Reihe darstellt. Immerhin kann man durch das Bewegen der Truppen weitere Teile der Wolken bedeckten Karte aufdecken. Verziehen sich die Wolken einmal, so sehen wir auch, ob es in der nächsten Nähe Suchbereiche (mit Gold, Gütern oder Banditen) oder gar Städte gibt.
Die Technik macht die Musik
Technisch ist Grand Ages: Medieval sicherlich kein Vorzeigetitel für Strategiespiele aus dem Jahr 2015. Da man das Geschehen sowieso größtenteils von oben aus der Ferne betrachtet, gehen die Texturen und der Detailgrad in Ordnung. Grade die Städte wirken sehr detailverliebt, auch wenn es nichts nützt die Häuserfassaden zu beobachten, wenn man einen großen Warenkreislauf managen will. Wechseln die Jahreszeiten, dann wird die Karte auch mit Schnee bedeckt. Das ist ein gutes Detail, welches zwar keinen wirklichen Einfluss auf das Gameplay hat, es ist aber vorhanden.
Quelle: Kalypso Media
Grand Ages: Medieval PS4 (6)
Ansonsten darf man sich über deutsche Texte, gute deutsche Sprecher und einer stimmigen Soundkulisse freuen. Letzteres reißt auch hier wieder keine Bäume aus, so besteht der Soundtrack gefühlt nur aus einem wirklichen Titel (dem Main Theme aus dem Hauptmenü). Was die Steuerung betrifft, ist das Spiel durchaus nicht zu überfrachtet. Wir schalten mit den Schultertasten unseres Controllers durch die verschiedenen Tabs, managen per Pfeiltasten unsere Güter und legen mit einfachem Knopfdruck Händlerrouten fest. Klar, auf dem PC wird sich das Spiel merklich direkter spielen, aber auf den Konsolen hat man auch nicht das Gefühl, keine Kontrolle über seine Aktionen zu haben.
