Grand Theft Auto 4 im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

Auch mit dem vierten Teil der GTA-Reihe enttäuscht Rockstar nicht und schreibt erneut Videospielgeschichte.

Etwas für die Augen

Grand Theft Auto 4 Grand Theft Auto 4 Wie bereits beschrieben, entspringt Liberty City keinem Leveleditor und muss auch nicht mit wiederholenden Elementen, wie z.B. noch bei Oblivion, leben. Grafisch kann GTA IV zwar nicht unbedingt durch hoch auflösende Texturen überzeugen, dennoch macht Liberty City einiges her. Es bildet ein ausgezeichnetes Komplettpaket. Die Wagen sind nun viel detaillierter, man sieht den Innenraum, das Schadensmodell sieht optisch ansprechend aus, die Animationen der Charaktere sind lebensecht und die Wettereffekte erst: Mal erstrahlt Liberty City im grellen Sonnenschein, dann macht sich plötzliche diffuses Licht breit. Herrliche Sonnenuntergänge, Nebel wie aus einem Gruselfilm, heftige Regengewitter inklusive Donner und schön glänzenden Straßen, in denen sich die bunten Lichter der Stadt spiegeln, runden den positiven Eindruck ab. Am besten man setzt sich in ein Taxi oder die Bahn und genießt die Rundfahrt durch Liberty City.

Grand Theft Auto 4 Grand Theft Auto 4 Liberty City ist also extrem wandlungsfähig. Und dann wäre da noch der fließende Tag- und Nachtwechsel und die damit verbundenen Lichteffekte. Nachts durch den Park zu gehen und im Hintergrund die beleuchtet Skyline von Liberty City zu sehen, macht einiges her. Aber es ist nicht alles so toll in GTA IV. Wenn viel los ist, ruckelt es schon mal. Kleinere Objekte, wie Ampeln, Laternen oder Briefkästen, tauchen merklich später auf. Dadurch, dass sie nicht aufploppen, sondern sanft ins Bild "gleiten", wirkt dieser Umstand jedoch nur wenig störend, zumal uns nicht ganze Häuser ins Bild plumpsen. Diese Pop-Ups, oder wie man sie auch nennen will, sind insgesamt nicht mehr so auffällig, wie noch bei den Vorgängern. Hier hat sich wirklich viel getan. Und wenn man nicht explizit darauf achtet, merkt man es kaum noch. Nur bei einem Flug mit dem Hubschrauber werden Aufbauten deutlicher. Ohnehin hat man sich einiger Unschärfeeffekten im Hintergrund bedient, um mögliche Probleme bei der Grafikdarstellung geschickt zu vertuschen.

Grand Theft Auto 4 Grand Theft Auto 4 Kantenflimmern, die berühmten Treppchenbildungen, gibt es auch, ebenso wie einige Fehldarstellungen bei Schatten. Bei diesem Detailreichtum und den wechselnden Tageszeiten sowie Wetterbedingungen sind die Schattenproblem jedoch zu verschmerzen. Angekommen wären wir bei der Physik, die Passanten, Gegenstände und Co. realistisch umher fliegen lässt. Allerdings zappeln getötete Feinde manchmal noch Minuten nach dem Ableben am Boden oder verharren in bizarren Positionen. Wenn wir schon beim Ableben sind: Die KI hat sich ebenfalls leicht gebessert. Die Figuren sind beim Autofahren etwas souveräner geworden und verzweifeln nicht mehr an kleinsten Hindernissen. Auch die Feinde gehen nun in Deckung. Die KI bewegt sich quasi auf einem erträglichen Niveau. Leichte Beute sind die Gegenspieler dennoch.

Grand Theft Auto 4 Quelle: Rockstar Grand Theft Auto 4 Ladezeiten gibt es nur beim Starten des Spiels und wenn ihr eine Mission in Angriff nehmt. Zwischen den Stadtteilen müsst ihr nicht warten. Überhaupt gibt es während des Spiels keine Nachladeruckler, wie man sie aus Oblivion kennt. Die Technik von GTA IV hat ihre Macken und es gibt Spiele, die schönere Texturen, ausführlichere Licht-Schatten-Effekte und hübschere Charaktermodels haben, auch wenn die Emotionen in GTA IV sehr gut eingefangen wurden, trotzdem hat sich der Titel die volle Punktzahl verdient, da hier eine glaubwürdige Stadt erschaffen wurde, die schlicht mit ihren vielen Kleinigkeiten überzeugt, welche für den Spielspaß eigentlich nicht nötig gewesen wären. Der Hang der Entwickler für die Einzelheiten ist beeindruckend. Und so viel macht das Spiel dann technisch sowieso nicht falsch. 10 von 10 Punkten bedeuten nicht, dass die Grafik perfekt ist, sie ist überzeugend und fängt die Atomsphäre gekonnt ein.

Und was für die Ohren

Grand Theft Auto 4 Quelle: Rockstar Grand Theft Auto 4 Ein weiteres Plus der GTA-Reihe waren schon immer die unterschiedlichen Radiosender und auch hier geben die Moderatoren wieder skurrile Geschichten, neueste Nachrichten und diverses anderes, meist amüsantes Zeugs von sich. Die Radiosender bieten dabei lizenzierte Stücke aus Musikrichtungen wie Hip Hop, Pop, Rock, Klassik oder auch mal russische Volksmusik. Selbst aktuelle Ereignisse, die von uns herbeigeführt wurden, finden Erwähnung. Neben Karl Lagerfeld oder Iggy Pop ließen sich noch viele andere prominente Stimmen zum Moderator rekrutieren. Die Sender lassen sich ohne irgendwelche Verzögerungen durchschalten und wenn mal das Fenster offen ist, hört man von außen, was gerade für Musik gespielt wird. Überhaupt wurde die ganze Soundkulisse einer amerikanischen Großstadt perfekt eingefangen: Gehupe, lautes Fluchen, Sirenen, alles vorhanden.

Grand Theft Auto 4 Grand Theft Auto 4 Exzellent ist mal wieder die englische Sprachausgabe, die mit deutschen Untertiteln versehen wurde. Der witzige Akzent eines Jamaikaners, der wütende Russe, hysterische Frauen, dank der Sprachausgabe kauft man den Figuren ihre Rollen voll ab. Professioneller geht es kaum, selbst ein teurer Hollywoodstreifen klingt nicht besser. Allein der immense Umfang der Sprachaufnahmen in dieser Qualität ist schlicht beeindruckend. GTA IV ist in dieser Hinsicht die Referenz, genau wie die vielen, anderen Teile des Spiels. Die Synchronstimme von Niko Bellic sollte von der Academy einen Oscar erhalten, egal ob wir jetzt in einem Videospiel sind. Wahrscheinlich könnten nur die besten Filmemacher diese irrwitzigen und genialen Dialoge auf die Leinwand bringen.

Grand Theft Auto 4 Grand Theft Auto 4 Zum Ende des Tests möchte ich noch einen kleinen Vergleich zwischen der Xbox 360- und der PlayStation 3-Version anstellen. Beim Inhalt tut sich definitiv nichts, nur technisch sind einige Feinheiten zu erwähnen. So benötigt die PlayStation 3 zwingend eine knapp 8-minütige und etwa 3,3 GB große Installation von GTA IV. Dies hat den Vorteil, dass die Ladezeiten der Missionen gegenüber der Xbox 360-Fassung etwas verkürzt wurden, obwohl der Startvorgang des Spiels länger dauert. Dafür hat die PlayStation 3 mit mehr Treppchenbildungen zu kämpfen, was dezent ins Auge fällt. Bei der Performance, Schattenfehlern und Pop-Ups unterscheiden sich beide Versionen kaum. Nur wenn man mit der Lupe sucht, könnte man etwas finden. Ingesamt kann man seine Entscheidung ruhig vom Controller abhängig machen. Kommt ihr mit dem PS3-Pad besser zurecht, kauft euch GTA IV für die PlayStation 3. Findet ihr wiederum den Xbox 360-Controller angenehmer, ist die Wahl auch diesmal dementsprechend zu treffen. Allerdings bietet die PlayStation 3 mit ihrer Sixaxis-Funktion einige alternative Steuerungsmöglichkeiten, während die Xbox 360 quasi serienmäßig mit Rumble-Effekten daher kommt. Da das Dual Shock 3-Pad bei uns noch nicht erhältlich ist, wird hierzulande nur ein kleiner Teil der Spieler in den Genuss von Rüttlern kommen.

Meinung

Wertung zu Grand Theft Auto 4 (X360)

Wertung:

9.6 /10
Pro & Contra
Riesiges und abwechslungsreiches Stadtgebietdie unglaubliche Liebe zum Detailimmenser Umfangmotivierende Storyviele Nebenjobsunendlich viel zu entdeckentolle Videosequenzeneinprägsame Charakteregeniale Sprachausgabedie vielen Radiosenderdie Grafikfehler stören nur geringfügigviel versprechender Online-Modusgrafisch wurde Liberty City enorm glaubwürdig eingefangenbeeindruckendes Wettersystemgeschmeidiger Tag-Nacht-WechselAnimationen & Gestik der Charaktereverbesserte KIlebendig wirkende StadtAutosave nach einer Missiondie Idee das Mobiltelefon in das Spiel derartig einzubindenviele amüsante Minispiele
Zu träge Steuerung und etwas zu bockige KameraDeckungsfeature hat man schon besser gesehengewöhnungsbedürftige FahrzeugsteuerungGrafikfehler (Pop-UpsRucklerSchattendarstellung)manchmal zu dunkeldie KI hat immer noch Aussetzer
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