Greedfall 2 hat so viel Potenzial - aber nutzt es einfach nicht

Kolumne Antonia Dreßler
Greedfall 2 hat so viel Potenzial - aber nutzt es einfach nicht
Quelle: Nacon

Soll das Retro sein, oder ist das einfach ein Fehler in der Spielwelt? Diese Frage stellt sich Toni in ihrer Kolumne nachdem sie ein paar Stunden in Greedfall 2 gespielt hat. Die Early Access des Action-Adventures holt sie einfach nicht ab.

Epische Welten mit geilen Backstories, die aus der Masse an Rollenspielen herausstechen? Das ist die große Stärke von Spiders, die mit Greedfall und Steelrising in den letzten Jahren gleich zwei spannende Universen aus dem Boden gestampft haben. Aber nachdem ich einige Stunden in die frisch erschienene Early Access von Greedfall 2 reingespielt habe, bin ich nicht wirklich glücklich.

Ganz im Gegensatz bin ich oft sogar genervt, wenn ich mit der Spielwelt agiere. Etwas, was mir mit Spielen des besagten Entwicklers immer so geht und weswegen ich immer genervt aufstöhne, wenn ich nach einem fabelhaften Trailer das Studiologo von Spiders sehe.

Dass mir die Spiele in der Regel keinen Spaß machen, hat mehrere Gründe. Das liegt zum einen am Look der Spiders-Spiele, der einfach nicht so richtig fertig wirkt und zum anderen an den Spielmechaniken, die ebenfalls einen halbseidenen Eindruck machen. Bereits im ersten Greedfall wirken die Kämpfe auf mich eher hakelig, umständlich und träge. Etwas, womit ich meinen Tag definitiv nicht füllen möchte.

Zu viel gewollt?

Die Kampfmechaniken konnte man in Greedfall zumindest versuchen zu umgehen, indem man diplomatisch vorgeht oder alternative Skills levelt, wie beispielsweise Schlösserknacken. Doch auch an einem dialoglastigeren Spieldurchlauf störe ich mich. Die Animationen sind nicht rund, es ist mir mitunter egal, was die Charaktere zu sagen haben und das Quest-Design ist oftmals langatmig.

Wenn die Welt dann wenigstens so stimmig gestaltet wäre, dass man sich gerne durch sie durch bewegt, würde ich vielleicht ein bis zwei Augen zudrücken. Aber auch die hält einem näheren Hinschauen einfach nicht stand. Zu viele unsichtbare Wände halten mich vom Erkunden ab und die Interaktion in der Welt ist zu sehr an vorgeschriebene Events gefesselt.

Das ärgert mich, denn ich glaube nicht, dass Spiders keine besseren Spiele machen könnte. Stattdessen wirkt es so, als ob sie regelmäßig an ihren eigenen Ambitionen scheitern, die viel zu hochgesteckt sind.

Zwei Abenteurer in einem herbstlichen Wald vor einem Durchgang Quelle: Spiders/Nacon Natürlich ist Spiders unter dem Double-A-Publisher Nacon kein Blockbuster-Studio. Sie entwickeln aber Titel, die ein entsprechendes Budget bräuchten und müssen am Ende Abstriche machen, worunter das gesamte Spiel leidet. Denn statt auf einzelne Features zu verzichten, wird einfach an allen Mechaniken ein bisschen gespart.

Wäre ihr Ansatz ein anderer, hätte ich vermutlich richtig viel Spaß. Immerhin merkt man bei den Spider-Spielen, dass oft eine gute Idee dahintersteht, die Potenzial hat. In Greedfall 2 (jetzt kaufen 42,49 € ) lassen sich Quests auf verschiedene Weise lösen und man hat rollenspieltypisch mehrere Wege zum Ziel. Aber wenn man nicht den vorgefertigten Pfaden der Entwickler folgt und in der falschen Reihenfolge mit den NPCs spricht, verschluckt sich das Spiel. Dann haben die Dialoge nicht unbedingt etwas mit dem Wissensstand des Spielers und der Spielfigur zu tun und Gespräche ergeben nicht unbedingt Sinn.

Ein guter Ansatz

Dabei liebe ich das Setting um den magischen Kontinent, das Kreaturendesign ist super cool und auch der viktorianische Stil trifft meinen Geschmack. Dazu kommt mit Kolonialisierung eine spannende Thematik, die Reibungspunkte und moralische Dilemmas verspricht. Außerdem weist Greedfall Parallelen zu Dragon Age Origins auf. Einer meiner ersten Berührungspunkte mit Rollenspielen und der Ausgangspunkt meiner Gamer-Karriere.

Eine vierbeinige Kreatur, in einem Wald. Im Hintergrund zwei Personen. Quelle: Spiders/Nacon Trotzdem hat es bei Greedfall nicht gefunkt. Vielleicht lag das daran, dass es doch noch viel anders macht und die gebotene Mischung für mich so nicht zusammenpasst. Dieses Problem umschifft Spiders in ihrer Fortsetzung, zumindest in der Theorie. Denn die Parallele zu Dragon Age ist im zweiten Greedfall noch stärker. So schaut sich Spiders neben der Rollenspielelemente auch das Kampfsystem bei Dragon Age Origins ab. Das hat nun weniger etwas von einem Action-Rollenspiel wie im ersten Greedfall, sondern präsentiert sich sehr viel strategischer.

Ein bewährtes Kampfsystem

In einem Kampf ist es nun wesentlich, zwischen seinen Begleitern zu wechseln und die Taktikansicht zu benutzen, die es weniger ausgeprägt auch schon im ersten Greedfall gab.

Als Standard gibt es den Autoangriffsmodus und Skills müssen manuell ausgewählt werden. Auch die Positionen der Charaktere und bestimmte Laufwege kann man vorgegeben, während man im Echtzeit-Modus den ausgewählten Charakter noch händisch steuert. Eigentlich ein cooles Kampfsystem, das Köpfchen erfordert, aber trotzdem noch genug Raum für spannende Action lässt.

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