Das Guild Wars keine monatlichen Gebühren kostet, ist nur einer von sehr vielen positiven und richtungsweisenden Aspekten.
Eine technische Basis aus der Zukunft
Guild Wars
Die Grafik von Guild Wars steckt so ziemlich jeden Genrekollegen ganz locker in die Tasche. Dabei wird hier nicht wie in "Everquest 2" mit auffällig viel Bump-Mapping und horrenden Hardwarevorrausetzungen geprotzt, doch trotzdem erreicht das Spiel eine technische und künstlerische Qualität wie "World of Warcraft" und geht sogar weit darüber hinaus. Der absolute Hammer ist allerdings die extrem gute Verträglichkeit mit etwas älteren Systemen: Da tummeln sich zahllose Gegner und Zaubereffekte gleichzeitig auf dem Bildschirm, welche allesamt extrem detailliert ausgearbeitet und mit vielen Polygonen gesegnet sind, und trotzdem kommt das Spiel auf einem 1,4 GHz Rechner mit Geforce TI 4200 nicht ins Stottern. Ein weiterer Hingucker ist die wunderschön anzusehende Umgebungsgrafik des Spiels: Die Detailverliebtheit und das künstlerische Talent der Grafiker lässt sich auf unseren Screenshots bereits erahnen, in Bewegung sieht das Ganze aber noch um Längen besser aus. Außerdem legt das Spiel über die gesamte Optik einen sehr schmucken Unschärfe-Effekt, welcher zwar das Ganze etwas im Stil alter Schwedenfilme erscheinen lässt, bei einem Computerspiel aber auch den letzen Grafik-Kritiker sofort zum Schweigen bringt. Auch die Animationsabteilung hat ganze Arbeit geleistet und butterweiche Bewegungen von Gildenumhängen, Wasseroberflächen, Pflanzen und Monstern hervorgebracht. Lediglich während der Zwischensequenzen fehlen die Lippenbewegungen der Darsteller, was etwas befremdlich wirkt. Die musikalische Untermalung ist durchweg gelungen, sogar deutsche Sprecher wurden für die wichtigen Dialoge verpflichtet. Doch obwohl die Musikstücke sich sehr gut anhören und wunderbar ins Fantasy-Konzept passen, sind es einfach zu wenige und etwas mehr akustische Abwechslung hätte dem Spiel sehr gut getan.
Guild Wars
Guild Wars sieht in technischer Hinsicht nicht nur unglaublich gut aus, es basiert zudem auch noch auf einer revolutionären Streaming-Technik, welche das Nachladen neuer Inhalte oder ganzer Spielabschnitte während des eigentlichen Spielens ermöglicht. Somit ist es neben der Installation von CD auch möglich, den lediglich 117 Kilobyte (!) großen Client von der Webseite des Spiels zu laden und bereits nach ein paar Minuten mitten im Spiel zu sein. Alle weiteren Daten werden im Hauptmenü, während der Charaktererstellung und auch während des Spielens im Hintergrund bei Bedarf nachgeladen. Der Spieler merkt davon fast nichts und freut sich über ein technisch sehr aufwendiges Spiel, das prinzipiell ohne jegliche Installation auskommt. Die verwendete Streaming-Technik ist absolut zukunftsweisend, nicht nur für das Genre der Online-Rollenspiele. Neue Patches und Inhalte werden somit vom Spieler unbemerkt eingespielt und verlangen trotzdem keinerlei Wartezeit - Benutzerfreundlichkeit wie sie sein sollte. Auch das Spielerkonto kann begrenzt oft zwischen den amerikanischen und europäischen Servern ausgetauscht werden, hierfür steht ein eigenes Interface bereit. Innerhalb von Städten könnt ihr die aktuelle Region ohnehin jederzeit wechseln und somit auch mit Freunden aus dem Ausland auf Raubzug gehen. Guild Wars setzt seine Spieler also nicht auf einen bestimmten Server fest, sondern teilt überbevölkerte Bereiche ganz automatisch in jederzeit wechselbar Territorien ein. Trotzdem funktionieren die Server seit dem Start von Guild Wars einwandfrei, während unserer Spielzeit hatten wir nicht ein Verbindungsproblem und auch unschöne Lags blieben uns gänzlich erspart.
Guild Wars
Der Einstieg und die Bedienung des Spiels funktionieren größtenteils unkompliziert und intuitiv, so vorbildlich wie in "World of Warcraft" ist die Online-Dokumentation des Spiels dann aber doch nicht ausgefallen. Dafür hat man sich für zwei dicke und schön gestaltete Handbücher mit knapp 150 Seiten entschieden und einen praktischen Faltplan zur Tastenbelegung beigesteuert. Die Kommunikation unter den Gruppenmitgliedern funktioniert übrigens nach wie vor per Chat, jedoch wurde die für jeden sichtbare Minimap um eine entscheidende Funktion erweitert: Jeder Spieler kann hier Pfeile und Linien einzeichnen und somit den anderen Teammitgliedern ohne viele Worte beispielsweise eine Angriffsstrategie vermitteln. Hat man einmal mit diesem kleinen, aber sehr feinen Feature Bekanntschaft gemacht, möchte man es nicht mehr missen.
