Alle guten Dinge sind drei, aber gilt dies auch für Gitarrenhelden? Wir trafen Activitions Rocklegenden und berichten, wie es ausging.
Kooperative Rocklegenden
Guitar Hero 3: Legends of Rock
Dreh und Angelpunkt ist einmal mehr der Karrieremodus, welcher sich über acht Episoden erstreckt. Die virtuelle erschaffene Band - ihr entscheidet euch für einen Namen, einen hübschen Charakter und eine passende Gitarre - steigt dabei von einer Garagenband zum Rockolymp auf. Hervorragend inszenierte Comic-Sequenzen begleiten eure Erfolge und liefern geschichtliche Inhalte über die Anfänge sowie den ersten Musikvideos und vermitteln legendäre Konzerte. Gelegentlich wird euer Können auf die Probe gestellt, wenn tatsächliche Legenden die Bühne betreten und euch zu einem Duell heraus fordern. Zwar trägt der dritte Teil den Untertitel "Legends of Rock", doch mit Tom Morello und Slash fällt der Prominenzauflauf recht bescheiden aus - da hätte man deutlich mehr erwartet. Immerhin bringen die Duellgegner ihre eigene, speziell für das Spiel komponierte Stücke mit, welche anschließend in einem harten Duell zum Besten gegeben werden. Dabei geht es nicht nur darum, die richtigen Töne zu treffen, sondern den Gegner gezielt mit Attacken auszuschalten. Dazu bekommt man für fehlerfrei getroffene Spezialnoten Items wie in diversen Fun-Racern und kann damit die Saiten des Gegners durchtrennen, den Tremolo ausleiern oder das Griffbrett verdrehen. Durchaus eine witzige Idee, die aber nicht sauber durchdacht und ausbalanciert wurde. Vor allem der Schwierigkeitsgrad steht in keinem Verhältnis zu den normalen Songs.
Guitar Hero 3: Legends of Rock
Während der Karriere scheffelt man reichlich Zaster, was man anschließend nicht in Alkohol, sondern sinnvolle Extras aus dem Laden investiert. Neue Instrumente, einige farblich schicke Skins, verschiedene Videos und versteckte Charaktere wandern in euer Portfolio. Dem Spielspaß aber am ehesten dienlich sind zahlreiche Bonussongs wie "Hier kommt Alex" von den Toten Hosen, wodurch sich zusammen mit den gespielten Liedern aus der Karriere eine Auswahl von über 70 Titel ergibt. Neuerdings, dürft ihr die Karriere auch gemeinsam mit einem Kumpel austragen. Ähnlich, wie im Mehrspielermodus des zweiten Teils, übernimmt einer die Leadgitarre, während der zweite Gitarrist zum Beispiel den Bass spielt. Ungeschickt und für Solisten einfach nicht tragbar ist der Zwang auf diesen Modus, sofern man alle Songs im Spiel auch tatsächlich freischalten möchte. Denn einige wenige Titel werdet ihr nur im kooperativen Karrieremodus spielen und dadurch auch für den offenen Part des Titels freigeben können.
In Konkurrenz mit der Welt
Guitar Hero 3: Legends of Rock
Auch alle weiteren Modi wurden quasi aus dem Vorgänger übernommen. Anfänger trainieren im hervorragendem Übungsmodus einzelne Songs, oder geben sich spezielle Lektionen. Im freien Spiel geht es dagegen rein um die Highscore, welche nach wie vor stilecht auf die Wand einer abgenutzten Toilette verewigt wird. Der große Kampf wird schlussendlich im Mehrspielermodus ausgetragen, in dem man in unterschiedlichen Varianten den besten Gitarristen ausmacht, oder einfach gemeinsam musiziert. Einzige Erweiterung ist der Battle-Modus, welcher den Duellen gegen Rocklegenden entspricht. Soweit kann auch "Guitar Hero III" bei den zusätzlichen Modi kaum neuen Inhalt bieten.
Guitar Hero 3: Legends of Rock
Die wohl größte Neuerung stellt der lang erwartete Onlinemodus dar. Via Internet findet sich nun endgültig jederzeit ein passender Gegner, aber auch kooperativen Spielpartner. Sehr schade ist nur, dass die Koop-Karriere nur offline zur Verfügung steht. In den Auseinandersetzungen geht es in erster Linie um Spaß, aber auch um Ehre und eine guten Platzierung in den Ranglisten. Passend dazu gibt es auf der offiziellen Webseite zu jedem Spieler Statistiken und Wertungen. Mit einem Account könnt ihr dort auch aktiv an der Community teilnehmen, Bands gründen sowie Turniere veranstalten. Der Ansatz für den Onlinemodus ist gut, nur wurde dieser nicht konsequent ausgearbeitet. Da sich die Spielpartner innerhalb weniger Sekunden finden, stehen Sessions nur sehr kurze Zeit zur Verfügung, so das es häufig zu einem fehlerhaften Verbindungsaufbau kommt. Darüber hinaus ist das Interface umständlich gehalten, vor allem die Ranglisten sind nicht gerade übersichtlich. Abhilfe verschafft die Webseite, welche aber ebenfalls viel zu wenig Statistiken über den Spieler führt. Wie oft habe ich denn nun ein Ranglistenspiel gewonnen? Wie oft musste ich bisher eine Niederlage einstecken? Solch informative Fakten bleiben aber verborgen. Darüber hinaus ist der Onlinemodus einfach viel zu unpersönlich. Dank fehlender Chatmöglichkeiten bei der PS3 steigt man in das Duell ein und spielt, als ob man es mit einem CPU-Gegner zu tun hat. Es mangelt schlicht an gegenseitigen Kommunikationsmöglichkeiten. Ebenfalls sehr ärgerlich, zumindest in der Playstation 3 Fassung, ist die fehlende Möglichkeit, mit einem Freund online zu spielen. Während die Xbox 360 Fassung dies noch berücksichtigt und die Freundeseinladung akzeptiert, müssen PS3 Spieler vollkommen auf dieses Feature verzichten oder mit reichlich Glück den Kumpel in der Lobby ausmachen.
Erhabene Musikauswahl
Guitar Hero 3: Legends of Rock
Punkten kann "Guitar Hero III - Legends of Rock" vor allem aufgrund der erlesenen Songliste. Vom simplen und klassisch angehauchtem Rock, bis hin zu den harten Klängen inspiriert von den nordischen Gitarrenformationen ist einfach alles dabei, so dass jeder etwas finden dürfte. Dabei hat sich Activition nicht lumpen lassen und wieder große Namen, aber auch einige Legenden aufgefahren. Die Scorpions erklingen hell und deutlich mit "Rock You Like A Hurricane", während Santana mit seinen geschickten Fingern die Saiten zu "Black Magic Woman" zupft. Darüber hinaus freuen sich Metallica über ihren ersten Auftritt mit "One" und natürlich darf der Dauerbrenner Iron Maiden nicht fehlen, welche den Hit "Number Of The Beast" zum Besten geben. Leider fällt auch bei diesem Teil ein geringer Mangel an Abwechslung auf. Es gibt nur wenige bizarre Formen oder vom einheitlichen Sound abweichende künstlerische Darbietungen wie "Knights of Cydonia" von Muse. Es fehlen einfach markante Titel aus anderen Sparten wie zum Beispiel dem Punk oder gar Rock'n'Roll, obwohl uns ein breites Spektrum von den 60er Jahren bis heute geliefert wird. Denn mit "Ruby" von Kaiserchiefs findet sich auch ein hoch aktueller Radiosong in der Liste.
