Der Master Chief ist im Urlaub, nun müssen die Neulinge ran. Dieses Add-On liefert mehr, als man erwarten würde!
Halo 3: ODST
Die offene Stadt Neu-Mombasa lädt anfänglich zum Experimentieren ein. Einigen Patrouillen könnt ihr ein Schnippchen schlagen, indem verwinkelte Umwege gegangen oder gar Abkürzungen durch Häuser genommen werden, die sich aber nur extrem selten auftun. Aber nicht jedes Gefecht kann verhindert werden. Sobald die Luft mit Blei und Plasma geradezu geschwängert wird, bricht nahezu die Hölle aus! Wer alleine kämpft, sollte daher sehr vorsichtig, taktisch und vor allem bedacht seinen Weg wählen sowie geschickt bis reflexartig mit den Waffen umgehen. Die Allianz-Soldaten sind, sofern man nicht gerade auf niedrigstem Niveau zu spielen beginnt, äußerst gefährlich. Sie taktieren, sie nutzen jede Chance und jeden Fehler aus und wenn es ihnen gelingt, jagen sie euch direkt in einen tückischen Hinterhalt, aus dem gar der Rückzug verwährt bleibt. Das Stellungsspiel und die Feuergefechte in ODST machen extrem viel Laune und zeugen nach wie vor von einer Klasse, die zahlreiche andere Shooter nie erreichen werden.
Halo 3: ODST
Sollten alle Stricke reißen und das Ableben nicht zu verhindern sein, sorgen Checkpoints für den Widereinstieg mit teilweise ärgerlichen Wiederholungen. Gerade noch wurden die Jäger mit Mühe und Not zur Strecke gebracht, nur um im nächsten Augenblick von einem popeligen Schakal und seiner Sniper ausgelöscht zu werden - schon darf man sich erneut um die dicken Brocken kümmern und den Platz abermals säubern. Wer stattdessen kooperativ mit bis zu drei weiteren Partnern, sei es nun über Xbox Live oder offline per Splittscreen und LAN, unterwegs ist, weiß gewisse Vorteile zu schätzen. Sofern sich einer der Partner aus dem Gefecht hält oder zumindest einen sicheren Ort aufsuchen kann, sorgt dieser für einen Widereinstieg des gefallenen Helden ohne den Checkpoint aufsuchen zu müssen. Damit wird auch "Legendär" wie auch schon in "Halo 3" zu einer durchaus annehmbaren Aufgabe. Zudem wirkt das Kampfgetümmel im Team noch einen Tick gewiefter und macht daher umso mehr Spaß!
Was ist nur geschehen ...
Halo 3: ODST
Nur wenige Minuten in völliger Dunkelheit zwischen den Ruinen von Neu-Mombasa reichen aus, um den frischen Wind zu wittern. Mit der offenen Welt betritt Bungie Neuland und offenbart ein völlig neues Konzept. Schon das Erstlingswerk auf der alten Xbox wurde aufgrund weitläufiger Areale von den Kritikern gelobt, doch die kargen Landschaften von damals können sich nicht mit der Detailverliebtheit der heutigen Megametropole messen, die mit unendlich vielen Gassen, Straßen und einigen offen stehenden Häusern extrem viel Freiraum lässt. Geschickt wurde die eigentliche Geschichte in diese Welt eingebettet. Auf der Suche nach den Kollegen finden sich immer wieder Hinweise, welche eingeleitet mit Storysequenzen in Spielgrafik einen Rückblick auf die Geschehnisse zwischen Absturz und dem jetzigen Zeitpunkt geben.
Halo 3: ODST
Ihr schlüpft in diesem Moment just in die Rolle von Buck, Dutch und Co. und stapft in deren Kampfanzügen in bekannter Manier durch ausufernde Levels. Diese gleichen den Vorgängern nun umso mehr, bieten aber wie eh und je Spielraum für Experimentierfreudige Krieger. Auch die Abwechslung kommt dabei nicht zu kurz. Klassische Shootouts wechseln sich mit taktischen Kämpfen und rasanten Warthog-Rasereien bzw. luftige Banshee-Gefechten ab. Da man im Verlaufe des Abenteuers in die Rollen mehrerer Helden schlüpft, welche sich an unterschiedlichen Orten der Stadt Neu-Mombasa und den Vororten aufhalten, bieten sich künstlerisch wie auch optisch zahlreiche Möglichkeiten von Strand bis hin zur unterirdischen hochtechnologischen Geheimbasis. Nichts desto weniger möchte ich an dieser Stelle auch Kritik anbringen. Manch ein Level erinnerte uns schaudernd an die Bibliothek aus dem ersten Halo und ein jeder wird das Ende von ODST sofort erkennen, weil sich die Entwickler einmal mehr nichts Neues für den letzten Level einfallen lassen haben. Solche Déjà-vu-Erlebnisse trüben einfach ungemein den Gesamteindruck einer ansonsten recht reizvollen Kampagne.
Halo 3: ODST
Dennoch gestärkt durch die tollen Flashbacks, kehrt ihr danach immer wieder zurück in die virtuelle Stadt und dürft mit dem Anfänger durch die dunklen Gassen wandern. Ohne Funkkontakt, mutterseelenallein in einer gottverlassenen Gegend, in der man allerhöchstens einige Allianz-Horden auflauern kann. Gelb im VISR-Modus aufleuchtende Objekte erregen immerhin noch unsere Aufmerksamkeit, versprechen diese versteckte Audio-Tapes, welche zum Teil richtig lange Mitschnitte von Unterhaltungen parat haben und etwas Abwechslung in den Alltag bringen. Denn seien wir mal ganz ehrlich: Die offene Welt der Megametropole begeistert vor allen zu Beginn auch aufgrund der tollen grafischen Darstellung des Nachtsichtgeräts, verliert aber mit dem zweiten oder dritten Besuch zunehmend an Reiz. Es wird, wie so oft in den offenen Welten, zu einer extrem lästigen Phase zwischen den eigentlichen Missionen, die viel zu wenig Abwechslung bieten kann.
Halo 3: ODST
Auch optisch fehlt irgendwann die Zugkraft, denn technisch besehen ist ODST kaum einen Deut besser als "Halo 3" und aus heutiger Sicht fast schon antiquiert. Nur selten überrascht der Titel mit nahezu epischen Bildern, deutlich häufiger aber mit gewaltigen Schlachten - denn die Atmosphäre ist auf jeden Fall wieder stimmig! Dies haben wir unter anderem erneut dem Komponisten Martin O'Donnell zu verdanken. Dank seiner orchestralen Untermalung taucht man verträumt in das grandiose Universum ein, welches nur dann zu bröckeln beginnt, wenn die Charaktere ihre Klappe aufmachen und die deutschen Synchronsprecher ihre mäßige Arbeit verrichten.
