Halo Infinite im Mehrspieler-Test: Gratis und gut - Halo ist zurück!
Test
Im kostenlosen Multiplayer findet Halo Infinite zu neuer, alter Stärke zurück: 343 Industries gelingt ein geschickter Spagat zwischen klassisch und modern, das Ergebnis ist das beste Mehrspieler-Halo seit Jahren. Einzig am Battle Pass scheiden sich die Geister.
Gute Shooter kommen und gehen, doch Halo Infinite will bleiben: Laut 343 Industries ist das Spiel ein echtes Langzeitprojekt, in den nächsten zehn Jahren soll es die Basis für alle neuen Halo-Teile bilden. Halo als Live-Service-Game? Kein Wunder, dass man auch bei der Veröffentlichung neue Wege geht! Nach sechs Jahren Entwicklung erscheint die aufwändige Kampagne am 8. Dezember, selbstverständlich zum Vollpreis. Den Mehrspielermodus gibt's dagegen für lau, hier hat man sich für ein Free2Play-Modell entschieden. Das heißt: Ihr bekommt das komplette Multiplayer-Erlebnis gratis, im Shop wird nur (teure) Kosmetik verkauft. Nebenbei ist Halo Infinite der erste Shooter aus der Reihe, der von Grund auf für PC entwickelt wurde. Ach, und eine neue Engine steckt auch noch unter der Haube.
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Und während man sich noch fragt, ob das alles gut gehen kann, haut Microsoft den Multiplayer einfach mal so raus: Am 15. November startete Halo Infinite (jetzt kaufen 69,99 € )überraschend in die offene Mehrspielerbeta, ein vorgezogener Release - schließlich bleiben alle Fortschritte und Ingame-Käufe erhalten. Egal ob über Steam oder den Microsoft Store, der Multiplayer ist damit offiziell live und reif für einen Test. Wir haben uns zwei Wochen lang durch sämtliche Modi und Maps geschossen und ziehen ein abschließendes Fazit. Die finale Wertung zu Halo Infinite vergeben wir dann im Test der vielversprechenden Einzelspielerkampagne, die wir bereits ein paar Stunden lang spielen konnten.
Noch vermisst: Koop und Editor
Klären wir zuerst, was Halo Infinite nicht bietet: Der Koop-Modus für die Kampagne erscheint deutlich später, voraussichtlich in der zweiten Mehrspieler-Season, die im Mai 2022 beginnt. Und auch der beliebte Editor, in Halo "Schmiede" genannt, verzögert sich und wird erst in der zweiten Jahreshälfte von 2022 erscheinen. Hier erfahrt ihr, was es damit auf sich hat.
Trotzdem hat der Multiplayer schon jetzt viel zu bieten, was sich auch an den hohen Spielerzahlen ablesen lässt: Allein auf Steam hält der Shooter seit Release eine Top-Position, die User-Wertungen sind sehr positiv. Selbstverständlich ist das nicht: Mit Halo 4 und Halo 5 hatte 343 Industries zwar tolle Spiele abgeliefert, doch nicht alle Fans waren glücklich damit. Zu modern, zu schnell, zu wenig Halo-Feeling hieß es da aus manchen Reihen. Und Halo Infinite? Das spielt sich im Multiplayer zwar frischer und flotter als die klassischen Bungie-Titel, bringt aber gleichzeitig viel von der alten Halo-Magie zurück.
Quelle: PC Games
Die hohe Time to Kill (TTK) macht den Einstieg angenehm: Ihr sterbt einfach nicht so schnell wie in vielen anderen Mehrspieler-Shootern.
Weniger Hektik, mehr Halo
Wer pfeilschnelle Shooter wie Apex Legends oder CS: GO gewohnt ist, muss sich in Halo Infinite erst mal umgewöhnen: Im Multiplayer geht's spürbar gemächlicher zu, dank wiederaufladbare Schilde kann man meist locker mehrere Treffer einstecken, bevor man den Löffel abgibt. Wo man in anderen Shootern schon längst den Boden küsst, hat man in Halo Infinite daher oft noch die Chance, einen Angreifer abzuwehren. Gleichzeitig setzen die Entwickler aber den Modernisierungskurs fort, den sie mit Halo 4 und 5 eingeschlagen haben: Ihr dürft nach Herzenslust sprinten, rutschen oder euch an Kanten raufziehen, auch das Zielen über Kimme und Korn ist wieder möglich. Das macht euren Spartan mobiler, schneller und tödlicher als zu Bungie-Zeiten, doch dafür gibt es auch Einschränkungen: Die dauerhaften Schubdüsen aus Halo 5: Guardians wurden beispielsweise wieder entfernt, sie tauchen nur noch als Item auf, das man erst aufsammeln muss - und selbst dann hat der Dash nur ein paar Ladungen. Und auch das dürfte Halo-Puristen freuen: Übertrieben starke Skills wie Ground Pound und Spartan Charge wurden ebenfalls gestrichen.
Quelle: PC Games
Halo bleibt Halo: Verbrauchsgegenstände wie der Greifhaken werten die Action auf, ohne sie zu verwässern.
Neu und cool ist dafür der Greifhaken, mit dem ihr euch blitzschnell an Gegner heranziehen oder auf höhergelegene Ebene schwingen könnt. Das macht ihn vor allem auf Maps mit vielen vertikalen Elementen wertvoll. Da er aber wie der Dash erst aufgesammelt werden muss und nur wenige Ladungen besitzt, kommt der Haken nur gezielt zum Einsatz und rüttelt nicht am klassischen Spielgefühl.
Bewährtes zum Start
Mit zehn Maps ist der Umfang zwar noch überschaubar, doch Halo-typisch dürfte das Angebot bald kräftig wachsen. Gut für Neulinge: Die Entwickler haben auch an ein kurzes Tutorial gedacht. Das beginnt mit einem hübsch gerendertem Intro und stimmt euch auf eure Karriere als mächtiger Spartan-Soldat ein. Danach könnt ihr Übungspartien gegen Bots spielen und die Waffen kennenlernen, bevor es in den richtigen Online-Modi ans Eingemachte geht.
Quelle: PC Games
Zum Start wagt 343 kein Experimente, stattdessen gibt‘s klassisch-gute Spielmodi.
Wer es eher klassisch mag, spielt eine schnelle Partie mit zwei Vierer-Teams. Hier werden altbekannte Varianten wie Deathmatch, Domination oder Capture the Flag gespielt und der Halo-Dauerbrenner Oddball ist natürlich ebenfalls an Bord. Alternativ könnt ihr auch im Ranglisten-Arenamodus spielen, dort geht es nochmal eine Spur härter zu: Ihr startet hier nach jedem Respawn nur mit einem Kampfgewehr bewaffnet, außerdem wird eure Minimap abgeschaltet. Doch egal ob Ranked oder schnelle Partie: Die klassischen 4-gegen-4-Matches finden immer auf kleinen, hübsch verwinkelten Maps statt, in denen euch binnen Sekunden die Kugeln um die Ohren fliegen. Ideal für alle, die einen schnellen Action-Kick suchen!
Schlacht mit großen Teams
Wer es dafür ein Nummer größer und auch ein wenig taktischer mag, kann sich in die großen Big-Team-Battles stürzen. In diesen Schlachten treten zwei Teams mit jeweils 12 Spielern gegeneinander an, hier rücken Teamwork und die Missionsziele in den Vordergrund. Neben Capture the Flag gibt es mit "Hamstern" noch einen ähnlichen Modus, in dem ihr Energiekerne zu eurer Basis transportieren müsst. Als größere Domination-Alternative gibt es außerdem den Totale-Kontrolle-Modus, in dem euer Team drei Zonen einnehmen muss, um einen Siegespunkt zu ergattern. Da entstehen um jede Zone erbitterte und wunderbar dynamische Rangeleien, in denen gute Map-Kenntnisse den entscheidenden Vorteil bringen: Es gibt Schleichwege und Abkürzungen zu entdecken, alternative Routen, auf denen man Deckung vor feindlichen Geschützen findet oder die ideal sind, um ein paar Feinde mit dem Sniper-Gewehr auszuknipsen.
Quelle: PC Games
"Behemoth" ist eine der grafisch schönsten Mehrspielerkarten.
Auf den großen Maps spielen auch Fahrzeuge eine wichtige Rolle: In den Händen erfahrener Spieler können die Warthogs, Panzer, Alien-Flitzer und Flieger mächtig unter den Feinden aufräumen! Aber auch Bruchpiloten sind willkommen: Neulinge brettern einfach fröhlich drauflos und sorgen für ein wundervolles Chaos im Schlachtgetümmel - das ist nicht immer effektiv, aber ungemein spaßig anzuschauen!
Quelle: PC Games
Fahrzeuge sorgen immer wieder für sehenswerte, teils urkomische Momente.
Prall gefüllte Waffenkammer
Auf ein Klassensystem haben die Entwickler ebenso verzichtet wie auf Loadouts. Ihr beginnt jedes Match also mit der gleichen Standardausrüstung, nämlich dem Sturmgewehr MA40 und der MK50-Sidekick-Pistole. Vor allem die Zweitwaffe solltet ihr nie unterschätzen: Wenn ihr mitten im Kampf euer Magazin leerballert, ist es oft besser, schnell zur Pistole zu wechseln, anstatt umständlich nachzuladen. Mit angeschlagenen Feinden macht sie kurzen Prozess!
