Harry Potter und der Halbblutprinz im Gamezone-Test

Test Alexander Winkel

Harry möchte zum sechsten Mal die Muggels mit seinem Charme verzaubern. Gelingt dies erneut?

Harry Potter und der Halbblutprinz Harry Potter und der Halbblutprinz Geschwafelt wird fast ausschließlich über kleiner Videosequenzen, welche die Story mehr oder weniger voran treiben. Leseratten, die das Buch mit Begeisterung schon verschlungen haben, werden der Geschichte ohne weiteres folgen können und sicherlich auch ihre Freude mit der Videospieladaptierung haben. Die wesentlichen Details werden zumindest wiedergegeben und ergeben einen gewissen Zusammenhang. Für Außenstehende dürfte der Inhalt aber zu dürftig sein und generell fehlen deutlichere Gefühlsausbrüche bzw. Emotionen. Das Techtelmechtel der pubertierenden Mannsbilder Harry und Ron kommt ebenfalls nur bedingt zur Geltung. Schön durchaus das kurze Intermezzo mit den Liebespralinen der Romilda, doch irgendwie kommt das Spiel einfach nicht in Fahrt. Nicht selten fällt zudem auf, dass Konversationen sich teilweise auf Szenen beziehen, die im Spiel letztendlich aber nicht wiedergegeben wurden. "Ich habe dir doch gesagt, dass du das nicht machen darfst" - ja das mag schon sein, aber nur nicht in dieser virtuellen Welt!

Zaubertränke, Quidditch und Duelle

Harry Potter und der Halbblutprinz Harry Potter und der Halbblutprinz Hängt man nicht gerade in den Videosequenzen herum oder rennt dem Geist Sir Nicholas (Fast Kopflose Nick) hinterher, der euch als modernes Hogwarts-GPS durch die Burg geleitet, so gilt es die wenigen Aufgaben zu erledigen, die euch Professoren, Mitschüler und sonstige Leute auferlegen. Nachdem Snape keinen Unterricht für Zaubertränke mehr gibt, versucht sich Harry wieder in diesem Fach. Glücklicherweise bekommt er ein Schulbuch, dessen Vorbesitzer sich "Halbblutprinz" genannt hat, und vollbringt mit den dort nieder gekritzelten Bemerkungen wahre Wunder. Für euch bedeutet dies, dass verschiedene Substanzen in einen kochenden Kessel geschüttet werden, wobei es auf eine exakte Dosierung ankommt. Manche Zutaten müssen vorher noch geschüttelt, oder der Kessel auf die richtige Temperatur gebracht werden. Mit nur wenigen Handgriffen, auf der Wii natürlich mit Bewegungssteuerung, während auf allen anderen Konsolen die analogen Sticks ordentlich abgenutzt werden, ist das Gesöff zusammengebraut und ihr bekommt eine Highscore gutgeschrieben.

Harry Potter und der Halbblutprinz Harry Potter und der Halbblutprinz Weiter geht's zur Trainingsstunden und zu den vier großen Spielen um den begehrten Hogwarts Quidditch Pokal. Beschwingt auf dem Besen sitzend saust ihr automatisch und wie auf Schienen durch die Luft und könnt Torpfosten, einigen Bäumen, den Zuschauerständen und sonstigen Objekten ausweichen. Auf der Wii geschieht dies mittels einer gelungenen Pointersteuerung, die einen passgenauen Flug durch die entsprechenden Zielsterne ermöglicht. Abseits der Nintendo-Konsole muss man aber mit dem analogen Stick vorlieb nehmen und hat es daher etwas fummeliger und weniger präzise. Insgesamt ist der kleine Besenritt ja ganz nett, in Anbetracht der Spielmöglichkeiten aber ziemlich schmalspurig ausgefallen. Ihr könnt euch weder gegen die Feldspieler anderer Mannschaften zur Wehr setzen, noch selber wirklich im Sportgeschäft mitmischen. Die Events sind vorgegeben und gescriptet und werden jedes Mal auf dieselbe Weise ausgelöst. Etwas mehr Freiheit und einige Interaktionsmöglichkeiten mehr hätten diesem Minispiel wirklich gut getan. Schaden, denn vor Jahren gab es eine wirklich spaßige Adaptierung des beliebten Zaubersports als eigenes WM-Spiel.

Harry Potter und der Halbblutprinz Harry Potter und der Halbblutprinz Zu guter Letzt dürft ihr euch nicht nur in den verschiedenen Trainings-Clubs die Zaubersprüche um die Ohren hauen, auch Draco, seine treuen Freunde sowie einige Todesser werden euch zu einem geselligen Zauberduell herausfordern. Von Protego (Schutzzauber) über Stupor (leichter Angriff) bis hin zu Expelliarmus (Entwaffnungszauber) könnt ihr einige beherzte Stabschwünge vollbringen, um euren Gegenüber zu Boden zu bringen. Dies geschieht einmal mehr mit dem Linken Stick mittels der aus dem letzten Teil recht innovativ eingeführten Handhabe, oder eben mit unterhaltsamen Wii-Remote-Schwüngen. Mit der Fernbedienung als Ersatz des Zauberstabs in der Hand, kommt tatsächlich ein wenig das Gefühl von Magie auf. Wirklich herausfordernd sind die Duelle aber nie. Wer mit seinem Zauberstab recht zackig unterwegs ist, kann einen mit Expelliarmus niedergestreckten Gegner direkt beim Aufrappeln erneut erwischen und somit den Kampf fast unbeschadet überstehen. Flinke Finger und schnelle Reaktionen - viel mehr wird nicht benötigt!

Und der Gewinner ist ...

Harry Potter und der Halbblutprinz Harry Potter und der Halbblutprinz Harrys größtes Problem liegt in der fehlenden spielerischen Abwechslung! Völlig unverständlich, dass dem Spieler zweimal hintereinander prinzipiell dasselbe Minispiel vorgesetzt wird, nur weil es sich zunächst um ein Quiddich-Training und anschließend um das große Event gegen ein anderes Team handelt. Doch die größte Problematik tritt erst dann auf, wenn der Titel in seiner allumfassenden Größe bzw. seinem Umfang betrachtet wird. Ihr stapft dem "Fast Kopflosen Nick" ständig bis zum nächsten Zielort hinterher, bekommt dort entweder eine kleine Storysequenz zu sehen oder müsst eines der drei Minispiele absolvieren, und dürft anschließend wieder irgendwohin zurück watscheln. Diese gähnende Leere von einer nicht vorhandenen spielerischen Abwechslung zieht sich über die kompletten sechs Spielstunden hinweg. Und sobald ein kleines Video einen winzigen Funken Hoffnung auf neue Möglichkeiten erweckt, wird diese sofort im Keime erstickt. Denn vieles wird einfach mittels Storysequenzen gnadenlos überspielt. Ihr schaut passiv zu, wie Tom Riddle in seiner Jugend lebte und wie Dumbledore das geheime Versteck entdeckt, ohne auch nur einen Finger zu krümmen oder wenigstens eine Aufgabe zu lösen. Wo sind die Botengänger? Wo sind die kleinen Rätselaufgaben und Schiebepuzzles? Wo versteckt sich die Möglichkeit, sich mit seinen Mitschülern zu unterhalten und evtl. Objekte zu tauschen? Bis auf das Wappensammeln und einer Hand voll Rätsel gibt es fast nichts und das in einer Spielwelt, die so völlig offenherzig und großzügig ausgearbeitet wurde. Nur ein wenig mehr Interaktion oder eine Rückbesinnung auf den zweiten Ableger der Serie und Hogwarts wäre zu einer unglaublich reizvollen Spielwiese herangewachsen. In all dem traurigen Chaos von Langeweile zeigt sich die Nintendo Wii als großen Gewinner. Denn im Gegensatz zu den anderen Varianten sticht die Wii-Version mit einer durchaus gelungenen Steuerung hervor und hebt sich somit gekonnt von seinen Kollegen ab. Die Rettung ist dies aber letztendlich ebenfalls nicht!

Meinung

Wertung zu Harry Potter und der Halbblutprinz (PS3)

Wertung:

5.6 /10
Pro & Contra
Schnelle Erfolgeordentliche Präsentationgroße Spielwiesezahlreiche bekannte Charaktere und Orterecht ordentliche Synchronsprecher
Spiel basiert auf drei Minispielen die mit einer „Oberwelt“ mit dem Namen Hogwarts verbunden sindkeine spielerische Abwechslungsimple Minispiele ohne große Interaktionkaum Interaktionsmöglichkeiten in der freuen Weltsechs Stunden Spielzeiteine nicht ganz ausreichend erzählte Geschichte mit einigen Lücken und Ungereimtheiten
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