Indie-Entwickler Palm Pioneer hat eine Punktlandung hingelegt. Ihr neues Spiel hat schon vor dem Release Preise für Game-Design und Innovation abgeräumt. Wie gut Tales of the Neon Sea tatsächlich geworden ist, sagen wir euch in unserem Test. Außerdem verraten wir euch, wie gut das Cyberpunk-Setting zu einem Rätselspiel ist.
Früh morgens klingelt der Wecker, ein leichter Schein blauen Kunstlichtes leuchtet durch das Schlafzimmerfenster und unser alter Dienstroboter schleift sich scheppernd an uns heran. Doch lange kann Protagonist Rex nicht schlafen: In Tales of the Neon Sea von Indie-Entwickler Palm Pioneer erleben wir ein futuristisches Detektivabenteuer, indem wir ein Rätsel nachdem anderen lösen, um die Wahrheit langsam immer mehr ans Neonlicht zu bringen.
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Langsam wird der Bildschirm heller, eine alte Kanalisation ist zu sehen. Überall wuchern pink leuchtende Pilze und plötzlich bemerken wir, dass zwischen den giftig wirkenden Pflanzen eine Person liegt. Tatsächlich sind wir diese arme Gestalt, die versucht, sich aufzurichten und zu laufen. Irgendetwas hat unserem Körper enorm zugesetzt, er wirkt sehr stark angeschlagen und außer zu humpeln gelingt uns keine Aktion. Aus dem Nichts materialisiert sich eine dunkle Gestalt, sie trägt eine große Sense und eine Maske mit rotleuchtenden Augen, beides bedrohlich auf uns gerichtet. Graffitis an der Kanalisationswand weisen uns einen Fluchtweg. Gehetzt verstecken wir uns hinter einer Stahltür. In dem kurzen Augenblick der Sicherheit suchen wir nach einem weiteren Ausweg. Die Tür bietet uns aber nur scheinbar Schutz: Die mysteriöse Gestalt taucht plötzlich hinter ihr auf. Alles, was uns nun übrigbleibt, ist der Sprung in die Dunkelheit hinter uns.
Quelle: PC Games
Rex Wohngegend ist etwas heruntergekommen, versprüht aber trotzdem etwas Charme mit den vielen Geschäften entlang der Uferpromenade.
Tales of the Neon Sea im Test: In der Dunkelheit zwischen Detektiven und Katzen
Der Prolog von Tales of the Neon Sea wirft uns mitten in das Leben des in die Jahre gekommenen Privatdetektivs Rex. Das Spiel ist in mehrere Kapitel untergeteilt, in denen wir die Mordserie eines Dämonenanbeters beenden müssen. Angesiedelt ist das Spiel in einer Stadt des 22. Jahrhunderts, geprägt von Elementen des Cyberpunk - ähnlich wie das Indie-Spiel Satellite Reign. Fühlende und denkende Roboter sind überall anzutreffen, kybernetische Erweiterungen im Körper der Menschen sind alltäglich und grelle Neonlichter haben den Sonnenschein in der dunklen Stadt total verdrängt. Auf der Suche nach Ersatzteilen für unseren kaputten Hausroboter stößt Rex in einer finsteren Gasse auf eine Leiche. Er informiert sofort seine alten Kollegen von der Polizei und beginnt vorab den Tatort zu untersuchen. Schnell stellt sich heraus, dass der Mord nur ein kleiner Teil etwas viel Größeren ist. Rex muss sich bald darauf einstellen, dass eine gefährliche Person aus seiner Vergangenheit mit dem Fall zu tun haben könnte ...
Klingt ja soweit spannend und die Umsetzung der Atmosphäre ist fein gelungen. Schade bloß, dass die spannende Prämisse sich ein wenig im Sand verläuft und die Handlung viel Potenzial ungenutzt liegen lässt. Wirkliche Überraschungen sind selten und die meisten Plot Twists lassen sich schon weit im Voraus erahnen.
Quelle: PC Games
Diese Werkstatt werden wir im späteren Verlauf des Spieles hin und wieder aufsuchen, um neue Werkzeuge herzustellen.
Unsere Aufgabe ist es, den Killer aufzuhalten. Dafür reisen wir zu verschiedenen Teilen der futuristischen Stadt, untersuchen Tatorte und helfen nebenbei noch Privatpersonen in der Not. Rex ist aber nicht die einzige Person, die Ermittlungen führt: In einigen Spielpassagen übernehmen wir die Rolle seiner Katze William. In kleinen Abschnitten hüpfen wir dann von Plattform zu Plattform und erledigen ebenfalls hier und da ein Rätsel, um Rex auszuhelfen. Eine nette Idee!
Tales of the Neon Sea im Test: Altes Eisen mit neuen Tricks
Einmal an einem der Zielorte angekommen, heißt es, den Tatort genau zu untersuchen: Dafür können wir zum Beispiel mit Rex' Scan-Brille Objekte untersuchen. Mit der Detektivansicht lassen sich versteckte Hinweise wie Gebrauchsspuren oder Chemikalienrückstände finden. Jeder Fund fügt sich mit einem anderen zusammen. So baut sich nach und nach ein Netzwerk aus Informationen auf, die sich nach erfolgreicher Spurensuche in Form eines Zahnrades materialisieren. Klingt komisch, ist aber so - Spiellogik sollte man wohl nicht immer hinterfragen! Haben wir genug Daten gesammelt, können wir in einem Minispiel die einzelnen Zahnräder des Falles zusammenführen. Dafür müssen wir unsere Ergebnisse buchstäblich in Form eines Uhrwerks einbauen. Sind alle Teile am richtigen Platz, beginnt die Uhr zu ticken und Rex versteht den Ablauf des Verbrechens. Metapher, ick hör' dir trapsen!
Das Spiel ist gespickt mit interessanten und oftmals auch sehr herausfordernden Rätseln. Einerseits reden wir hierbei von Umgebungsrätseln, die notwendig sind, um sich den Weg durch die Level zu erarbeiten. Andererseits müssen wir Kopfnüsse in Form von Minispielen absolvieren, um zum Beispiel Kisten, Türen, Computer oder auch Zeitbomben zu knacken. Oftmals müssen wir auch Gebrauchsgegenstände einsammeln und zu neuen Objekten kombinieren.
Quelle: PC Games
Hinter vielen Objekten in der Spielwelt verbirgt sich ein Rätsel oder ein kleines Minispiel. In unseren Fall muss Rex einen Sicherungskasten aufschweißen, um dann das dazugehörige Gerät auszuschalten.
Makellos ist das Rätselvergnügen aber nicht, denn ab und an übertreiben es die Entwickler auch mit der Menge und dem Schwierigkeitsgrad von Puzzles! Besonders in der zweiten Hälfte des Spieles reiht sich ein Rätsel an das nächste. Es lässt sich kaum ein neues Gebiet betreten, ohne sofort mit einer neuen Kopfnuss konfrontiert zu werden. Das mag vielleicht erstmal positiv klingen, da man relativ viel zu tun hat. Jedoch zieht sich das Spiel dadurch auch etwas. Dazu kommt noch die Tatsache, dass einige der Rätsel wie gesagt echte Brocken sein können, die uns beim Testen ab und an beinahe in den Wahnsinn getrieben haben. Wer bisher also noch wenig Berührungspunkte mit Knobeleien hatte, der sollte sich ein wenig mehr Zeit für Tales of the Neon Sea nehmen.
Jedoch so sehr die Rätsel einen manchmal vom Erleben der Geschichte abhalten können, sind sie doch wenigstens passend und sinnig in die Welt eingebunden. Schade ist jedoch weiterhin, dass einige der Rätsel in Tales of the Neon Sea nicht wirklich innovativ sind. Blöcke durch die Gegend schieben, Flaschen in einem Regal neu anordnen und Co. sprühen nicht wirklich vor gestalterischer Brillanz.
Tales of the Neon Sea im Test: Heller Glanz und dunkler Schein
Die Welt von Tales of the Neon Sea überzeugt durch ihre Atmosphäre. Das Setting ist stimmig und mysteriös - wenn auch düsterer als es der bunte Grafikstil zu Beginn verheißt. So begrüßt uns doch das Hauptmenü mit einer schön anzusehenden Skyline und neondurchleuchteten Hochhauschluchten, die mit fliegenden Autos gefüllt sind. Untermalt wird das Geschehen in allem Momenten von einer passenden Soundkulisse: Viele der Musikstücke haben einen ruhigen, aber auch befremdlichen Charakter. Das unheimliche Flair kommt in den Kanalisationsabschnitten besonders gut zur Geltung. Neben diesen Untergrundpassagen sind wir primär in den Randgebieten der Stadt und in den Vororten unterwegs.
Das mag vielleicht nicht allzu prickelnd klingen, die verschiedenen Lokalitäten versprühen aber allesamt einen eigenen Charme. Es tummeln sich viele Leute auf den Straßen, darunter auch die eine oder andere Anspielung auf bekannte Videospielfiguren. Besonders die kleinen, detailliert gestalteten Läden mit ihren schillernden Reklamen und den unterschiedlichen futuristischen Maschinen sind ein hübscher Anblick.
Quelle: PC Games
So düster manche Ecken auch sein mögen, ziert buntes Neon die gesamte Spielwelt und sorgt für optische Abwechslung.
Im krassen Gegensatz dazu stehen der Nebel und Dunkelheit in den Außengebieten. Etwas schade ist es dann doch, dass diese düsteren Ortschaften im Vergleich zu den optisch ansprechenderen Arealen deutlich öfter zum Einsatz kommen. Ein paar mehr Abstecher in die grellen Teile der Stadt hätten dem Titel gut zu Gesicht gestanden.
Doch diese Mängel ändern nichts daran, dass Tales of the Neon Sea ein wirklich stimmiges und spielerisch überzeugendes Detektiv-Abenteuer ist. Die tolle Retro-Optik, gepaart mit dem passenden Sound tun ihr Übriges, damit einem der Titel auch nach dem Abspann nach etwa zehn Spielstunden noch eine Weile im Gedächtnis bleibt.
