Dass Superhelden heutzutage mehr in Mode sind denn je, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Paradebeispiel dafür sind die zahlreichen Kinofilme wie die Iron Man- oder Batman Trilogie, welche Millionen an den Kinokassen generieren. Vielleicht haben sich auch deswegen die Netherrealm-Studios der DC-Comics angenommen und mit "Injustice: Götter unter uns" einen Prügler auf die Beine gestellt, der den DC-Pro- sowie Antagonisten endlich die lang verdiente Plattform bietet. Oder wer wollte noch nie Superman gegen Batman antreten lassen?
Ausnahmezustand in Metropolis
Dreh- und Angelpunkt des Beat'em Ups ist der rund sechs Stunden lange Storymodus. Obgleich bei uns Spielern schnell die Augenbraue der Skepsis zu zucken beginnt, sobald wir in einem Prügelspiel eine Geschichte präsentiert bekommen, kann man das was Netherrealm auf die Beine gestellt hat durchaus als unterhaltsam einstufen. Doch von vorn: Dank einer Atombombe des Jokers liegt Metropolis in Schutt und Asche. Doch damit nicht genug, wurde auch noch Superman manipuliert sodass er Frau und Kind über den Jordan schickte. Kurzerhand wird der Clown vom Capeträger aufgespürt und erledigt. So weit, so gewohnt und stereotyp. Die interessante Komponente kommt durch die Existenz einer Parallelwelt in die Geschichte des Spiels. Denn das, was wir für das richtige Metropolis als Ist-Zustand annehmen mussten, war in Wirklichkeit nur das Geschehen der Parallelwelt. In diese werden sowohl DC-Helden als auch DC-Schurken vom Parallel-Batman gesogen um die Tyrannei des außer Kontrolle geratenen Superman zu beenden. Zugegeben: Die Geschichte zwischen den deftigen Prügeleien ist flach wie ein Kinderschwimmbecken, schafft es aber, einmal drauf eingelassen, mit seinem trashigen Charme offensichtliche Schwächen zu kaschieren. Typische Einzeiler und manche etwas verwirrende Sequenzen wechseln sich stetig ab mit typischem Superhelden-Ulk und maßlos überzogenen Szenarien. Superhelden eben…
Schmuckloses Beiwerk
Quelle: Warner Bros.
Injustice: Götter unter uns (3)
Abseits der Hauptgeschichte zeig sich Injustice eher minimalistisch. Neben einem klassischen 1 gegen 1 Versus-Modus bietet uns "Kämpfe" das klassische Stage-basierte Geprügel, wie wir es schon aus anderen Vertretern des Genres kennen. Ein bisschen auffrischen können da schon die Herausforderungen aus den S.T.A.R.-Labs, welche die Prügeleinlagen mit allerhand Geschicklichkeitsübungen oder auch kleinen Handicaps in den Kämpfen selbst verknüpfen. Leider ist damit allerdings schon das Ende der Fahnenstange erreicht. In Sachen Spielinhalte bleibt Injustice ebenfalls eher bescheiden. Wie auch den Storymodus dominiert Batman auch die Auswahl an Kampfstages. Abgesehen davon, dass mit insgesamt 15 Schauplätzen die Auswahl nicht gerade Maßstäbe setzt, kommt weiter hinzu, dass sogar sechs Stages direkt aus dem Batman Universum stammen und so der Konkurrenz wenig Platz zur individuellen Entfaltung bleibt. Das Charakter-Arsenal bietet mit seinen 24 Kämpfern und den bereits angekündigten DLC-Inhalten jetzt und auch zukünftig für jeden Spieler einen passenden Kämpfertyp.
Easy going am Gamepad
Quelle: Warner Bros.
Injustice: Götter unter uns (6)
Hauptaspekt eines Beat'em Ups ist natürlich die Bedienung innerhalb der Auseinandersetzungen. Auf drei der vier Face-Buttons liegen die Befehle für leichte, schwere und mittelschwere Angriffe. Eine eigenständige Taste um Angriffe zu kontern gibt es nicht, da das Tekken-System, wonach ihr einfach die Richtungstaste nach hinten drücken müsst um erfolgreich zu blocken, Anwendung findet. Kombiniert ihr diverse Richtungseingaben mit den Schlagtasten, kommen Signature-Moves wie Beispielsweise Supermans Frost-Atem oder Batmans Batarang zum Vorschein. Natürlich dürfen auch sogenannte Super-Moves im Repertoire nicht fehlen. Habt ihr eine Energieleiste am unteren Bildschirmrand aufgefüllt, öffnet ihr dem Kuriositätenkabinett über einen simultanen Druck beider Trigger Tür und Tor. Da werden Gegner vom Batmobil überfahren, von Joker mit einem Raketenwerfer beschossen oder von Supermann in die Hemisphäre gedroschen. Eine gefüllte Energieleiste kann aber auch zur Regeneration der Lebensenergie genutzt werden.
Anders als in herkömmlichen Prüglern, finden wir in Injustice gleich zwei Energieleisten vor. Ist die eine geleert, gibt es eine kurze Pause und dann geht es weiter in gewohntem Tempo. Kontert ihr nun per Tastenkombination im passenden Moment eine Aktion kommt es zum Einsatz des "Wager-Systems". Hier treffen die beiden Spielfiguren in einem dieser typisch-epischen Kollisionsmomente zusammen. Im Vorfeld dazu kann jeder für sich entscheiden wie viele der vier Kammern der Super-Move-Anzeige er in den bevorstehenden Angriff legen will. Gewinnt ihr diese Konfrontation, bekommt ihr Lebensenergie gutgeschrieben. Der taktische Aspekt dahinter liegt nicht etwa im Kammer-Poker, sondern darin, genau dann zu kontern wenn die eigene Anzeige höher ist als die des Gegenübers. Eine weitere wichtige Waffe im Kampf gegen den Widersacher ist die Umgebung. Wer die Umgebung im Auge behält kann Propangasflaschen, Autos, Steintafeln oder anderen Unrat der Umgebung als Kampfgegenstand einsetzen und ordentlich Schaden verursachen. Doch hier enden die Möglichkeiten noch lange nicht. Am Rande einer Stage können wir durch einen gezielten Schlag den Gegenüber auf Sightseeing schicken und so einen Schaden in Super-Move-Höhe anrichten. Dabei nimmt unser Opfer so ziemlich jeden schmerzhaften Aufprall auf dem Weg nach unten mit und wird dabei spektakulär von der Kamera eingefangen.
Licht und Schatten
Quelle: Warner Bros.
Injustice: Götter unter uns (2)
Die Charaktermodelle und Umgebungen sind den Entwicklern wirklich sehr gut gelungen. Jeder Muskel sitzt am richtigen Fleck, kein Kampfanzug lässt Details vermissen und auch die Schauplätze wirken äußerst lebendig und durchdacht. Allerdings ist das grafische Niveau per se nicht mehr als Mittelmaß. Zu erwähnen bleibt jedoch, dass die Aktion jederzeit flüssig über den Bildschirm geht, auch wenn die Charakteranimationen dabei oft etwas hüftsteif daher kommen. Kollisionsabfrage und Treffer-Feedback jederzeit auf dem gleichen Stand wie das deutlich brutalere Pendant von Netherrealm. Die Hintergrundmusik ist schon nach weniger Zeit eintönig und im Hintergrund des Geschehens bestens aufgehoben. Die deutsche Sprachausgabe sollte bei Spielern mit Englischkenntnissen auch der englischen Tonspur weichen, da sowohl Timing als auch Übersetzung bisweilen wirklich schäbig umgesetzt wurden.
