Die Open-World-Konkurrenz hat nicht geschlafen und grandiose Story-Meisterwerke erschaffen. Just Cause 3 setzt stattdessen noch immer auf gradlinigen Humor und knallharte Action. Wir haben es mehrere Stunden lang angespielt.
10 Jahre lang war Rico Rodriguez im Auftrag der USA unterwegs und hat gegen Diktatoren und Bösewichte gekämpft. Nun kehrt er zurück in das Inselreich Medici, seine Heimat... Nur um auch dort einen fiesen General vorzufinden, der sich die Inseln unter den Nagel gerissen hat. General Di Ravello putschte sich mit Hilfe des Militärs und der Polizei an die Macht - und regiert seitdem totalitär. Überall hängen seine Bilder und Poster, Propagandatürme verkünden die Heilsbotschaft, das Militär unterdrückt die Bewohner. Das kann man sogar sehen: In besetzten Gebieten gehen die Menschen gebückt, weil die Obrigkeit immer auf sie hinabschaut.
Das kann Rico natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beginnt den Freiheitskampf. Ihm zur Seite stehen zwar Rebellentrupps, doch die sind gerade zu Beginn so versprengt, dass ein bisschen Anschubhilfe nötig ist. Erst wenn man Chaos und Zerstörung anrichtet, bröckelt die Herrschaft der Obrigen und Rebellen fassen wieder Fuß. Jede der Inseln ist in viele solcher kleinen Parzellen eingeteilt - wenn man aus der Karte rauszoomt, offenbart sich also ein riesiger Spielplatz!
Der Propaganda-Turm muss weg
Quelle: PC Games
Rico in der Heimat: Das Inselreich Medici steht unter Kontrolle eines Diktators.
General Di Ravellos Truppen vertreibt Rico, indem er Symbole seiner Terrorherrschaft zerstört. Das sind Sammelaufgaben, zum Beispiel müssen wir in einem Dorf alle Propaganda-Lautsprecher kaputthauen, Plakate umschmeißen und Polizisten aufreiben. Am Ende müssen wir die Flagge des Distrikts erobern. Ist das geschafft, gilt die Gegend als befreit. Die Menschen atmen auf - und das sieht man ihnen sogar an! Sie gehen wieder aufrecht, trauen sich mehr auf die Straße. Das Leben kehrt zurück.
Jedes der drei Gebiete ist riesengroß und unterteilt in unzählige solcher Distrikte. Warum? "Um dem Spieler ein Sandbox-Gefühl der Freiheit zu geben", erklärt uns Producer Roland Lesterlin im Interview. Neben den Missions-Schauplätzen sollen Spieler das Gefühl bekommen, überall etwas an der Welt zu verändern. Und das ist meist ziemlich verrückter Kram!
Ricos Ausrüstung
Quelle: PC Games
Mit dem Greifhaken können wir Physik-Spielchen machen.
So hat Rico beispielsweise einen Greifhaken. Den kennen wir schon aus den Vorgängern: Mit ihm kann der resolute Rebell nach Feinden greifen oder sich an Fahrzeugen oder Fliegern festkrallen. Nun lässt sich der Haken auch an mehreren Dingen befestigen. So können wir das eine Ende an einer Statue von Di Ravello festmachen, das andere am Boden - und dann aus sicherer Entfernung die Statue zum Umkippen bringen. Noch lustiger ist es, zwei Türme aufeinander krachen zu lassen: Das machen wir in einer der Nebenmissionen, in der wir eine Militär-Plattform am Meer in die Luft jagen.
Der Haken lässt sich natürlich auch gegen Personen anwenden. So können wir feindliche Soldaten entweder aneinander binden oder auch an ein vorbeifahrendes Auto anheften. Zack, weg ist der Feind!
Vor allem die Zerstörung von Objekten soll dabei physikbasiert sein und nicht auf Zahlenwerten basieren. Mauern und Gebäude stürzen dabei nicht erst ein, wenn ein HP-Balken 0 anzeigt, sondern wenn das Gebäude destabilisiert ist.
Für viel Bewegungsfreiheit sorgen die anderen Gadgets: Mit einem Fallschirm können wir in Ruhe über dem Geschehen kreisen und von oben herab Tod unf Zerstörung auf den Boden rieseln lassen. Für Auftrieb und Geschwindigkeit sorgt Rico auch hier oben mit seinem Greifhaken. Wer etwas schneller durchs Land will, steigt auf den Wingsuit um. Der muss zwar immer wieder nach oben gezogen werden, um nicht am Boden aufzuprallen, doch bietet er eine gute Gelegenheit, sich schnell durch die Luft fortzubewegen.
Fahrzeug-Action extrem
Quelle: PC Games
Wir sollen einen Konvoi angreifen? Das geht entweder direkt - oder indem wir eine Brücke in die Luft jagen. Clever!
Natürlich hat Rico nicht nur die Wahl zwischen Fallschirm und Wingsuit. Er kann auch in jedes Fahrzeug steigen, das er in der Welt findet. Egal ob Auto, Bus, LKW, Panzer, Helikopter oder Jet - mit dem Greifhaken kann er alles erreichen und den jeweiligen Fahrer oder Piloten kurzerhand rausschmeißen. In Just-Cause-Manier nehmen es die Macher zwar mit der Physik ernst, auf Realismus verzichten sie aber. Daher kann Rico beispielsweise mitten im Flug auf das Dach des Jets steigen, den Flieger von dort oben "ferngesteuert" weiterlenken während er Feinde mit einer Bazooka beschießt.
Auf dem Boden kann man sich jederzeit Autos und Waffen per Spawn Drop herbeirufen. "Um Geld braucht sich Rico keine Sorgen zu machen", erklärt Lesterlin. Den Entwicklern ist es wichtig, den Spieler zu jedem Zeitpunkt in Action verwickeln zu können. Solches Micromanagement, etwa auch wenn es um Munition geht, soll uns erspart bleiben.
Recht lahmes Missionsdesign
Quelle: Square Enix
Explosionen und Action: Just Cause 3 ist plump wie ein 80er-Actionfilm.
Bis hierhin klingt Just Cause 3 vor allem nach einem verrückten Spaß-Shooter. Und genau das will der Titel auch sein. Statt auf große Story-Elemente zu setzen, konzentrieren sich die Macher auf Action, Explosionen, derben Humor und Schusswechsel. Das macht auch Spaß, doch langfristig muss Avalanche noch etwas mehr bieten. Das Missionsdesign wirkt bisher wenig durchdacht. Die wenigen Einsätze, die wir machen dürfen, drehen sich alle darum, rot gekennzeichnete Tanks in die Luft zu jagen und andere Sammelaufgaben zu erledigen.
Ein bisschen mehr darf Just Cause 3 den Spieler narrativ gern an die Hand nehmen. Sonst prophezeien wir dem Chaos-Shooter eine recht kurze Verweildauer im Kunden-Laufwerk. Immerhin hat die Open-World-Konkurrenz in den letzten Jahren auch nicht geschlafen: GTA und Saints Row haben an der Front in den letzten Jahren immerhin auch extrem zugelegt!
