Just Cause 4: Die Open-World-Action im Test - unfertig, unschön, unkreativ

Test Christian Dörre 49,99 €
Just Cause 4: Die Open-World-Action im Test - unfertig, unschön, unkreativ
Quelle: PC Games

Rico Rodriguez ist zurück und hat mal wieder jede Menge Action und neue Spielzeuge im Gepäck, doch der Spielspaß bleibt trotzdem teilweise auf der Strecke. In unserem Test zur Open-World-Action von Square Enix und den Avalanche Studios erklären wir euch, warum der Titel weit hinter dem Vorgänger zurückbleibt.

Just Cause 3 stellte vor drei Jahren den Höhepunkt der abgefahrenen Action-Reihe dar. Der Titel sah gut aus, war riesig und gab den Spielern allerhand neue Gadgets an die Hand, mit denen sie für noch mehr Chaos und Zerstörung sorgen konnten. Doch ganz problemfrei war auch der dritte Teil nicht. Auf sämtlichen Plattformen gab es Performance-Probleme. Gerade auf den Konsolen verkam das Spiel in manch actionreicher Szene zur fast unspielbaren Ruckelorgie, da auch die Steuerung des Greifhakens mit dem Controller etwas hakelig war. Mit Just Cause 4 (jetzt kaufen / 49,99 € ) soll aber nun alles besser werden. Die Entwickler der Avalanche Studios und Publisher Square Enix versprachen im Vorfeld nicht nur ein flüssiges Spielerlebnis, sondern auch den schönsten und besten Serienteil. Unter anderem weil Protagonist Rico Rodriguez neue abgefahrene Gadgets zur Verfügung stehen und nun auch die Natur selbst für mehr Chaos sorge, da in den verschiedenen Gebieten jeweils ein Gewitter, Sandsturm, Tornado oder Blizzard tobt und es so ganz neue spielerische Möglichkeiten gäbe. Nun, im Endeffekt kann man sagen, dass hier wohl jemand den Mund zu voll genommen hat.

Just Cause 4 im Test: Rico, das Frontschwein

Die Story ist genauso belanglos wie in den Vorgängern, doch im Falle von Just Cause ist das gewohntermaßen vollkommen okay, schließlich versuchte die Reihe noch nie, epische Geschichten zu erzählen, sondern konzentrierte sich auf möglichst explosive Dauer-Action. Ärgerlich ist da eher, dass die Figurenmodelle sämtlicher Charaktere (Rico mal ausgenommen) ziemlich hässlich sind und die deutschen Sprecher ihre simplen Dialogzeilen oftmals arg gelangweilt vortragen.

Explosionen und Feuereffekte sehen – typisch für die Serie – echt schnieke aus. Da trifft es sich gut, dass gefühlt alle paar Sekunden etwas in die Luft fliegt. Quelle: PC Games Explosionen und Feuereffekte sehen – typisch für die Serie – echt schnieke aus. Da trifft es sich gut, dass gefühlt alle paar Sekunden etwas in die Luft fliegt. Doch zurück zur Story: Diesmal verschlägt es Rico Rodriguez nach Solís, wo der Despot Espinosa mit seiner Armee der Schwarzen Hand ein eisernes Regime führt und die zivile Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Doch es kommt noch schlimmer: Espinosa und seinen Handlangern ist es gelungen, Maschinen zu bauen, die Tornados sowie weitere Stürme heraufbeschwören und lenken können. Das Ziel ist also klar: Espinosa muss gestürzt und die Gerätschaften zerstört werden. Espinosa ist jedoch so mächtig, dass nicht mal so eine coole Sau wie Rico alleine gegen ihn ankommt. Deshalb rekrutiert unser Protagonist die kampfeswillige Zivilbevölkerung für seine eigene Armee des Chaos und zettelt einen echten Krieg an. Kommt ihr an der Frontlinie an, könnt ihr sogar beobachten, wie sich die beiden Armeen bekämpfen.

Habt ihr eine feindliche Basis platt gemacht, dürft ihr das jeweilige Gebiet einnehmen und die Front verschieben. Dadurch erhaltet ihr neue Missionsziele. Quelle: PC Games Habt ihr eine feindliche Basis platt gemacht, dürft ihr das jeweilige Gebiet einnehmen und die Front verschieben. Dadurch erhaltet ihr neue Missionsziele. Allerdings hört sich das alles spektakulärer an als es letztendlich ist, denn im Grunde greift einfach das gewohnte Just-Cause-Gameplay. Solís ist in viele Areale eingeteilt, in denen es jeweils eine feindliche Basis gibt. Macht ihr die Basis platt, ruft ihr anschließend die Karte auf, verschiebt eure Truppen in das neue Gebiet und verlagert somit die Front. Logischerweise könnt ihr aber nur in Gebiete einziehen, die an der Grenze zu einem von euch bereits befreiten Areal liegen. Die wenigen Hauptmissionen liegen allerdings oftmals mitten im Feindesgebiet, sodass ihr gezwungen werdet, erstmal mehrere Basen zu zerstören und die Frontlinie zu verschieben. Noch nerviger: Im letzten Spieldrittel hatten wir sogar einen Bug, wegen dem wir keine neuen Truppen bekamen und somit nicht vorrücken konnten. Erst nach viel Grind - sprich Chaos verursachen - durften wir weitermachen. Blöd nur, dass sowohl die Chaos-Leiste als auch die Truppenanzeige ebenfalls verbuggt waren. Letztere zeigte weiterhin 0 Reserven an und die Chaos-Leiste schrumpfte zwischendurch immer wieder.

Überhaupt fielen uns viele Bugs auch innerhalb der Missionen auf. Oftmals wurde ein vorgesehenes Ereignis einfach nicht ausgelöst, sodass wir den Auftrag neu starten mussten. Einmal fehlte sogar eine komplette Nebenmission. Eigentlich sollten wir uns eine Verfolgungsjagd mit der Schwarzen Hand liefern, doch als wir in das vorgesehene Auto stiegen und einen Meter fuhren, hatten wir die Mission erfolgreich gemeistert. Und wo wir gerade bei Autos sind: Die Steuerung ist leider noch immer ziemlich schwammig. Immerhin steuern sich Boote, Schiffe und mit etwas Übung auch Helikopter und Flugzeuge recht eingängig.
Als waschechter Actionheld darf Rico natürlich sämtliche Vehikel in der Spielwelt kapern. Gefechte mit Kampfhubschraubern machen so richtig Laune. Quelle: PC Games Als waschechter Actionheld darf Rico natürlich sämtliche Vehikel in der Spielwelt kapern. Gefechte mit Kampfhubschraubern machen so richtig Laune.

Just Cause 4 im Test: Grüße vom Murmeltier

Die Hauptprobleme von Just Cause 4 sind jedoch nicht die vereinzelten Bugs, sondern Technik und Missionsdesign. Im Gegensatz zum Vorgänger läuft Teil 4 tatsächlich flüssig. Auf dem PC bleibt die Framerate stets stabil bei 60 Bildern pro Sekunde, während auf PS4 Pro und Xbox One - abgesehen von ein paar Mikrorucklern in manchen Szenen - durchgängig 30 fps erreicht werden. Selbst auf den Standard-Konsolen gibt es keine großen Framedrops. Allerdings ist Just Cause 4 auch auffällig hässlicher als der mittlerweile drei Jahre alte Vorgänger.

Die Spielwelt ist in Nebel gehüllt, Texturen sind matschig oder laden sichtbar zu spät nach, überall poppen Objekte in der Umgebung auf, die Vegetation ist spärlich und unschön und teilweise erkennt man ausgeprägtes Kantenflimmern. Einige Licht- und Schatteneffekte sind sogar anscheinend komplett kaputt. Explosionen und Feuereffekte sind schön, doch ansonsten sieht Just Cause 4 leider zu keinem Zeitpunkt gut aus und hinkt anderen Open-World-Spielen meilenweit hinterher. Da nützt es auch nicht, dass verschiedene Gebiete (Wald, Strand, Wüste, verschneite Berge) für optische Abwechslung sorgen sollen. Alles sieht irgendwie seltsam breiig aus.

Die Missionen sind leider unfassbar unkreativ und die Aufgaben wiederholen sich ständig. In so ziemlich jedem Auftrag müsst ihr irgendwelche Generatoren sprengen. Quelle: PC Games Die Missionen sind leider unfassbar unkreativ und die Aufgaben wiederholen sich ständig. In so ziemlich jedem Auftrag müsst ihr irgendwelche Generatoren sprengen. Und Brei ist auch hinsichtlich des Missionsdesigns ein gutes Stichwort, denn hier gibt es so viel Abwechslung wie in einer Gefängniskantine mit fiesem Küchenpersonal. Bis auf ganz wenige Ausnahmen spielen sich sämtliche Missionen gleich: Ihr betretet eine Basis, macht eine gewisse Anzahl Generatoren (oder sonstige Dinge) kaputt, ihr betätigt einen Schalter, ein Helfer hackt etwas und ihr müsst diese Stelle für eine gewisse Zeit vor Gegnerwellen verteidigen. Möchte Avalanche Abwechslung ins Spiel bringen, wird der Hack-Vorgang unterbrochen und ihr müsst zwischendurch noch eben ein paar Störsender zerstören oder habt ein Zeitlimit im Nacken. Selbst die großen Story-Missionen laufen nach diesem Muster ab. Zwar werdet ihr mal in einen Panzer oder ein Kriegsschiff gesetzt, doch der Aufbau bleibt gleich. Die Missionen sind nicht nur unkreativ, sondern werden auch noch viel zu sehr in die Länge gezogen.

Selbst die Hauptmissionen, in denen ein Tornado, Tropensturm, Sandsturm oder Blizzard tobt, sind ziemlich lahm. Die groß angepriesenen Wetterkapriolen erfüllen nämlich keinen spielerischen Zweck. Man kann sich selbst oder Objekte hinaufkatapultieren lassen, aber das war's. Statt irgendwas Cooles mit, zum Beispiel, dem Tornado anzustellen. Fahrt ihr dem Wirbelsturm nur hinterher und gleitet zwischendurch in eine feindliche Basis, um Windmaschinen (quasi Tornado-Generatoren) zu zerstören. Wow! Ganz schlimm sind zudem die (glücklicherweise) wenigen Aufträge, in denen ihr innerhalb eines Zeitlimits mit Bomben bestückte Autos ins Meer fahren sollt. Hier nerven Vehikelsteuerung sowie verbuggte Bomben, die einfach losgehen.
Natürlich macht es Spaß, mit einem Panzer alles in Schutt und Asche zu legen, doch die Missionen sind so arg gestreckt, dass selbst das irgendwann langweilig wird. Quelle: PC Games Natürlich macht es Spaß, mit einem Panzer alles in Schutt und Asche zu legen, doch die Missionen sind so arg gestreckt, dass selbst das irgendwann langweilig wird.

Just Cause 4 im Test: Spaß in Eigenregie

Trotz seiner vielen Makel ist Just Cause 4 jedoch kein schlechtes Spiel. Einige Ansätze, Momente und vor allem Ricos Gadgets sorgen immer wieder für spaßige Szenen. Überall kracht und explodiert es, sodass man sich teilweise vorkommt wie in einem Action-B-Movie der 80er Jahre und auch die Steuerung geht nach etwas Eingewöhnung gut von der Hand. Relativ schnell schwingt ihr euch mit dem Greifhaken von Gegner zu Gegner, kapert feindliche Kampfhubschrauber oder zieht euch an die Decke und ballert kopfüber auf die Schergen der Schwarzen Hand. Auch die Bewegung mit Fallschirm und Wingsuit macht ordentlich Laune. Habt ihr hier mal den Dreh raus, könnt ihr theoretisch über die gesamte Map fliegen, wodurch Action-Ass Rico noch mehr wie ein Superheld wirkt.

Mit Ricos Gadgets lässt sich weiterhin viel Unfug treiben. Mit den bekannten Schubdüsen kann man auch mal einen riesigen Tank durch die Landschaft rollen lassen. Quelle: PC Games Mit Ricos Gadgets lässt sich weiterhin viel Unfug treiben. Mit den bekannten Schubdüsen kann man auch mal einen riesigen Tank durch die Landschaft rollen lassen. Doch vor allem die angesprochenen Gadgets sorgen immer wieder für lustige Momente. Wie schon im Vorgänger könnt ihr mithilfe eures Greifhakens zwei Objekte miteinander verbinden und zusammenziehen oder eher zusammenprallen lassen. Zudem dürft ihr wieder Schubdüsen an Gegnern und Objekten anbringen, sie auslösen und dann zusehen, wie etwas oder jemand in die Luft geschleudert wird. Neu hinzugekommen sind nun die Ballons, die sich an Gegenständen, Vehikeln oder Fieslingen befestigen lassen und diese in die Luft heben. Allein mit der Basis-Ausstattung dieser Gadgets kann man herrlich viel Unfug anstellen, doch alle drei dürfen auch noch aufgerüstet werden.

So könnt ihr beispielsweise einstellen, dass ein von den Ballons hochgehobenes Objekt euch folgt oder in eine bestimmte Richtung getragen wird. Oder ihr stellt ein, dass die Schubdüsen explodieren, nachdem sie ausgebrannt sind. Kombiniert ihr die Gadgets dann noch untereinander, entsteht oftmals ein wunderbares Chaos. Schickt ihr einen brennenden Tank mit den Ballons und Schubdüsen in eine feindliche Basis, in deren Zentrum das Teil dann explodiert, ist das ungemein befriedigend. Allerdings muss man sich diesen Spaß auch selber suchen, denn auch das Benutzen der Gadgets als auch das Aufleveln dieser sind problembehaftet.

Mit den neuen Ballons könnt ihr Objekte heben, steuern und sogar gezielt zur Explosion bringen. Quelle: PC Games Mit den neuen Ballons könnt ihr Objekte heben, steuern und sogar gezielt zur Explosion bringen. Um die Gadgets aufzurüsten, müsst ihr bestimmte Nebenmissionen machen, die - genau wie die zum Fortschritt nötigen Aufträge - stinklangweilig sind. So führt ihr kurze, aber auch sehr unspektakuläre Stunt-Fahrten aus oder zerstört mit verbündeten NPCs mit nervigen Wegfindungsstörungen gewisse Objekte der Schwarzen Hand. Zudem ist das Gadget-Menü ein wenig unübersichtlich und fummelig zu bedienen. Ein weiteres Problem ist, dass ihr die Gadgets - mal abgesehen vom normalen Greifhaken - in den Missionen überhaupt nicht braucht.

Da ihr von allen Seiten beschossen werdet und teilweise auch unaufhörlich Raketen oder Granaten auf euch einprasseln, ist es viel einfacher, sich eben den Weg freizuschießen, statt unter Beschuss irgendwelche Objekte und Gegner miteinander zu verbinden. Die Gegner-KI ist nämlich so unterbelichtet, dass man sie fast schon als nicht-existent beschreiben könnte. Meistens gehen die Fieslinge nicht mal in Deckung, sondern laufen direkt auf euch zu oder lungern neben explosiven Fässern herum. Da schießt man automatisch mal eben um sich, um den Weg freizuräumen.

Blöd ist da dann eben auch, dass sich normale Schusswaffen allesamt ziemlich ähnlich und überhaupt nicht wuchtig anfühlen. Das Gunplay ist sehr arcadig. Wollt ihr also Spaß mit den Gadgets, müsst ihr ihn euch selbst suchen. Für eine gewisse Zeit macht das durchaus Laune, doch dann fällt einem auch auf, wie verhältnismäßig leer und wie wenig interaktiv die Spielwelt ist.

Fazit & Wertung

Meinung

Wertung zu Just Cause 4 (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Just Cause 4 (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Just Cause 4 (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Kreative neue Gadgets für Ricos GreifhakenSehr große SpielweltSpürbar verbesserte PerformanceSpaßiges Gleiten mit dem WingsuitWunderbarer Chaos-Simulator
Furchtbar ödes, sich ständig wiederholendes MissionsdesignGrafisch schlechter als der VorgängerTeils starkes FlimmernAuffällige Pop-UpsUnterirdische KIEinsatz der Gadgets nicht nötigStürme erfüllen keinen spielerischen ZweckViele kleine Bugs, die teilweise zum Neustart einer Mission zwingenSchwammige FahrzeugsteuerungHässliches Charakterdesign
Fazit

Im Ansatz ein spaßiges Actionspiel mit äußerst mäßigem Missionsdesign und technischen Schwächen.

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