Just Sing ​im Test: Beißt sich an der Konkurrenz die Zähne aus

Test Alexander Winkel
Just Sing (5)
Quelle: Ubisoft

Was waren das doch für selige Zeiten, als Singstar die Welt eroberte - doch mittlerweile tummeln sich wieder einige Karaoke-Spiele auf dem Markt und mit Just Sing möchte nun auch Ubisoft am diesjährigen Weihnachtsgeschäft mitmischen. Als Quasi-Ableger der renommierten Just Dance Reihe sind die Erwartungen recht hoch. Immerhin hat Ubisoft seit Jahren die Musikstars hinter sich und produziert wirklich unterhaltsame Tanzspiele. Wie gut funktioniert das Konzept bei einem Karaoke-Spiel?

Die Antwort ist leider, dass es nicht wirklich klappt. Es gibt zahlreiche Dinge, die einfach in die Hose gingen und aus einem ambitionierten Projekt eine herbe Enttäuschung machen. Das Grundkonzept ist so einfach wie auch simpel für den Anwender umgesetzt. Zu über 45 Songs wird fleißig geträllert und dank der Streaming-Technologie können heutzutage Smartphones und Tablets als Ersatz für klassische USB-Mikrofone hergenommen werden. Sowohl für das Android-System als auch iOS stehen entsprechende Apps zur Verfügung, die im WLAN nach einem laufenden Just Sing Spiel suchen und sich unkompliziert damit verbinden lassen. Für den 4-Spieler-Partyspaß hat man auf jeden Fall gesorgt.

Just Sing (4) Quelle: Ubisoft Just Sing (4) Zur Auswahl stehen zwei recht simple Spielmodi. Entweder werden einfach je nach Lust und Laune Songs geträllert bzw. eine vorher angelegte Liste abgearbeitet, oder aber man duelliert sich gegenseitig. Witzig ist, dass die Smartphones oder Tabletts optimal als Controller-Ersatz fungieren und uns viele Einstellungen bereits über den Touchscreen ermöglichen. Erstaunlich auch die Tatsache, dass die Aufnahmequalität über herkömmliche Mikrofone (wir haben so einige getestet) im Nachhinein meist deutlich schlechter klingt, als über die Smartphones/Tablets. Denn ähnlich wie in Singstar wird die Performance aufgenommen und kann hinterher entweder auf der Festplatte verewigt, oder gar über die Just Sing Community veröffentlicht werden. Vor jedem Titel gibt man dabei ein Thema und gewisse Effekte vor und das Spiel baut ein witziges Musikvideo zusammen. Konsolen-Kameras wie Kinect, als auch die der Smartphones/Tablets dienen dazu, euch bei eurer Performance zu filmen. Wer Lust hat, kommt in der Just Sing TV Community dann auf seine Kosten, dank witziger, manchmal aber auch erstaunlicher Beiträge, die man sich dort anschauen kann.

Die Talfahrt fängt bei der Spielauswertung an. Egal ob mit einem Mikrofon oder mit Smartphone/Tablet gesungen, die Performance kann ziemlich gut manipuliert werden, denn ein Ventilator reicht schon für gute Abschlusswertungen aus. Zwar scheint der Titel durchaus auch in der Lage zu sein, die Tonlage zu erkennen und gibt uns mittels einer Text-Wertung auch Rückmeldung, die suboptimal Anzeige auf dem Screen ist aber völlig unbrauchbar für die Gesangstunden. Es gibt keinerlei Tonhöhenanzeige, die uns ein Gefühl für die Melodie vermittelt, man muss alles kennen oder mithören. Das zweite Problem tritt bei ungünstiger Hardware auf, die zu einer Verzögerung des eigenen Gesangs führen kann. Die eigene Stimme wie ein Hall aus den Boxen schallend kann zwar stumm geschaltet werden, dann registriert Just Sing aber den Gesang nicht mehr. Smartphone/Tablet Spieler haben das Problem nicht, da deren Originalgesang erst nach Abschluss des Songs in der Performance und auf den Song gut synchronisiert zu hören ist. Die finale Wertung ist aber eh vollkommen egal, da es weder offline, noch online Highscore-Listen gibt.

Just Sing (2) Quelle: Ubisoft Just Sing (2) Auf dem Boden der Tatsachen schlägt man letztendlich auf, sobald man die ausladende Songliste durchgeht und sich jeden Titel einmal anhört. Es stehen anfänglich breites über 45 Titel zur Verfügung und mit dem fortlaufenden Spielfortschritt werden Avatare, Effekte und auch so manch anderer Titel noch freigeschaltet. Auch für Nachschub ist dank Online-Store letztendlich gesorgt. Doch nur zehn der auf der Disc vorhandenen Songs sind Originalversionen, der Rest sind Cover, die mehr schlecht als recht produziert wurden. Bei Songs wie Geboren zum Leben kringeln sich wahrlich die Fußnägel und von derartigen Versionen gibt es noch einige weitere Beispiele. Klar, dadurch ist es Ubisoft möglich, die Gesangsspur auch wirklich stumm zu schalten, was manch anderer Hersteller eben nicht geschafft hat (Singstar bot zu keinem Zeitpunkt einen echten Karaoke-Modus). Der Kompromiss ging aber letztendlich in die Hose. Schade, denn Just Dance zeigt, welch grandiose Musikbibliothek sich Ubisoft bis dato eigentlich aufgebaut hat.

Meinung

Wertung zu Just Sing (XBO)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Über 45 Songs aller Epochen ...Schneller, unkomplizierter Einstieg.Gute Smartphone/Tablet Unterstützung als Controller und Mikrofon.
... wobei aber fast nur Cover vorhanden sind, die oft nicht gut sind.Die eigene Stimme kann nicht stumm geschaltet werden, da das Spiel sonst nicht mehr wertet.Schlechte Stimmerkennung, es reicht für die meisten Songs ein Ventilator.Suboptimales Spielinterface ohne Anzeige der Tonhöhe oder Melodie.

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk