Kann das fernöstliche Märchen im Rollenspiel-Gewand die Fans des Genres auch langfristig überzeugen?
Die Charakterentwicklung
Key of Heaven
Wer sein Training brav fortsetzt und dabei massig Gegner vom Bildschirm fegt, wird Körper und Geist auf Vordermann bringen. Wie im Genre üblich, bekommt Shinbu für jede erledigte Seelen eine gewisse Anzahl an Erfahrungspunkte gutgeschrieben, womit er Level für Level aufsteigen kann. Dabei verbessern sich einige seiner Attribute - das aber vollkommen automatisch und ohne euch gewisse Entscheidungsfreiheiten zu lassen. Ihr könnt bei der Charakterentwicklung keinen Einfluss darauf nehmen, ob der Held eher kräftig sein, oder sich doch eher um geistige Angelegenheiten kümmern soll, außer bei den verschiedenen Chi-Fähigkeiten. Diese bekommen pro Einsatz ebenfalls Punkte gut geschrieben und werden mit der Zeit stärker. Relativ schnell erlernt der ehemalige Seiryu-Schüler verbesserte Formen der stetig verwendeten Zaubersprüche, welche deutlich mehr Schaden verursachen, aber auch länger für die Aufladung brauchen.
Key of Heaven
Wer das nötige Kleingeld mitbringt, kann sich aber in den unterschiedlichen Städten bei den Händlern eindecken. Neben den nötigen Waffen, Heilzaubern und Tränken findet man auch Accessoires wie Ketten und Ringe. Durch Pluspunkte dieser Schmuckstücke werden beim Tragen immerhin einige Attribute leicht verbessert. Etwas zäh und nervig erweist sich der Zwang, mit unterschiedlichen Bewohnern reden zu müssen. Oftmals dürfen bestimmte Tore und Wege nur dann passiert werden, wenn Ereignisse oder Gespräche stattgefunden haben. Dies wird aber weder im Questlog noch an sonstiger Stelle verraten und führt daher öfters zu einer kopflosen Suche. Trotz dieser Schwächen macht das Spiel durchaus Spaß, leider ist das Abenteuer aber auch nach 15-20 Stunden beendet. Danach können immerhin ein Mehrspielermodus und auch versprochene Downloads für weitere unterhaltsame Spielstunden sorgen.
Idyllische und fernöstliche Märchenwelt
Key of Heaven
Die Welt von Ouka ist recht verträumt und malerisch, erinnert aber auch an die fernöstliche Kultur. Auffällig ist dies vor allem an der Architektur mit kunstvoll verzierten Fenstern und Fresken an den Mauerkanten, aber auch in Hinblick auf soziale Interaktion. Treffen zwei Personen aufeinander, begrüßen sich diese respektvoll mit einer kurzen Verbeugung und zusammengefalteten Händen. Emotionen kommen aber leider in den Videosequenzen zu kurz. Die Gesichtsmimik ist schlicht und übermittelt Trauer, Freude oder Leid optisch nur kaum, lediglich in der zum größten Teil gelungenen Sprachausgabe derartiges heraus. Manch einem geschichtlichen Teil verwehrt man solche Gefühlsausbrüche aber komplett, obwohl man in einer solchen Situation deutlich mehr von den Charakteren erwartet hätte.
Key of Heaven
Zwischen den Orten reist ihr durch eine dreidimensionale Fantasy-Welt, welche mit detailvollen Urwäldern, aber leider auch recht schlichten und kargen Felswänden daher kommt. Die Animationen der Figuren, vor allem bei den Kämpfen können durchwegs überzeugen. Dazu gesellen sich bunte Effekte der Zauberformeln, die ein knalliges Feuerwerk abbrennen lassen. Getrübt wird die schöne Aussicht nicht etwa durch atmosphärische Nebelschwaden, sondern durch immer wieder auffälliges Kantenflimmern. Gespielt wird aus der Sicht einer dritten Person, wobei die Kamera stets dem Helden folgt und diesen seitlich darstellt, selber könnt ihr daran nichts drehen. Die eine oder andere Auseinandersetzung mit den Kirin-Mitgliedern und einigem Getier könnte daher unübersichtlich werden, vor allem bei einer hohen Anzahl an Gegnern. Nicht selten tauchen plötzlich aus einem von der Kamera verdecktem Teil noch Feinde auf und können einem durch dieses Überraschungsmoment ordentlich Schaden zufügen.
Key of Heaven
Während ihr die idyllischen Landschaften von Ouka durchwandert und diverse (auch im Spiel) als Sehenswürdigkeiten ausgeschilderten Reiseziele wie den Schlangenwasserfall bewundert, verwöhnt euch "Key of Heaven" mit einem asiatisch angehauchtem Soundtrack. Die Klänge der Musik passen sich der Umgebung optimal an und unterstützen das Ambiente. Nebenbei hauchen viele Umgebungsgeräusche wie das Rauschen eines Flusses oder Wasserfalls, das Zirpen der Grillen um Uhrwald oder das Donnern des wolkenverhangenen Byakko Gebiets, aber auch die Kampfgeräusche der Welt und deren Charaktere Leben ein. Bis auf wenige Male ist auch die Sprachausgabe gelungen, nur ab und an hören sich einige der Sprecher etwas unmotiviert an.
