Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril und irgendwie verwirrend - eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Test Alexander Winkel

Ein schüchterner Gigolo im piekfeinen James Bond Anzug schnetzelt sich mit Killerschwert durch eine skurrile Monsterwelt: Auch wenn Hideyuki Shin als Director von Killer is Dead fungierte ist ganz eindeutig die Handschrift von Goichi "Suda51" Suda zu spüren. Deep Silver umwirbt das Spiel zurecht mit dem Namen der Designer-Legende Suda51, denn seine Kreativität verhilft diesen Titel zu einem ganz besonderen Status. Wer bereits Killer 7, No More Heroes und andere Titel liebte, muss zugreifen!

Der Ausflug in die Killer is Dead Welt ist wahrlich betörend und aufregend, zugleich aber auch verwirrend und bisweilen gar langweilig. Geradezu eine Achterbahnfahrt die wir nur sehr schwer zu Papier bringen können. Das Grundsystem ist ein actionreiches Spektakel. Der in sich gekehrte Held Mondo Zappa sieht den Sinn des Lebens in der Verbrecherjagd und nimmt zusammen mit der gelassenen und besonnenen Auftragskillerin Vivienne Squall spezielle Aufträge ihrer Klienten an. Die einzige Bitte ist, meistens zumindest, etwas grauenhaftes auszuschalten. Dabei geht es nicht um herkömmliche Verbrechen oder einfacher Morde, in der in der nahen Zukunft angesiedelten Welt tauchen Kreaturen der Unterwelt und Cyborg-Plünderer auf, die mit schnellen Schwerthieben und einigen Schüssen in ihre Einzelteile zerlegt werden. Die Hintergrundgeschichte vor allem um Held Mondo ist von Anfang an verworren und wird nur Stück für Stück offenbart. Ich möchte aber nicht behaupten, dass ich nach fast zwei Durchgängen und diversen Nebenmissionen alle Geheimnisse um seine Persönlichkeit aufgedeckt habe. Manches ist nach wie vor ziemlich abstrus!

Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (7) Quelle: Grasshopper Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (7) Aus spielerischer Sicht wandelt man zwischen actiongeladenen Szenen und bisweilen gar langweiligen Spaziergängen durch eine Traumwelt. Sobald Mondo seinen linken Arm, an dem eine Cyborg-Schusswaffe angebracht ist, bzw. sein Gekkou (dt. Mondschein, eine scharfe Klinge) zückt, trumpft Killer is Dead gewaltig auf. Anfängliche Kämpfe wirken ja noch etwas fad, doch gegen Ende des Abenteuers spitzen sich die Auseinandersetzungen zu und man bekommt ein Gefühl dafür, wie eingängig und doch brillant das Kampfsystem tatsächlich ist. Ihr müsst euch keine aufwendigen Combos merken oder gewiefte Tastenkombinationen durchführen, nur wenige Schlagangriffe reichen vollkommen aus. Wichtiger ist die Defensive inklusive der Möglichkeit, durch Ausweichen in einer Art Zeitlupe zu kommen (ähnlich der Hexenzeit bei Bayonetta) um seinen Gegenüber ungehindert mehrmals die Klinke über den Kopf zu ziehen. Einfach herrlich und vor allem äußerst stilvoll, wie das Spiel in diesem Moment sämtliche Farben fallen lässt, sich in ein schwarz-weiß Krosett zwängt und das restliche Geschehen in ein kontrastreiches Rot taucht. Ein letzter Schlag, ein letzter Hieb und die Kreatur wird dann auch mal gern in zwei Teile zerlegt. Während der Kampf kaum besser sein könnte, frustrieren die meisten andere Elemente. Hinter Kisten in Deckung zu gehen kann wirklich nervig werden, bleibt Mondo schließlich vollkommen unbeweglich in der Hocke. Auch die Kamera ist nicht immer optimal!

Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (5) Quelle: Grasshopper Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (5) Der Stil von Killer is Dead, irgendwie eine Mischung aus ernsthaften Zeichnungen und abgedrehter Comicgrafik, ist eigenwillig und eindeutig die Handschrift des Masterminds, ebenso wie das komplette Leveldesign. Ihr wandert durch verdrehte Häuser, wo Treppen wie bei M.C. Escher auch mal im Kreis laufen, einer riesigen Villa auf dem Mond (Mondo wundert sich noch, warum er die Luft überhaupt atmen kann), oder in einer lebendig gewordenen und wütend rasenden Dampflock. Letzteres ist zugleich auch ein ganz besonderer Endgegner, ebenso wie ein einst hübsches Mädchen, deren Kopf um 180° verdreht ist und insgesamt acht, arschglatt rasierte Beine sie durch die Bude tragen. So manches Mal bekommt man echt richtig große Augen und staunt, welch absurde Ideen tatsächlich ihren Weg in das Spiel fanden. Ich sage dazu nur Einhorn, Einhorn und nochmals ein Einhorn. Wer Killer is Dead in den kommenden Tagen genießt, wird sich an meine Worte erinnern! Die Bosse stellen allesamt spielerisch wie auch optisch einen waren Schmaus dar und gehören allesamt zu den Highlights im ca. sieben stündigen Durchgang aller Hauptmissionen.

Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (1) Quelle: Grasshopper Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (1) Anders gestalten sich so manche Abschnitte, in denen man nur im Traum wandelt, dort nur einige wenige Gegner auszuschalten hat und meist wie in Zeitlupe voran kommt. Es wirkte wie eine Achterbahn, die nach einer rasanten Talfahrt mit hohem Adrenalinpegel dann zum Aufstieg ansetzt und immer müder und langsamer wird. Killer is Dead hält spielerisch nicht konstant das extrem flotte Niveau, ist aber auch in den ruhigen Moment ein Novum für sich. Denn dann werden meist verwirrende Schnipsel aus Mondos Vergangenheit serviert – ähnlich der perfekten Spiegeleier seiner Mutter. Die Eier verwirren euch? Klar, so wie das Spiel auch. Manche Dialoge sind platt, flach und weniger berauschend, andere wiederum tiefgründig und regen zum Nachdenken an. Zudem ist die Rolle Mondos extrem gut zurecht geschnitten. Immer bleibt der Gedanke: Was ist in seiner Vergangenheit derart schief gegangen, dass er heute so in sich gekehrt und doch mit all dieser Wut geziert ist.

Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (12) Quelle: Grasshopper Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (12) Parallel zur eigentlichen Storyline schaltet man zahlreiche Nebenmissionen frei. Diese spielen sich zumeist in den bereits durchwanderten Abschnitten ab und erfordern gewisse Ziele. Zu viele Feinde im Fahrstuhl bedeuten, dass Herr Zappa nicht den oberen Stock erreicht. Daher fleißig alles zu Kleinholz verarbeiten, damit die Kabine auch an Höhe gewinnt. In einer anderen Mission muss eine hübsche Braut gerettet werden, indem man sich an eine Gatling-Gun setzt und alles in Schutt und Asche legt. Apropos Frauen! Auf das weibliche Geschlecht fährt Mondo ganz extrem ab. Er wird stets von der kleinen, extrem quirligen (um nicht nervigen zu sagen) Mika begleitet, die sich als Assistentin des Auftragskillers ausgibt. Ihr loses Mundwerk sorgt tatsächlich für ein wenig Aufheiterung in so manch ernster Situation und so manches Mal bringt sie Dinger, die kann man einfach nicht mehr in Worte fassen. Unglaublich naiv, die zwanzigjährige, aber zum Glück liegt ihr viel an Mondo. Denn ereilt uns tatsächlich der virtuelle Tod, hämmert sie wie verrückt auf Mondos Brustkorb herum und weint sich die Seele aus dem Leibe, bis ihr Vorbild wieder unter den Lebenden weilt. Was würden wir nur ohne dieses quietschige Mädchen machen? Richtig, uns im Grabe umdrehen!

Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (13) Quelle: Grasshopper Killer is Dead im Test: Extravagant, skurril, verwirrend. (13) Darüber hinaus nähert sich Mondo gerne dem hübschen Geschlecht, indem er einfühlsam und doch bisweilen extrem gierig die Damen der Killer is Dead Welt beäugt und ihnen die Aufwartung macht. Umso mehr er unbemerkt in den Ausschnitt glotzen kann, umso mehr steigt seine Lust. Evtl. reicht es aus, um der Holden ein Geschenk zu überreichen und nach langem annähern diese abzuführen. Was diese Nebenmissionen mit dem eigentlichen Spiel zu tun haben, ich weiß es ganz ehrlich nicht. Doch gerade derart verrückte Aufgaben und Sondermissionen zeichnen Suda51 wiederum aus. Übrigens, der Limited Edition wird ein Download-Code beiliegen, welcher unter anderem auch eine Röntgenbrille beinhaltet. Damit kann man sich die zierliche, zurückhaltende und scheue Gaisha gleich mal in Unterwäsche anschauen, was die Aufgabe ungemein erleichtert. Ihr findet dadurch nicht nur heraus, welche Geschenke die Frau von euch erwartet, die in einem Laden erstanden werden können, auch Mondos Gemütszustand verbessert sich wesentlich schneller. Naja, auch kein Wunder bei diesem Anblick. Deep Silver schreibt ja selber: Love & Kill ist das Motto von Killer is Dead. Stimmiger kann man den Titel wohl nicht umschreiben.

Meinung

Wertung zu Killer is Dead (X360)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Killer is Dead (PS3)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Mondos Abenteuer ist extrem stilvoll umgesetzt mit einzigartiger Optikund passendem Soundtrackein richtig gelungenes, aber nicht überladenes, Kampfsystemeinfallsreiche und skurrile Gegner, auf deren Dialoge man sich freuen kannatemberaubende Bosskämpfe, die optisch, akustisch und spielerisch einiges auf dem Kasten habenzahlreiche Nebenmissionen und extrem befremdliche Gigolo-Missionen
stellenweise eher langatmige und langweilige Abschnitteaußerhalb des Kampfes zum Beispiel in der Deckung ist Mondo behäbig zu steuernder Grafikstil ist wohl eher Geschmackssache und wird nicht jeder erquicken

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk