Kingdom Come: Deliverance 2 im Test: Ein gar königliches Rollenspiel!

Test Carlo Siebenhüner
Kingdom Come: Deliverance 2 im Test: Ein gar königliches Rollenspiel!
Quelle: Plaion / PC Games

Es ist vollbracht! Kingdom Come: Deliverance 2 feilt die genau richtigen Ecken und Kanten des Vorgängers ab, ohne seinen Charakter zu verlieren. Herausgekommen ist ein fantastisches Rollenspiel, in dem man stundenlang versinken kann.

Audentes Fortuna Iuvat - Das Glück belohnt die Tapferen. Dieser Spruch, den man in Kingdom Come: Deliverance 2 öfter hört, passt perfekt zur Geschichte der Warhorse Studios. Die wollten Anfang der 2010er ein großes, authentisches und dadurch auch sperriges Mittelalterspiel machen - und keinen Publisher hat's interessiert. Also nahm man die Sache selbst in die Hand, rief zum Kickstarter auf, sammelte mal eben eine Million Euro ein und zeigte, dass die Welt Lust auf das mittelalterliche Böhmen hat.

Kingdom Come: Deliverance war allerdings eher ein Rohdiamant, dem die Entwicklungszeit ausgegangen ist. Mit dem Nachfolger will man jetzt endlich das Spiel machen, das schon der erste Teil hätte werden sollen. Machen wir es kurz: Die Mission ist geglückt! Kingdome Come: Deliverance 2 ist ein ausgezeichnetes Rollenspiel, das schon jetzt ein Anwärter auf das Spiel des Jahres ist. Auch wenn wieder mal die Technik die absolute Höchstwertung versagt.

Vom Regen in die Traufe

Kingdom Come 2 setzt exakt dort an, wo Teil 1 aufgehört hat. Das Königreich Böhmen steckt in einer tiefen Krise. Der Thronfolger Wenzel ist ein Nichtsnutz, aber der rechtmäßige König. Sein Bruder Sigismund von Ungarn will die Krone an sich reißen und konnte dafür große Teile des böhmischen Adels hinter sich versammeln. Mittendrin steckt Heinrich von Skalitz.

Als einfacher Schmiedesohn geboren, wurde er im ersten Teil in die Verwicklungen des Krieges gezogen und konnte sich einen Namen machen. Als neuer Knappe für seinen Herrn und späteren besten Freund Hans Capon wurden die beiden nun ausgeschickt, um ein Friedensangebot zwischen den Unterstützern Wenzels und Sigismund auszuhandeln.

Allerdings geht bereits im Prolog alles schief, was nur schiefgehen kann. Der Trupp der beiden wird überfallen, die Nachricht geht verloren und Hans und Heinrich finden sich in der Gosse wieder. Das markiert den Beginn einer 80- bis 100-stündigen Achterbahnfahrt durch die politischen Wirrungen des 15. Jahrhunderts in Böhmen. Ich habe ja nun schon so einige Rollenspiele in meinem Leben gespielt, aber was die Entwickler in der Story von Kingdom Come 2 abfeuern, ist Unterhaltung in Bestform.

Ränkespiel vom Feinsten

Jeder im virtuellen Böhmen verfolgt seine eigenen Ziele, Hans und Heinrich natürlich auch. Daher müssen die beiden ständig zweckmäßige Bündnisse eingehen, mit denen sie trotzdem immer wieder zwischen die Fronten geraten. Mal sieht es so aus, als hätten wir einen klaren Feind, nur damit uns später dann unsere eigentlichen Verbündeten wieder in den Rücken fallen. Zwischendurch kann ich sogar Entscheidungen mit unterschiedlichen Abzweigungen treffen. Allerdings habe ich auch gemerkt, wie mich das Spiel schlussendlich doch wieder auf einen Hauptpfad zurückholt.

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Das Erzähltempo ist dabei richtig gut getroffen. So gibt es immer wieder ruhige Momente, in denen ich auch mal Säcke von A nach B schleppen muss oder einfach Zeit habe, die offene Welt zu erkunden. Bekomme ich dann wieder Lust auf eine Haupt-Quest, ziehen mich spannende und teils mehrstündige, durchgeskriptete Story-Missionen in ihren Bann.

Und das heißt was! Normalerweise bin ich von Open Worlds irgendwann gelangweilt, weil sie versuchen, ihre Spielzeit so lang wie möglich zu strecken. Es gibt zwar auch definitiv eine Menge in Kingdom Come 2 zu erledigen, aber es erschlägt einen nicht mit hunderten belanglosen Quests. Fast jede Nebenaufgabe hat etwas Spannendes zu erzählen.

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