Schnauze voll: Ich habe die neue Staffel von Der Herr der Ringe nach einer halben Stunde ausgemacht - und das ist der Grund

Kolumne Tobias Tengler-Boehm
Schnauze voll: Ich habe die neue Staffel von Der Herr der Ringe nach einer halben Stunde ausgemacht - und das ist der Grund
Quelle: Amazon Studios

Als glühender Fan von Tolkiens Mittelerde hat Amazon mit Staffel 2 meine Geduld endgültig ausgereizt.

Eines vorweg: Ich gehöre nicht zu denjenigen, die (eventuell ja sogar zurecht) alles oder zumindest vieles an der neuen Herr der Ringe-Serie von Amazon schlecht fanden. Mir gefiel die Interpretation der Hobbits, Zwerge und Elben. Ich empfand den mutmaßlichen Gandalf als einen würdigen Nachfolger, nein, Vorgänger von Sir Ian McKellen. Und mir war sogar Galadriel nicht unsympathisch. Dennoch störte ich mich selbstverständlich an einigen Dingen.

Herr der Ringe: Wer ist Sauron?

Achtung, hier schreibe ich über Dinge, die sich in der 1. Staffel von Die Ringe der Macht sowie in der rund ersten halben Stunde der neuen Folge zugetragen haben: Die einzige Sache, mit der ich wirklich unzufrieden war, was der vermeintlich "schockierende" Twist, wer letztendlich Sauron ist.

So, so ... Amazon will mir also ernsthaft diesen Aragorn bei Temu bestellt als menschliche Gestalt von Sauron verkaufen? Dieses gottgleiche Wesen, das beinahe ganz Mittelerde ins Verderben gestürzt hätte? Um diese für mich persönlich mehr als unbefriedigende Auflösung halbwegs logisch erklären zu können, widmet Amazon den Beginn der ersten Folge von Staffel 2 ganz und gar dem dunklen Fürsten von Moria.

Völlig überraschend wird Sauron zu Beginn von Jack Lowden dargestellt. Dumm nur, dass ich nebenher gerade die fulminante Agenten-Serie (James Bond wäre mehr als stolz) Slow Horses binge und ausgerechnet jener Schauspieler hier eine der Hauptrollen bekleidet. Für diesen Immersionsbruch kann Amazon freilich nichts, für die folgenden Szenen gibt es allerdings keine Entschuldigung

Sauron schmiedet die Ringe der Macht - mit güldener Perücke

Nachdem Sauron ausgerechnet von den Orks und dessen Anführer hintergangen wurde, verwandeln sich dessen Überbleibsel in eine Art Marvel's Venom für Arme. Ernsthaft, Amazon? Ist euch da nichts Besseres eingefallen? Ich hätte es mir ja noch eingehen lassen, dass dieses Etwas schließlich einen Menschen namens Halbrand verschlingt und anschließend dessen Aussehen übernimmt. Doch weit gefehlt.

Stattdessen steht eine arglose Frau auf dem Speiseplan und plötzlich steht Sauron-Darsteller Charlie Vickers im Bild. Um dem Ganzen noch die (wie wir mittlerweile wissen) äußerst spitze Krone aufzusetzen, wird Sauron in seiner verführerischen Elbengestalt immer noch von ebenjenem Darsteller verkörpert, was einfach überhaupt keinen Sinn macht, da der Widersacher von Gandalf, Frodo und Galadriel ja problemlos seine Gestalt ändern könnte.

Ich bin ganz ehrlich: Mir ist das alles zu viel stümperhaftes Storytelling. Hier wird meiner Meinung nach krampfhaft versucht, dem Publikum den äußerst enttäuschenden Twist aus Staffel 1 im Nachhinein doch noch irgendwie schmackhaft zu machen. Zumindest empfinde ich es so und deshalb war die erste halbe Stunde der 2. Staffel von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht ein einziges Ärgernis für mich. Sorry, ich bin raus und freue mich stattdessen auf den neuen Kinofilm (hier ein erster Trailer) von Peter Jackson.

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