Blockchain, NFT und Kryptogaming erklärt: Alles, was ihr wissen müsst

Special Antonia Dreßler
Blockchain, NFT und Kryptogaming erklärt: Alles, was ihr wissen müsst
Quelle: Pixabay

Ghost Recon erhält NFTs. Stalker 2 sollte kurzzeitig NFTs bekommen. Steam verbietet Spiele mit NFTs. Der Xbox-Chef sagt, dass man Spieler mit NFTs abzocken will und EA hält sie für eine ganz tolle Idee. Was NFTs eigentlich sind, was sie mit Blockchain und Kryptowährung zu tun haben und wieso man als Gamer damit konfrontiert wird, erklären wir euch in unserem ausführlichen Special.

Hersteller von Videospielen reden laut Square-Enix-Chef vom NFT-Jahr, und unter diesem Stern soll es auch im Jahr 2022 weitergehen. Kryptowährungen und NFTs werden die Spielezukunft bestimmen, dezentrales Spielen soll eine große Sache werden und neue Arten von nutzergenerierten Inhalten für florierende Ingame-Wirtschaften sorgen.

Was NFTs eigentlich sind, wie Blockchain funktioniert und warum ich das als Gamer wissen muss, sagen wir euch in diesem Special. Zudem erläutern wir auch die Antworten auf wichtige Fragen: Warum sind Grafikkarten so teuer, wird es ein Metaverse geben, und kann ich dem NFT-Zug in Zukunft nicht einfach gar nicht mehr ausweichen?

Werfen wir zunächst einen Blick auf Ghost Recon: Breakpoint. Ubisoft verkündete stolz, dass es jetzt NFTs in dem Spiel gibt, in Form von Skins. Kosmetische Gegenstände sind nun aber wirklich nichts Neues, was hat das also mit NFTs zu tun?

NFT - Non-Fungible Token

Ubisofts NFTs für Ghost Recon Breakpoint kamen nicht so gut an, wie erhofft. Daran zeigt sich gut, wie spekulativ der Handel mit NFTs ist. Quelle: Ubisoft Quartz Ubisofts NFTs für Ghost Recon Breakpoint kamen nicht so gut an, wie erhofft. Daran zeigt sich gut, wie spekulativ der Handel mit NFTs ist. Non-Fungible Tokens sind virtuelle, nicht austauschbare Gegenstände. Dabei kann es sich um eine Waffe in einem Spiel handeln, ein Musikstück oder ein Bild. Im Gegensatz zu anderen Daten können diese nicht einfach so kopiert werden. Sie besitzen eine Lizenz und Metadaten, die sie als das Original ausweisen.

Daher sind NFTs auch immer in begrenzter Stückzahl vorhanden, da jedes manuell hergestellt werden muss. Sind die Skins also ausverkauft, gibt es nicht einfach so neue. Diese Begrenzung ist in Kombination mit der Nachfrage das, was ihm einen Wert verleiht. Ähnlich wie bei Gemälden in der echten Welt hat eben nur das Original einen Wert. Bei NFTs ist es aber bedeutend leichter festzustellen, wer das Original besitzt, da die Daten nicht gefälscht werden können.

NFTs sind so gesehen Sammlerstücke, und sämtliche Preisschwankungen rein spekulativ. Wollte jeder die Skins von Ubisoft haben, obwohl sie ausverkauft sind, könnten sie bedeutend teurer weiterverkauft werden. Doch obwohl NFTs oft für Unsummen über den Tisch gehen und sich ein inzwischen großer Markt an Kryptospielen entwickelt hat, konnte Ubisoft kaum einen der angebotenen NFTs verkaufen.

Ein Grund mehr also, um skeptisch zu sein und die großen Fragen aus Gamer-Sicht zu stellen: Ist das sicher? Was bedeutet das für die Umwelt? Kann mir das Thema nicht einfach egal sein? Wo sind die Grafikkarten? Und: Was ist das eigentlich?

Blockchain: Begriffserklärung

Wer das NFT besitzt, wird von vielen Leuten auf einmal kontrolliert, durch die sogenannte Blockchain. Jede digitale Währung besitzt eine eigene Blockchain, die auf verschiedenen technischen Systemen beruht. Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein Datennetz aus sehr vielen Computern. Jeder der sich hier beteiligt, überprüft bei jedem Verkauf mit, ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Es gibt also keine einzelne, eventuell fehlerhafte Zentrale, bei der geprüft und bestimmt wird, weswegen man hier von einem dezentralen System redet: dem großen Vorteil von Blockchain. Wer sich am System beteiligt, bekommt für jede Validierung einen Bruchteil an Kryptowährung, weswegen man hier auch vom "Mining" redet, also dem generieren von Kryptowährung durch Rechenleistung.

Da sehr viele Computer an das System angeschlossen sind, werden große Mengen an Strom verbraucht, was der Währung Bitcoin regelmäßig vorgeworfen wird.

Proof of Work: Der Stromfresser

Bitcoin beruht auf dem System Proof of Work. Hier bekommen alle Computer für jede angefragte Transaktion eine Rechenaufgabe. Der, der am schnellsten die Aufgabe lösen kann, gibt sie ins System, woraufhin alle anderen Rechner die Lösung überprüfen müssen. Der Rechner, der die Aufgabe gelöst hat, bekommt den Zuschlag, darf also die Transaktion an die Blockchain anhängen und sie verlängern.

Die Aufgabe existiert nur, damit das System nicht ausgetrickst werden kann. Wenn jemand eine falsche Transaktion einspeisen würde, müsste er dafür sorgen, den Zuschlag zu bekommen, was sich aufgrund der hohen geforderten Rechenleistung nicht lohnen würde. Als Maßstab sagt man, dass eine Bitcoin-Transaction so viel Strom verbraucht, wie eine durchschnittlicher Haushalt in 5-6 Wochen.

Proof of Stake: Umweltfreundliche Alternative

Bei Proof-of-Stake kommt es nicht mehr auf den schnellsten Rechner an, sondern darauf, wer am meisten von der Währung besitzt, die gerade gehandelt wird. Unter den Leuten mit den meisten Anteilen wird dann ausgelost, wer die Transaktionen validieren darf, und die Person bekommt daraufhin eine Belohnung in Form von Transaktionsgebühren.

Gesichert wird das System dadurch, dass fehlerhafte Validierungen abgestraft werden und man etwas von seiner Währung abgenommen bekommt, auch bei unabsichtlichen Fehlern. Da sich hier wesentlich weniger Leute beteiligen müssen, sind Kryptowährungen auf dieser Basis sehr effizient. Die Währung Tezos, die von Ubisoft genutzt wird, beruht auf Proof-of-Stake und verbraucht für einen Vorgang 25 Millionen Mal weniger Energie als Bitcoin.

Ethereum: Wo sind die Grafikkarten?

Die in Kryptospielen beliebteste Währung ist Ethereum. Sie basiert auf dem Proof-of-Work-Prinzip, ist aber noch bedeutend umweltfreundlicher als Bitcoin. Aktuell arbeitet man daran, dass ein Teil der Transaktionen über eine neue Blockchain laufen, die auf Proof of Stake basiert und bedeutend umweltfreundlicher sein soll.

Das Problem von Ethereum ist aber noch ein ganz anderes. Proof of Work bedarf nämlich einer starken Rechenleistung, um sich beteiligen, "minen" und Geld verdienen zu können. Für Bitcoins werden mittlerweile eigene Geräte gebaut, sogenannte ASIC: Application-Specific Integrated Circuits.

Zu Deutsch handelt es sich dabei um ein Bauteil, das für einen ganz bestimmten Vorgang bestimmt ist: In diesem Falle die Aufgabe der Bitcoin-Blockchain zu lösen. Diese Geräte gibt es für Ethereum zwar auch, die sind allerdings bedeutend weniger effizient.

Daher entscheiden sich viele für die Alternative: Grafikkarten. Diese haben nicht nur den Vorteil, jede Art von Kryptowährung "minen" zu können, sondern auch jenen, eine Grafikkarte zu sein, damit kann man sogar spielen. Das ist besonders für private Krypto-"Miner" interessant, sorgt mit dem aktuellen Aufstieg von Ethereum letztlich aber dafür, dass die Preise für hochwertige Grafikkarten in astronomische Höhen steigen und dort bleiben.

Kryptogaming: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Kryptogaming taucht immer wieder auf, ist aber irreführend, denn er suggeriert, dass man durchs Zocken des Spiels selbst Kryptowährung bekommen kann, was nicht der Fall ist. Man kann aber in bestimmten Titeln NFTs "erspielen" - zumeist nach vorheriger Investition -, und diese dann an andere Spieler verkaufen. Der Ertrag hängt von spekulativen Faktoren ab wie dem Kurs der Währung, Angebot und Nachfrage. Das System trägt den griffigen Namen Play 2 Earn.

Play 2 Earn: Axie Infinty

Quasi wie Pokémon nur mit NFTs und einem Haufen Geld, mit dem man sich einkaufen muss. Quelle: Axie Infinity Quasi wie Pokémon nur mit NFTs und einem Haufen Geld, mit dem man sich einkaufen muss. Ein Beispiel für so ein Spiel ist Axie Infinity, bei dem man mit Pokémon-esken Figuren gegeneinander kämpft, sie züchtet und schließlich verkauft. Bevor man das Spiel starten kann, muss man zuerst selbst Axies kaufen, die für einige hundert Dollar über den Tisch gehen. Zum Züchten - also das Geldverdienen - braucht man zudem Liebestränke, die man durch Kämpfe gewinnt und in regelmäßigen, dafür seltenen, Abständen vom Spiel geschenkt bekommt.

Da sich jedes Axie nur siebenmal paaren kann, muss man stets abwägen, wann man verkauft. Starke Axies mit guten Werten, die wenig zur Züchtung genutzt wurden, bringen mehr Geld ein.

Theoretisch kann sich eine Einzelperson damit ein zusätzliches Gehalt erwirtschaften, praktisch handelt es sich um ein spekulatives Geschäft. Die Preise sind von der realen Wirtschaft und der Spieleranzahl abhängig, sowie vom aktuellen Kurs der Kryptowährung Ethereum, welche selbst ständigen Schwankungen unterliegt. Wie das bei Kryptowährungen halt so ist.

Das Gameplay des Spiels tritt bei dieser Form von Play 2 Earn in den Hintergrund und muss nur funktional sein. Zu komplizierte oder ausgefeilte Spielmechaniken würden das Geldverdienen erschweren und dem Prinzip des Spiels im Weg stehen.

Darüber beschwert sich auch Max Nichols, Senior Technical Designer bei Bungie (ein entsprechender Tweet wurde zwischenzeitlich gelöscht). Die Motivation, ein Spiel zu spielen, weil es Spaß macht, würde überschattet von der Motivation, Geld zu verdienen. Alleine die Möglichkeit, dass man Geld verdienen kann, sorge dafür, dass der Spaß auf der Strecke bliebe.

Hier redet man von intrinsischer und extrinsischer Motivation. Intrinsische Motivation beschreibt, wenn man einen Titel um seiner selbst willen spielt, extrinsische Faktoren kommen hingegen von außen und werden für viele Spieler zum Hauptproblem, wenn es um Play 2 Earn geht. Der psychologische Effekt tritt schließlich auch ein, wenn man das gar nicht will.

Das Metaverse: Kann mir das nicht egal sein?

Es gibt bereits unzählige Play 2 Earn-Spiele, die dem normalen Gamer in der Regel egal sein können. Sie werden nur genutzt, um Geld zu verdienen, und nicht, weil sie so ein tolles Spielererlebnis bieten. Auf Marktplätzen wie Gala Games gehen horrende Summen über den Tisch für verschiedenste Handyspiele wie Town Star, wo Leute locker 6000 Euro für einen virtuellen Basketballplatz ausgeben. Wiederum handelt es sich um reine Spekulation mit begrenzten Gütern, der man einfach aus dem Weg gehen kann, oder?

So einfach bleibt das leider nicht, denn immer mehr große Entwickler scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, ein beziehungsweise das Metaverse zu erschaffen: einen Ort, an dem Videospiele und die reale Welt verschmelzen.

Die Idealvorstellung umfasst das Handeln von Ausrüstung über Spielegrenzen hinweg, sodass man etwa ein Schwert aus WoW auch in Final Fantasy tragen oder das Lieblings-Reittier immer an seiner Seite wissen kann. Das ist eine Utopie, die nur dann Sinn ergeben würde, wenn wir alle in allen Spielen leben, und wir niemals in einer PvP-Lobby landen, wo alle anderen Teilnehmer stärker sind als wir.

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