KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch

Special Antonia Dreßler
KI in Videospielen - Die Technikrevolution auf dem Vormarsch
Quelle: Pexels.com/Alena Darmel

KI ist vielleicht die größte Errungenschaft seit dem Buchdruck. Ob Microsoft, Ubisoft oder Indie-Studios, die Videospielbranche ist bereits voll dabei, wenn es um Künstliche Intelligenz geht. Wir klären auf, wo es die Technologie schon gibt

Sehr viel einfacher ist die Handhabung von Spielfiguren, die keinen echten Einfluss auf die Handlung haben und nur als Begleiter fungieren. Das macht die Skyrim-Mod Herika eindrucksvoll vor, in der wir einen für Bethesda-Verhältnisse ungewöhnlich intelligenten Sidekick zur Seite gestellt bekommen. Der reagiert auf unsere Taten individuell und wir können mit ihm ganze Gespräche führen wie mit den NPCs in Cygnus Enterprises.

Bei einem genauen Blick auf die Anleitung, die wir benötigen, um die Mod zu installieren, zeigt sich schnell, wie viel Gefummel und Kosten Entwickler uns ersparen, wenn von KI angetriebene NPCs von Haus aus Teil des Spiels sind. Zunächst muss man Herika nämlich mit einem KI-Server verbinden, der unsere Eingaben verarbeitet und Antworten ausspuckt.

Das können ChatGPT oder auch weniger bekannte Programme wie KoboldCPP sein, die teilweise kostenpflichtig sind. Diese Chatsysteme reden aber nicht, sondern funktionieren ausschließlich textbasiert. Das bedeutet, dass man für die Einbindung ins Spiel im Zweifel noch ein Programm für Text-to-Speech einbinden muss. Für die Kirsche auf der Torte kann man mit einem Speech-to-Text-Modul schließlich dafür sorgen, dass man als Spieler mit Herika auch selbst über Spracheingabe interagieren kann, statt ein Chatfenster bemühen zu müssen.

Bei einer entwicklerseitigen Einbindung von KI, die sämtliche NPC-Routinen ersetzt, ergeben sich außerdem zuvor ungeahnte Möglichkeiten: Was, wenn die NPCs sich untereinander unterhalten und dabei ganze Questreihen kreieren können? Lebenssimulationen würden plötzlich ganz andere Ausmaße annehmen und der Begriff Life-Service-Games würde eine ganz neue Bedeutung bekommen.

eine weibliche Figur steht in einer Taverne und reagiert auf die Spracheingabe eines Spielers Quelle: Nexusmod - Tylermaister Die Mod Herika erlaubt es eine KI in Skyrim einzubinden, mit der man als Spieler direkt kommunizieren kann.

You got a friend in KI

Während manche Spieler angesichts dieser Aussicht jubilieren, muss man stets auch die Kehrseite einer solchen Entwicklung betrachten. Und die besteht nicht ausschließlich aus den durch KI unabwendbaren Umwälzungen innerhalb der Spieleindustrie. KI in Spielen hat darüber hinaus eine Wirkung auf Spieler, die bisher nur wenig erforscht ist.

Das Phänomen der parasozialen Beziehung ist manchen sicherlich bekannt: Es handelt sich um eine einseitige Beziehung zu einer berühmten oder fiktiven Person, die nichts von der anderen Existenz weiß. Währenddessen hat der Fan selbst aber ein komplettes Bild der Figur vor sich und weiß vermeintlich über deren Tagesabläufe, Gedanken und Gefühle Bescheid.

Obwohl die Interaktion einseitig ist, erfüllen solche Beziehungen echte soziale Bedürfnisse. Das ist zum Beispiel der Grund, warum Sitcoms so beliebt sind und warum das Geschäft der Influencer funktioniert - man hat das Gefühl, die Personen zu kennen. Das ist keineswegs ein neues Phänomen: Bereits in den 1950er-Jahren stellten Forscher durch die Verbreitung des Fernsehens fest, dass die Zuschauer eine Bindung zu den Schauspielern und Talkshow-Stars aufbauten.

Als Mensch kann man sich nicht wirklich dagegen wehren, parasoziale Beziehungen aufzubauen. Wir funktionieren nun einmal so, dass wir stets versuchen, soziale Verbindungen herzustellen. Und das kann sich sogar positiv auswirken, wie amerikanische Forscher bereits 2008 in einer Studie festgestellt haben. Gerade Leute mit geringem Selbstwert profitieren von den einseitigen Beziehungen, weil sie ihre Gefühle darin ohne die Gefahr der Ablehnung ausleben können.

Verliebt in eine KI

Und genau hier kommen KIs ins Spiel, denn auch hier gibt es keinerlei Gefahr von Ablehnung oder negativem Feedback. Von reinen parasozialen Beziehungen kann man allerdings trotzdem nicht sprechen, denn im Gegensatz zu Stars, Influencern oder fiktiven Figuren aus Serien, Filmen und Videospielen antworten uns die Chatbots in direktem Gespräch und immer auf Knopfdruck - so oft und vor allem das, was wir wollen.

Frau in einer Hany-App zu sehen Quelle: Replika Replika wirbt damit, dass man eine echte soziale Verbindung mit ihrer KI eingehen kann Eine ganze Reihe von Artikeln berichten von Menschen, die sich in eine Künstliche Intelligenz verliebt haben - allen voran in den KI-Begleiter Replika, der wahlweise einen Freund bis hin zu einem festen Partner nachahmt. Den Nutzern ist zwar bewusst, dass sich auf der anderen Seite keine echte Person befindet, das ändert allerdings nichts an der Realität ihrer Gefühle.

Wer einmal verliebt war, weiß, dass das menschliche Hormonsystem in diesem Zustand nicht zugänglich für logische Argumentation ist und man sich gegen die Schmetterlinge im Bauch nicht wehren kann, die eine Nachricht des oder der Geliebten erzeugen.

Oft betrifft das zudem Menschen, die in irgendeiner Form keine soziale Erfüllung finden, weil ihr Alltag neben der Arbeit zu wenig Zeit erlaubt, sie Probleme in ihrer Beziehung haben oder aus anderen Gründen isoliert sind - wie etwa aufgrund einer weltweiten Pandemie. Das gesellschaftliche Tabu tut dann sein Übriges. Über Gefühle für einen Algorithmus kann man kaum offen reden, ohne sich schrägen Blicken auszusetzen - die Isolation geht weiter und ein gesunder Umgang mit der Thematik ist unwahrscheinlich.

Dabei sind sich Forscher nicht einmal sicher, wie negativ solche Arten von Beziehungen sind. Genau wie parasoziale Beziehungen können auch Bindungen zu einer KI dafür sorgen, dass man mehr Selbstbewusstsein aufbaut. Außerdem hilft die Interaktion gegen Einsamkeit, ein Zustand, der laut Experten genauso schädlich sein soll wie 15 Zigaretten am Tag.

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