L.A. Noire: The VR Case Files im Test - Gelungene Adaption mit einigen Makeln
Test 26,99 €
L.A. Noire: The VR Case Files im Test: Im Dezember vergangenen Jahres ist für Konsoleros bekanntlich ein Remaster des Original-Spiels aus dem Jahr 2011 erschienen. Fast parallel veröffentlichte Rockstar Games allerdings auch eine spezielle VR-Umsetzung des interaktiven Thrillers. HTC-Vive-Besitzer können sich seitdem also ebenfalls wieder ins düstere Los Angeles der 1940er Jahre stürzen. Wie den Entwicklern die VR-Variante gelungen ist, lest ihr in unserem Review.
So richtig will und will der VR-Zug nicht ins Rollen kommen - und das, obwohl sich bereits zahlreiche namhafte Entwicklerstudios an entsprechenden Projekten versucht haben. HTC-Vive-exklusiv versuchen sich nun auch Rockstar Games, die Mütter und Väter der GTA-Reihe, an der virtuellen Realität und setzen statt auf eine völlig neue Entwicklung auf Altbewährtes: Das Detektiv-Adventure mit Action-Anleihen L.A. Noire (jetzt kaufen 13,99 € / 26,99 € ) schickt uns in der als The VR Case Files bezeichneten Neuauflage wie anno 2011 ins Los Angeles der 1940er-Jahre. Wo PS4-, Xbox-One- und Switch-Besitzer sich in der fast zeitgleich erschienenen Neuauflage des Spiels aber durch das komplette Abenteuer samt DLCs rätseln und schießen dürfen, kommt The VR Case Files deutlich beschränkter daher.
Quelle: PCGames
Wer mehr Zeit im VR-L.A. verbringen will, kann sich auf verschiedene Collectibles freuen, die aber keinen spielerischen Nutzen haben.
Anstatt einer durchgehenden Handlung gibt's nur sieben vergleichsweise kontextlos zusammengestöpselte Fälle aus dem Hauptspiel zu lösen - laut den Machern jene, die besonders gut für VR geeignet sind. Der Umfang ist somit mit knapp drei bis vier Stunden relativ gering. Macht aber nix, solange das enthaltene Gameplay Spaß macht. Auf einer gewissen Ebene tut es das auf jeden Fall, denn in puncto Immersion kann sich der Titel durchaus sehen lassen. Tatorte und Wohnungen von Verdächtigen zu untersuchen, Zeugen bei Befragungen in die virtuellen Augen zu gucken (und sich über die nach wie vor toll umgesetzte Mimik zu freuen) oder auch einfach durch das frei erforschbare (aber auch komplett leere) Los Angeles zu flanieren, macht Laune. Schade nur, dass man durch häufige Third-Person-Zwischensequenzen und bekannte VR-Probleme wie das schwarze Nichts, sobald man aus Versehen durch ein eigentlich festes Objekt lugt, aus dem Moment gerissen wird. Zusätzlich fällt es schwer, sich zurückzuhalten und nicht allen NPCs in Gesprächen über den Kopf zu streicheln oder in der Nase zu pulen - das jedoch ist keinesfalls als Kritik am Spiel gedacht, sondern an uns an Spielern.
Quelle: PCGames
Die neuen Benennungen in den Befragungen sollen die richtige Antwort leichter zuordenbar machen, bewirken in der Praxis aber das Gegenteil.
Kontrollverlust
Atmosphäre passt also, das Spielprinzip selbst auch (trotz einiger Verschlimmbesserungen wie den neuen Bezeichnungen für Antwortmöglichkeiten in den Befragungen, die für mehr Verwirrung statt für mehr Klarheit sorgen) und die Auswahl der Fälle ist gelungen. Auch ein paar neue, aber auch reichlich sinnfreie Collectibles erfreuen das Spieler-Herz. Und trotzdem ist The VR Case Files nicht der Must-have-Titel für HTC Vive (beziehungsweise, ein wenig technisches Verständnis vorausgesetzt, auch für Oculus Rift), der er hätte sein können. Bezüglich der Steuerung hakt es nämlich gewaltig. Von den drei Steuerungsmöglichkeiten - wobei zwei uns durch die Gegend teleportieren und wir bei der dritten wie ein Depp die Arme vor- und zurückschwingen müssen - funktioniert trotz Room-Scale-Unterstützung keine richtig präzise.
Quelle: PCGames
Das Autofahren macht zu Beginn Spaß, erweist sich aber schnell als zu umständlich umgesetzt und die Bewegungssteuerung als zu unpräzise.
Auch das Untersuchen von Tatorten verkommt dank der ungünstig gelegenen Greif-Buttons auf den Vive-Controllern, gelegentlichen Erkennungs-Aussetzern und der etwas unberechenbaren Objekt-Physik zum Glücksspiel. Besonders unangenehm wird es beim Autofahren, das zwar durch die Möglichkeit, allerlei Details im Wagen wie den Wagenheber oder die Handbremse zu bedienen, ebenfalls sehr immersiv daherkommt, aber auch extrem unpräzise. Die Controllerhälften wie ein Lenkrad zu bewegen, funktioniert so gut, wie es sich anhört. Das sinnfreie, aber trotz allem unterhaltsame Erkunden von L.A. verkommt dadurch schnell zum Frustausflug - gut, dass man die Autofahrten zu Zielen auch einfach überspringen kann. Und so schön und realitätsnah Details wie das Betätigen der genannten Handbremse, das Drehen des Autoschlüssels oder bei Untersuchungen das Aus-der-Tasche-Ziehen unseres Notizbuchs auch sein mögen, sind es in Wahrheit bloß künstliche Zeitverzögerungen, die nach einer gewissen Zeit nur noch nerven.
Unschöne Vergangenheit
Quelle: PCGames
Objekte, mit denen wir interagieren können, werden gelb umrandet dargestellt, sobald wir sie angucken. Das funktioniert aber nicht zuverlässig genug.
Auch technisch wurde leider gepatzt, denn technisch sieht das Spiel deutlich schlechter aus als die ebenfalls nicht berauschende Neuauflage für Konsolen. Matschige Texturen treffen auf Pop-ins und Ruckler - und das bei ziemlich hohen Systemanforderungen. Hinzu kommen Bugs wie ein wichtiges Objekt, das wir hochhoben, das aber trotzdem nicht in unsere Beweisliste wanderte, sowie in der Gegend herumspringende Gegenstände und andere Unstimmigkeiten. All das ändert nichts daran, dass VR-Brillen-Besitzer dem Titel durchaus eine Chance geben sollten, denn wie so oft werden die meisten Makel durch das Mittendrin-Gefühl deutlich abgeschwächt. Trotzdem: Hier wäre noch mehr gegangen.
