Gamer-Lektüre mit Leseonkel Matthias - Zwei Life-is-Strange-Bücher, die unterschiedliche Gefühle in mir auslösen
Special
Auch als Gamer sollte man öfter mal ein Buch lesen. Daher berichtet euch Matthias in einem neuen Format von seinen Erlebnissen mit Videospiel-Büchern.
Willkommen zu meiner kleinen Ecke von PC Games, in der sich in Zukunft alles rund um Bücher und Comics drehen soll, die in den von uns geliebten Videospiel-Universen angesiedelt sind. Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, euch an meinem Interesse für Gaming-Bücher in Artikelform teilhaben zu lassen. Teilweise habe ich das ja in einigen Specials bereits gemacht, als ich euch zum Beispiel eine Übersicht zur Bücherwelt von Dragon Age oder Mass Effect geliefert habe.
Mit diesem neuen Format will ich euch nun aber in unregelmäßigen Abständen Bücher und Comics vorstellen, die es kürzlich auf meinen Nachttisch und ins Bücherregal geschafft haben. Ihr solltet dabei von mir allerdings keine ausgewachsenen Literaturkritiken erwarten. Vielmehr geht es mir dabei darum, auf persönlicher Ebene zu berichten, was ich kürzlich gelesen habe und wie mir die erzählte Geschichte im Kontext des Gesamtuniversums gefallen hat.
Life is Strange: Heatwaves
Quelle: Titan Books / Montage: PC Games
Beginnen möchte ich mit einem Roman und einem Comic zu Life is Strange, die mich passend zum Release von Life is Strange: Double Exposure die letzten Wochen begleitet haben. Allerdings geht es sowohl in Life is Strange: Heatwaves als auch in Life is Strange: Forget-Me-Not nicht um Max, sondern um Alex und Steph aus dem Vorgänger True Colors. Wie bei allen Büchern rund um Life is Strange handelt es sich dabei nicht zwingend um Canon-Geschichten, da es aufgrund der vielen Entscheidungen in den Spielen keinen einheitlichen Story-Verlauf gibt. Stattdessen greifen sie einen möglichen Handlungsstrang auf und ergründen einen möglichen Fortgang der Geschichte.
Life is Strange: Heatwaves wurde von Brittney Morris geschrieben, die bereits Erfahrung im Videospiel-Sektor gesammelt hat. Sie war Narrative Designer bei Subnautica: Below Zero und wird als Advanced Writer bei Spider-Man 2 und Wolverine von Insomniac Games geführt. Heatwaves setzt an eines der Enden von True Colors an, in dem Alex und Steph zusammen sind und gemeinsam aus Haven Springs aufbrechen, um ihrem Traum einer Musikkarriere hinterherzujagen. Dabei sind seit den Ereignissen des Spiels nur wenige Wochen vergangen.
Die beiden Frauen befinden sich auf dem Weg nach Fort Collins, Colorado, um dort ihren ersten Gig zu spielen und sich mit einem Musikproduzenten zu treffen. Irgendwo im Nirgendwo gibt jedoch ihr Auto den Geist auf und das Pärchen strandet in der kleinen Gemeinde Barbazal. Die von Landwirtschaft geprägte Stadt wird von Dürre und einer anhaltenden Hitzewelle heimgesucht. Anstatt schnelle Hilfe für ihre Panne zu erhalten, verspüren Steph und vor allem Alex mit ihren empathischen Kräften den Drang, stattdessen ihrerseits den verzweifelten Einwohnern zu helfen.
Strukturelle Probleme
Das ist nicht nur die Ausgangslage für die Handlung des Buches, sondern auch für die Probleme, die ich mit der Erzählung habe. Ich kann zwar den Drang nachvollziehen, zu helfen und Gutes zu tun, vor allem, da Alex und Steph herzensgute Menschen sind, aber irgendwie wirkt die Art und Weise sehr plump. Die Autorin legt einen sehr großen Fokus auf die Kräfte von Alex und lässt sie links und rechts in die Gefühlswelt von nahezu jeder Person eindringen, die sie trifft. Das wirkt mitunter schon sehr übergriffig auf mich.
So wird auch ein Bild von Alex gezeichnet, das mir nicht wirklich gefällt. Es entsteht der Eindruck, als habe sie aus den Ereignissen in Haven Springs absolut nichts gelernt. Besonders, wenn sie anfängt, die Gefühle von Leuten zu manipulieren, in der Hoffnung, deren Aktionen auf eine bestimmte Weise steuern zu können, was natürlich gewaltig nach hinten losgeht. Und das auch mehr als einmal. Alex und Steph sprechen im Buch sogar darüber, das die Manipulation von Charlotte während der Ereignisse von True Colors keine gute Idee gewesen ist, und trotzdem setzt sich Alex über diese Erkenntnis hinweg. So führt sie am Ende zwar eine Änderung der Zustände in der Stadt herbei, aber nicht, ohne unterwegs wesentlich mehr Unheil anzurichten und die Leben von Leuten aus ihren Bahnen zu werfen, weil sie meint, sich überall einmischen zu müssen.
