Limbo im Gamezone-Test

Test Michael Sosinka

... ist mit einfachen Mitteln und seinem unverwechselbaren Charme das vielleicht cleverste Spiel der letzten Jahre!

Limbo Quelle: playdead Limbo Man darf ruhig behaupten, dass Limbo eines der intelligentesten Spiele ist, das man in den letzten Jahren gesehen hat, was natürlich an den äußerst cleveren und abwechslungsreichen Rätseln liegt, mit denen man im Schnitt alle zwei Minuten konfrontiert wird. Die grauen Zellen sind im Dauereinsatz, gleichzeitig muss man festhalten, dass sie jedoch nie unfair werden. Denkt man über seine Situation nach, kommt man relativ schnell auf die Lösung und ist gleichzeitig vom Ideenreichtum eines Limbo fasziniert. Die Ideen, die in dem Spiel verbraten wurden, reichen anderen Entwicklern für mindestens 10 weitere Titel. Klar, es gibt auch Kistenrätsel, doch diese sind derart ungewohnt inszeniert, das man aus dem Staunen nur selten herauskommt.

Der richtige Weg

Limbo Quelle: playdead Limbo Dabei führt uns Limbo immer wieder an der Nase herum, da man oft den Eindruck bekommt, einem Rätsel auf die Spur gekommen zu sein, dann aber doch einen Schlag ins Gesicht bekommt und sich fragt, was da eigentlich gerade passiert ist. Schnell wird allerdings eins und eins zusammengezählt und es geht weiter. Der offensichtlichste Weg ist bei Limbo nie der richtige. Hilfreich bei den vielen Denkaufgaben ist eine funktionierende Physikengine, die einen sehr guten Dienst verrichten und die Objekte realistisch in Szene setzt. Auch wenn man sich mit Zahnrädern, Wasserständen oder engen Zeitlimits auseinander setzt, gibt es auch die für ein Jump & Rund typischen Geschicklichkeitspassagen, in denen man vor herunter rollenden Felsen flüchtet, über Bärenfallen springt und Kreissägen aus dem Weg geht. Und so harmlos Limbo auf Screenshots wirkt, die Gewaltdarstellung ist explizit, da der unbekannt Junge regelmäßig zerschnitten gequetscht und durch Elektrizität verschmort wird, inklusive Blut und Matschgeräusch. Wenn das kleine Kerlchen dann noch langsam ertrinkt und sich seine Augen schließt, merkt man schnell, dass Limbo nichts für Kinder ist.

Vorsicht: Spinne

Limbo Quelle: playdead Limbo Limbo ist außerdem ein exzellentes Beispiel für das Trial & Error-Prinzip, da die Fallen und Rätsel im ersten Anlauf eigentlich selten ohne das Ableben des Jungen zu bewältigen sind. Das Spiel zählt auf einen langsamen Lerneffekt, der ein "Aha"-Erlebnis nach dem anderen hervorruft. Obwohl man Tausend Tode stirbt, kommt kein Frust auf, weil das Speicherpunktsystem nach jeder absolvierten Aufgabe einsetzt. Dadurch muss man eine Stelle nie ein zweites Mal bewältigen. Limbo setzt seinen gelungenen Minimalismus auch bei Sound fort. Musikalisch wird absolut nichts geboten, nur die dezenten Hintergrundgeräusche des Waldes und anderer Gebiete sind zu hören. Zudem wurde auf Bildschirmanzeigen gänzlich verzichtet.

Limbo Quelle: playdead Limbo Im ersten drittel des Spiels werden wir über eine halbe Stunde lang immer wieder von einer riesigen Spinne verfolgt, die wir mit allerlei cleveren Aktionen häufig zurückschlagen, bis wir sogar noch ihren leblosen Körper für eine andere Aufgabe nutzen. Wenn sich so ein Spinnenvieh völlig lautlos und langsam aus der Dunkelheit auf uns zu bewegt und man panisch versucht zu entkommen, dann kann kein Resident Evil oder Silent Hill dieser Welt atmosphärisch mithalten. Auf der einen Seite ist man wegen dem Fehlen jeder Waffen völlig hilflos, auf der anderen Seite wird stets ein Ausweg gezeigt. Gepaart mit der Einsamkeit, denn im Grunde trifft man nur selten auf andere Bewohner dieser mysteriösen Welt, entsteht ein fast schon einschneidendes Spielerlebnis.

Und eine kleine Notiz am Rande: Gehirnschnecken sollten möglichst schnell entfernt werden, da sie dazu führen, dass man nur in eine Richtung laufen kann, was wiederum auch zu den wahnwitzigsten Aufgaben führt. Ansonsten will ich keine weiteren Beispiele geben, man sollte einfach selbst reinschauen. Mit seinen vier Stunden Spielzeit ist Limbo für den Preis ein wenig zu kurz geraten. Auch der Wiederspielwert tendiert eigentlich gegen Null, da man keinerlei Highscores oder ähnliches sammelt. Ambitionierte Spieler versuchen allerdings ein Achievement zu erringen, das voraussetzt, dass man weniger als fünf Mal stirbt. Im ersten Durchgang ist dies völlig ausgeschlossen.

Meinung

Wertung zu Limbo (X360)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
faszinierender Schwarz-Weiß-Grafik-Stildüstere und beklemmende Atmosphäreungewöhnlich minimalistische Präsentation (eigentlich keine Story)sehr emotional trotz fehlender Storysimple Steuerungabwechslungsreiche und durchdachte Rätsel (nie unfair)Physik-Engine wird oft in Aufgaben eingebundenschöne Animationenlearning by doing (das positive Trail & Error-Prinzip)bedrohliche und zugleich dezente Soundkulisseangenehm viele Checkpoints verhindern Frustkünstlerisch überaus wertvoll
mit ca vier Stunden schnell vorbeikostet immerhin 1200 Microsoft Punktegeringer Wiederspielwert
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