Lost Judgment im Test + Video: Ein würdiger Nachfolger für den Geheimtipp von 2019

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Lost Judgment im Test + Video: Ein würdiger Nachfolger für den Geheimtipp von 2019
Quelle: PC Games

Auf Judgment folgt Lost Judgment. Im Nachfolger des Action-Hits der Yakuza-Macher begeben wir uns erneut als Privatermittler auf die Suche nach Gerechtigkeit. Diesmal verschlägt es uns bei den Ermittlungen aber nicht in die japanische Unterwelt, sondern an eine High School. Warum Lost Judgment trotz des eher ungewöhnlichen Settings ein richtig packendes Abenteuer ist, erfahrt ihr in diesem Test plus Video.

Es ist noch gar nicht so lange her, da musste man als Fan der Spiele von Entwickler Ryu Ga Gotoku hoffen und bangen, ob sie überhaupt in Europa erscheinen. Bei den Games aus der Yakuza-Reihe dauerte es oft ewig, bis sie im japanischen O-Ton und nur mit englischen Untertiteln auch hier verfügbar waren. Doch es hat sich in den letzten Jahren einiges geändert, denn die oftmals kaum von einem größeren Publikum beachteten Titel fanden plötzlich mehr Anklang und Publisher Sega legte sich mehr ins Zeug, um die Europäer mit den Spielen abzuholen.

So erschien Judgment 2019 zwar ein halbes Jahr später als in Japan, das Detektiv-Abenteuer überzeugte aber nicht nur mit einer fesselnden Geschichte und spaßiger Action, sondern auch mit deutschen Untertiteln und einer hervorragenden englischen Sprachausgabe. Das wurde dann ebenso für Yakuza: Like a Dragon umgesetzt, dass sich anderweitig neu erfand und nun als Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen präsentierte.

Sowohl der neue Ansatz bei der Yakuza-Reihe als auch die neue IP Judgment kamen so gut an, dass sich Ryu Ga Gotoku dazu entschied, bei den folgenden Yakuza-Games weiter auf RPG zu setzen, während die Fortsetzungen von Judgment ein direktes Action-Kampfsystem haben sollen, wie es früher bei Yakuza der Fall war. Nun ist mit Lost Judgment (jetzt kaufen / 35,99 € ) eben auch der Nachfolger erschienen und der stellt für Entwickler RGG eine weitere Premiere dar: Zum ersten Mal in der Geschichte des Studios veröffentlichten sie ein Spiel weltweit zeitgleich.
Das spricht dafür, dass die Nachfrage nach den Games von Ryu Ga Gotoku auch außerhalb Japans gestiegen ist und die Spiele nicht mehr ganz so ein Nischendasein fristen. Umso interessanter ist da natürlich, ob Lost Judgment dann auch die nicht gerade geringen Erwartungen der Fan-Gemeinde erfüllen kann. Schließlich war der Vorgänger vor zwei Jahren ein absoluter Hit.

Mobbing, Mord und ein Rätsel

Die Mobbing-Thematik wird sehr gut umgesetzt. Lost Judgment kratzt nicht nur an der Oberfläche, sondern widmet sich dem Thema tiefgehend. Quelle: PC Games Die Mobbing-Thematik wird sehr gut umgesetzt. Lost Judgment kratzt nicht nur an der Oberfläche, sondern widmet sich dem Thema tiefgehend. Die Geschichte von Lost Judgment spielt wenige Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers und erzählt eine eigenständige Story. Man muss also nicht unbedingt Judgment gespielt haben, um Teil 2 folgen zu können, aber wir empfehlen es. Zwar gibt es in der Geschichte kaum Rückbezüge auf den Vorgänger, doch die vielen bekannten Figuren werden nicht neu vorgestellt. Wer mit Lost Judgment einsteigt, wird sich schnell fragen, warum Protagonist Yagami immer diesen Kaito bei sich hat, warum Sugiura mit Maske rumläuft oder wie genau der Detektiv mit der Anwaltskanzlei Genda verbandelt ist. Seid ihr an Lost Judgment interessiert, habt aber jetzt schon nur Bahnhof verstanden? Dann tut euch selbst den Gefallen und zockt erstmal das vorherige Abenteuer.

Ein weiterer Grund, nicht direkt mit Lost Judgment einzusteigen: Der Titel nimmt sich sehr viel Zeit, bis die eigentliche Geschichte wirklich startet. Wer noch nicht genau weiß, wie RGG-Spiele aufgebaut sind, könnte hier die Geduld verlieren. Vorgänger Judgment kam hingegen viel schneller zum Punkt.

Doch worum geht es überhaupt? Erneut übernehmen wir die Rolle des ehemaligen Anwalts Takayuki Yagami, der nun als Privatdetektiv arbeitet. Nach einem kurzen Intro, in dem uns Basics wie Beschattungen, Verfolgungen und das Kämpfen beigebracht werden, wartet auch schon ein neuer Fall auf unseren Protagonisten. Sugiura und Tsukomo haben nun eine eigene Detektei in Ijincho, Yokohama, gegründet und benötigen die Hilfe von Yagami und dessen Partner Kaito.

Die beiden verlassen also Kamurocho, um an einer High School in Ijincho mit ihren Freunden in einem Mobbing-Fall zu ermitteln. Nach einigen Prügeleien und reumütigen Teenagern wollen Yagami und Kaito eigentlich wieder zurück nach Kamurocho, doch sie erhalten einen Anruf von Saori aus der Kanzlei Genda. Die junge Anwältin berichtet von einem Polizisten, den sie verteidigte. Der Gesetzeshüter namens Ehara stand vor Gericht, weil er eine Frau in der U-Bahn angrapschte, bei der Urteilsverkündung berichtete Ehara jedoch plötzlich davon, dass vor drei Tagen in Ijincho eine Leiche gefunden wurde.

Er identifiziert diese korrekt als Hiro Mikoshiba und gibt an, dass das Mordopfer der Mann ist, der vor vier Jahren seinen Sohn in den Selbstmord getrieben habe. Ehara besitzt so viel Täterwissen, dass davon auszugehen ist, er habe den Mann umgebracht. Allerdings belästigte der Polizist zum Mordzeitpunkt die Frau in der U-Bahn. Wie soll er also zwei Verbrechen zur gleichen Zeit begangen haben?

Weitere pikante Details: Eharas Sohn ging damals zu eben jener Schule, an der Yagami gerade wegen Mobbings ermittelte, und Hiro Mikoshiba arbeitete bis zu seinem Verschwinden als Referendar an der High School. Als guter Detektiv glaubt Yagami hier natürlich nicht an Zufälle und nimmt sofort die Ermittlungen auf. Dabei gerät er in ein Netz aus Lügen und Intrigen, doch Schritt für Schritt kommt er immer weiter der Wahrheit auf die Spur.

Die Story von Lost Judgment kommt zunächst nur langsam in Fahrt, wird dann aber packend, hart und düster. Quelle: PC Games Die Story von Lost Judgment kommt zunächst nur langsam in Fahrt, wird dann aber packend, hart und düster. Wie auch schon der Vorgänger ist die Hauptgeschichte von Lost Judgment sehr düster und erwachsen. Daran ändern auch gelegentliche humorvolle Auflockerungen nichts. Es geht um Mobbing und Suizid. Um die Verzweiflung der Opfer und das Leid der Angehörigen. Um Vergeltung und die Frage nach Gerechtigkeit. Die Jagd nach dem Serienmörder im Vorgänger ist als Story etwas zugänglicher, doch auch die Geschichte von Lost Judgment ist richtig packend, sobald sie mal Fahrt aufnimmt. An manchen Stellen wirken die Zusammenhänge ein wenig konstruiert, doch dank der tollen Charaktere, des frischen Settings, der schwierigen Thematik und allerhand Wendungen und Überraschungen bleibt der Titel spannend bis zum Schluss.

Wir ziehen jedenfalls unseren Hut vor Ryu Ga Gotoku. Nicht nur dafür, sich überhaupt mit dem zu unterrepräsentierten Thema Mobbing beschäftigt zu haben, sondern vor allem, wie die Entwickler das ganze Drumherum auch gnadenlos aufzeigen. Wir bleiben hier absichtlich etwas vage, schließlich wollen wir nicht zu viel verraten, da Lost Judgment eben zu einem großen Teil von seiner Story lebt. Für die werdet ihr alleine etwa 20 Stunden benötigen. Vielleicht ein bisschen länger. Wer jedoch auch die Nebenfälle löst und sich mit den zahlreichen Nebenaktivitäten beschäftigt, kann da nochmal 30 Stunden draufpacken.
Der Detektiv-Thriller ist teilweise genial inszeniert. Quelle: PC Games Der Detektiv-Thriller ist teilweise genial inszeniert.

Zwischen Schulbank und Motorradclub

Typisch für Spiele von Ryu Ga Gotoku, ist der Ton der Nebenmissionen und Minispiele ein ganz anderer als jener der Hauptstory. Während die Geschichte düster und ernst ist, wird einem abseits davon grandioser Quatsch geboten. In den Nebenfällen begegnen wir durchgeknallten Schlägern, suchen ein UFO für jemanden, der denkt, sein Vater sei von Aliens entführt worden, stellen einen Höschen-Dieb oder jagen ein Anatomiemodell. Wer ein Herz für Albernheiten hat, wird den Humor hier lieben. Allerdings müssen wir auch sagen, dass die Nebenfälle diesmal nicht ganz so denkwürdig sind wie im Vorgänger. Judgment bot hier mehr verrückte Geschichtchen.

Außerdem ist es ein bisschen nervig, dass man viele der Nebenfälle nur erhält, wenn man die In-Game-App Chatter auf Yagamis Handy mit den richtigen Schlagworten füttert. Die Schlagworte erfährt man entweder im Verlaufe der Story, oder man muss an bestimmten Plätzen Leute dafür belauschen. Ein einfacher Missionsmarker für einen Nebenfall hätte es unserer Meinung nach auch getan. Abseits davon gibt es natürlich wieder die üblichen Beschäftigungen wie Baseball, Drohnenrennen, Darts oder sich-so-richtig-die-Hucke-voll-saufen. Soweit, so bekannt.

Als Betreuer des Tanz-Clubs studiert Yagami in Rhythmusspielen mit den Schülerinnen Choreografien ein. Quelle: PC Games Als Betreuer des Tanz-Clubs studiert Yagami in Rhythmusspielen mit den Schülerinnen Choreografien ein. Allerdings gibt es nun mit den sogenannten Schulgeschichten auch eine große Neuerung. Im Laufe der Ermittlungen trifft Yagami nämlich auf die Schülerin Amasawa, die unseren Detektiv zunächst für einen Perversen hält. Nun ja, das klärt sich jedoch auf und wir erfahren, dass Amasawa den Krimi-Club der Schule leitet und selbst in einem Fall ermittelt. Angeblich kontaktieren verschiedene Schüler im Darknet einen ominösen Professor, der dann Probleme für sie aus der Welt schafft. Um das Vertrauen der Schüler zu gewinnen, ermittelt Yagami dann fortan als Betreuer in verschiedenen Schul-Clubs.

Unter anderem geht es in den Tanz-, den Robotik- oder den E-Sports-Club. Abseits des Campus schleust man sich zudem in eine Skate-Gang ein, nimmt an illegalen Motorradrennen teil oder kämpft im Box-Gym. Das ganze basiert auf eingängigen Minispielen, bei denen man einen gewissen Fortschritt erreichen muss, um neue Clubs freizuschalten und im Fall des Professors weiterzukommen. Einige Clubs sind dabei simpler als andere.

Das Skaten in der Halle ist nett, aber auch sehr simpel. Die Rennen machen dafür richtig Laune. Quelle: PC Games Das Skaten in der Halle ist nett, aber auch sehr simpel. Die Rennen machen dafür richtig Laune. Im Tanzclub bestehen wir beispielsweise nur typische Rhythmusspielchen und beim E-Sports zocken wir Virtua Fighter 5. Im Robotik-Club hingegen müssen wir Upgrades für unsere Roboter entwickeln, um in den Wettbewerben eine Chance zu haben. Beim Boxen kaufen wir uns neue Skills und für die Todesrennen in der Motorrad-Gang dürfen wir unser Moped ordentlich aufrüsten. Man kann einfach unfassbar viel Zeit in den verschiedenen Clubs verbringen. Wir ertappten uns immer wieder dabei, dass wir die Story mehrere Stunden links liegenließen, weil wir zu beschäftigt damit waren, unseren Roboter mit neuen Waffen auszustatten oder lokaler Skate-Champion zu werden.

Apropos Skaten, die Rollbrettfahrerei bietet sogar zwei Minispiele. Entweder skatet man in einer kleinen Halle und versucht, so viele Punkte wie möglich innerhalb eines Zeitlimits zu machen, oder man wählt die Skate-Rennen. Hier tritt man in einer Art Mario-Kart gegen andere Skater in verschiedenen Hindernis-Parcours an. Es gibt sogar Items, die man gegen die Kontrahenten einsetzen darf. Das ist natürlich bei Weitem nicht so ausgereift wie beim rasenden Nintendo-Klempner, aber durchaus richtig spaßig.

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