Seit vergangenen Dienstag steht im virtuellen Store von Sony der Arcade-Shooter Luftrausers als Doppelpaket für Playstation 3 und PS Vita bereit. Wir haben uns ins Cockpit der Propellermaschine von Vlambeer's Ballermann gesetzt und den Download-Titel auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis erfahrt Ihr im Test.
Raid over Moscow, Blue Max und vor allem Wings of Fury, all dies waren Spiele für den guten alten Commodore 64, die meinen Geschmack für Videospiele entscheidend mitbestimmt haben. Ballern auf alles was sich bewegt, auf den gigantischen Button des Quickjoys hämmern oder dessen Steuerknüppel malträtieren bis die kleinen Federn im Inneren des Joysticks rissen. Tja, damals interessierten 8bit Pixelgrafik und ein immer wiederkehrender Spielablauf nur sekundär, solange Gameplay und Kreativität stimmten. Umso erstaunter war ich, als ich das erste Mal etwas vom aktuellen Spiel namens Luftrausers vernahm, dessen Aufmachung sehr stark an ein Spiel aus den 80er Jahren erinnert. Luftrauser (ohne "s" am Ende) wurde ursprünglich als Free2Play-Titel produziert, was die minimalistische Grafik und den monotonen Spielablauf vielleicht erklärt, und erhielt mit Luftrausers nun eine Art Modifikation, in dem das Gameplay um einige nicht unwesentliche Punkte aufpoliert wurde, doch ins Detail...
Quelle: Vlambeer
Luftrausers im Test (1)
Wie zu guten alten C64-Zeiten öffnet sich nach kurzen Titel-Screen sofort das Start-Menü bei dem ein Kampfflugzeug startbereit auf einem Flugzeugträger zu sehen ist. Auf Story oder ähnlichen Kitsch wird man somit komplett verzichten. Lediglich ein paar kleine, mehr oder weniger lustige Cut-Szenen beinhaltet das Spiel, welche man sich allerdings erst erspielen muss. Nachdem man Platz in seinem Jäger genommen hat, macht ein kurzes Tutorial mit der äußerst simplen, aber dennoch nicht einfach zu handhabenden Steuerung vertraut, bei der man bis auf den linken Stick, welcher für die Richtungsbestimmung und die Beschleunigung zuständig ist, und eine der vier Aktionstasten, welche das Abfeuern der Waffe bedient, nichts weiter benötigt. Das Ganze geschieht optisch aus einer klassischen 2D Ansicht, bei der man, ähnlich wie bei Wings of Fury, selber bestimmt in welche Richtung man scrollt. Das Ziel in diesem One-Level-Game ist es nun, so lange wie möglich zu überleben und dabei so viel wie möglich an feindlichen Kampffliegern, Kanonenbooten bis hin zu gigantischen Schlachtschiffen zu zerstören. Die Anzahl der Gegner sowie deren Beschuss ist teilweise gigantisch, der Schwierigkeitsgrad deswegen alles andere als leicht, die Anzahl an unterschiedlichen Gegnern kann man hingegen fast an einer Hand abzählen.
Quelle: Vlambeer
Luftrausers im Test (4)
Der Dauerbeschuss und das ständige Ausweichen mittels Loopings oder dem Herabstürzen vom Himmel bis zum Meer um dann den Vogel wieder nach oben zu ziehen, machen genauso viel Laune, wie der Frontalangriff im Sturzflug, den man mit gewissen Ausrüstungen sogar ohne eigenen Schaden zu nehmen, ausführen kann. Und genau an dieser Stelle hebt sich der auf den ersten Blick simple Arcade-Shooter von vielen anderen seiner Zunft ab. Der Jäger besteht aus drei verschiedenen Bauteilen, dem Rumpf, dem Motor und einer primären Waffe. Durch ein Rank up-System a la Call of Duty, schaltet man nach für nach immer mehr Einzelteile für die drei Baugruppen frei, die wir dann individuell zusammenstellen können. Ein Motor mit besonders hoher Schubkraft, ein Rumpf mit dem man seine Gegner durchbohren kann, oder anstatt des üblichen Maschinengewehr einen Laser-Aufsatz? Kein Problem. Selbst eine Atombombe kann man beim eigenen Absturz zünden, welche den Punktestand nochmals ordentlich nach oben schnallen lässt. Ich persönlich favorisiere die Variante mit einem Hovercraft Motor, der das ständige Beschleunigen nicht nötig macht, einen Rumpf mit Bomben bestückt, so wie früher bei Wings of Fury, und Zielsuchenden Raketen. Doch lohnt es sich in jedem Falle alle Einzelzeile einmal auszuprobieren, da jedes Bauteil mit anderen Herausforderungen auf den Spieler wartet, die man hier als Missionen bezeichnet.
Moderne Elemente in einem Spieleklassiker
Quelle: Vlambeer
Luftrausers im Test (3)
Wie jeder "moderne" Shooter, verfügt auch Luftrausers über Auto-Healing. Wird man getroffen, fängt das Heck Feuer und ein großer Kreis bildet sich um unser Flugobjekt, der mit jedem weiteren Treffer kleiner wird und zum Schluss den Flieger explodieren lässt. Um dieses zu verhindern, sollte man sich keine weiteren Treffer erlauben, und das Auto-Healing aktivieren, in dem man einfach den Fire-Button loslässt. Genau hier entsteht ein Konflikt, denn das Einstellen der Primärwaffe führt natürlich auch zu keinem weiteren Abschuss. Das wiederum lässt den Multiplikator fallen, einem entscheidenden Element bei der Punktejagd. Dieser Reiz, wann sollte man schießen und wann kurz die Waffe ruhen lassen, gepaart mit gewaltigen Explosionen der Gegner sowie dem daraus entstehenden Chaos herum, lässt einen teilweise in einen kleinen Rausch fallen, wenn man einen guten Lauf hat. Einen Rausch, wie ich ihn persönlich zuletzt in einem Super Stardust HD hatte. Hat man allerdings den höchsten Rang erreicht und fast alle Herausforderungen gemeistert, was geübte Spieler in etwa fünf bis sechs Stunden Spielzeit schaffen könnten, gibt es lediglich noch den Ansporn seinen eigenen Highscore zu knacken und diesen mit Highscore-Jägern aus aller Welt zu vergleichen.
Bei der Präsentation bietet"Luftrausers" eine 8bit Nostalgie-Optik im 4:3 Bildformat, die mit gefühlten vier Farbtönen gestaltet wurde. Die Farben der Spieloberfläche lassen sich dabei nach erfolgreichem Freischalten selbst bestimmen, sodass man unter anderen im Nostalgie-Saphir, im Doku-Schwarz-Weiß oder im grellen Neonpink, in Anlehnung an die 80er, an den Start gehen darf. Die Grafik fällt allerdings nicht nur durch den antiquierten Look auf, sondern auch durch Framerate-Einbrüche, die speziell bei extremen Explosionen am Fließband sichtbar werden und das Spiel teilweise gehörig stocken lassen. Der dynamische Soundtrack gefällt hingegen durch militärische Marschmusik und die brachialen Soundeffekte sorgen für ein ähnliches Flair wie damals bei Wings of Fury. Bei der gesamten Vertonung berücksichtigten die Macher von Vlambeer natürlich ebenfalls den Nostalgie-Faktor.
