Der größte Konkurrent von World of Warcraft möchte innerhalb von fünf Jahren zur Top-MMO-Marke werden.
Über die Jahre hinweg gab es immer mal wieder dedizierte "WoW-Killer". Wie wir mittlerweile wissen, hat das natürlich kein einziges MMO wirklich geschafft, und die meisten, die sich mit Blizzard angelegt haben, wurden wenige Jahre nach Veröffentlichung schon wieder eingestellt.
Wenn also kein brandneues Spiel dieser Aufgabe gewachsen ist, dann vielleicht ein MMO, das wir ohnehin schon seit mehreren Jahrzehnten spielen.
Ein 25 Jahre altes MMO will jetzt WoW besiegen - und könnte damit sogar Erfolg haben
Jagex, die Macher von RuneScape, behaupten nämlich, dass sie momentan das zweitgrößte MMO auf dem Markt sind - und in einem neuen Interview mit The Game Business erklärte CEO Jon Bellamy, dass sie World of Warcraft in den nächsten fünf Jahren sogar überholen möchten.
"Unser Traum ist es, nicht die zweitgrößte MMO-Marke der Welt zu sein, sondern die Nummer eins. Zwischen uns und der Nummer eins klafft zwar noch eine große Lücke, aber wenn wir alles richtig machen, wissen wir, dass wir die schließen können."
"Das ist ziemlich ehrgeizig, aber wenn man sich schon ehrgeizige Ziele setzt, wieso sollte man dann nicht gleich nach ganz oben streben? Das ist also unser wichtigstes Ziel."
RuneScape feiert dieses Jahr seinen 25. Geburtstag. Ob es sich bei dem Spiel tatsächlich um die zweitgrößte MMO-Marke handelt, sei zwar dahingestellt, eine gewisse Beliebtheit kann man dem Spiel jedoch nicht absprechen.
Nicht umsonst gibt es in der RuneScape-Community etwa den Scherz, dass man nie wirklich mit dem MMO aufhört, man legt einfach nur kleinere oder größere Pausen ein. Unter anderem ist RuneScape auch heutzutage noch so beliebt, da die Entwickler wirklich auf das Feedback der Spieler hören.
Am klarsten wird das etwa durch Old School RuneScape. Vielen Spielern gefiel die Richtung nicht, in die sich RuneScape über die Jahre entwickelte, weswegen die Entwickler kurzerhand die Version aus dem Jahre 2007 zurückbrachten - ähnlich wie Blizzard das später mit WoW: Classic machte.
Die Welt von Old School RuneScape
Im Gegensatz zu Blizzard, die auch nach Jahren der Fan-Wünsche noch kein Classic-Plus veröffentlichten, entwickelt Jagex jedoch aktiv an Old School RuneScape weiter. So erhielt das Spiel mit Sailing etwa vor einigen Monaten seinen ersten neuen Skill und auch ein vierter Raid steht in den Startlöchern.
Bellamy erklärte hier ebenfalls, dass die durchschnittliche tägliche Spielzeit bei Old School RuneScape bei knapp unter fünf Stunden liegt.
"Frag mich, was ich hinter den Kulissen mache, während ich meine Arbeit erledige: Ich bin bei Old School RuneScape eingeloggt und fische gerade. Das gilt für viele Menschen. Es gibt irgendwo da draußen Millionen von Menschen, die auf einem Bildschirm Excel und auf dem anderen Old School RuneScape geöffnet haben. Ich denke, man muss für diese Realität designen, und genau das machen wir."
Auf der Seite von RuneScape 3 hingegen hat Jagex etwa das kontroverse Treasure-Hunter-System entfernt. Dabei handelte es sich um Mikrotransaktionen, mit denen Spieler ihr gewonnenes Gold und ihre Erfahrungspunkte erhöhen konnten. Jagex hat hierdurch zwar sicherlich eine ganze Menge Geld verdient, das System war jedoch ziemlich unbeliebt bei Spielern.
Die Welt von RuneScape
So erklärte Bellamy selbst, dass die Einnahmen von RuneScape dadurch recht weit zurückgegangen sind. Das hatten die Entwickler aber natürlich bereits eingeplant, und nach der Änderung hat sich die Zahl der Spieler zum ersten Mal seit vier Jahren stabilisiert, statt ständig zu sinken.
Damit haben die Entwickler quasi das Grundgerüst aufgestellt, um RuneScape wieder zum Wachstum zu verhelfen. Als Nächstes machen sie sich also daran, die Spieler zurückzuholen:
"Die Weichen für Wachstum zu stellen, ist nicht dasselbe wie zu erwarten, dass Wachstum allein dadurch entsteht, dass man die Weichen stellt. Man muss etwas auf den Tisch legen, um die Leute anzulocken. Wir haben die Weichen gestellt und das letzte Jahr damit verbracht, nicht nur die Monetarisierungsebene zu entfernen, sondern auch einen Großteil der nervigen Dinge und Systeme im Spiel zu beseitigen.
Der Leiter unseres RuneScape-Studios ist seit 13 Jahren bei uns. Er spielt RuneScape schon seit 20 Jahren. Derjenige, der die Entscheidungen trifft, wie wir das Spiel wieder zum Leben erwecken, war selbst Spieler in seiner Blütezeit. Er hat großartige Arbeit geleistet, um das Spiel wieder auf eine gesunde Basis zu bringen. Also weniger tägliche Aufgaben, weniger FOMO, weniger Unsinn."
Was die Entwickler genau als Nächstes vorhaben, soll schon am 3. Oktober dieses Jahres während des RuneFest verkündet werden. Hier möchte Jagex nämlich ihre Pläne enthüllen, um die ganzen verloren gegangenen Spieler zurückzuholen.
Das dritte Standbein, mit dem RuneScape als MMO-Marke sogar World of Warcraft überholen möchte, ist übrigens RuneScape: Dragonwilds. Das Survival-Game soll noch diesen September aus dem Early Access veröffentlicht werden und mit allen drei Titeln zusammen möchte Jagex dann ein "Publikum von mehreren Millionen Spielern" erreichen.
Die Welt von RuneScape: Dragonwilds
Es ist natürlich möglich, dass sich diese drei Spiele quasi gegenseitig auffressen, da man seine Spielerschaft auf drei Titel aufteilt. Bellamy selbst sieht das Ganze jedoch recht gelassen. Der CEO sieht kein Problem daran, wenn sich das "Erdbeereis besser verkauft als das Schokoladeneis", da die Firma einfach nur "Eis verkaufen will".
Jagex setzt derzeit also alles daran, RuneScape so spielerfreundlich wie möglich zu machen und verschiedenen Spielertypen genau die Erfahrung zu bieten, die sie suchen. Mit dieser Strategie will die Firma dann innerhalb der nächsten fünf Jahre die beliebteste MMO-Marke der Welt werden - und da World of Warcraft derzeit etwa durch die recht schnelle Patch-Kadenz ein wenig strauchelt, könnte Jagex hier tatsächlich mehr Chancen haben, als man im ersten Moment denken würde.
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