Ein durchaus gelungenes RPG mit nicht zu hohem Anspruch welches sich besonders für Neueinsteiger ins Genre eignet.
Das schöne Land, es liegt so brach
Magna Carta 2
So ausladend die Mädels auf dem Cover zum Spiel erscheinen, so ernüchtern sind die vorhandenen Tatsachen, wenn ihr die Umgebungen von Abazet, dem Coyoten Cannon oder den Dunan-Hügeln zu Gesicht bekommt. An Details wurde sichtlich gespart, wenngleich die jeweils dazu gehörigen Ortschaften wie beispielsweise Abazet, das ihr sehr häufig zu Gesicht bekommt, durchaus zu gefallen weiß. Hier finden sich hübsche, saubere Texturen, gradlinige, schöne Aufbauten und durchaus abwechslungsreiche Ansammlungen von Gebäuden, Menschen und Details, welcher der Stadt ein lebendiges Äußeres verpassen. Das ist leider nur nicht überall der Fall. Im freien Feld, und dabei spielt es keine große Rolle wo genau ihr seid, hält sich die Vielfältigkeit in Grenzen. Zudem verschwinden die klaren Konturen, welche noch in der Stadt zu überzeugen wissen. Etwas verschwommen, verwischt, ja sogar unklar und mit wenig Weitsicht versehen wirken Feld, Wald, Wiese und Flur als auch der Untersseeische Tunnel wenig einladend. Außerdem vermisst man recht schnell auflockernde Details, welche der Umgebung sicherlich gut getan hätten. Gräser, Bäume, Sträucher und andere Gewächse halten nicht viel davon sich groß zu bewegen. Bisweilen stellen sie sogar unüberwindbare Hindernisse dar, so dass eure Figur einen großen, großen Bogen darum machen muss. Durch anderes Grünzeug wiederum könnt ihr einfach so durch spazieren. Veteranen der Videospielgeschichte bekommen gleichfalls noch einen alten Nintendo-Effekt gratis mit geliefert: wunderschöne Nebeleffekte, die euch daran hintern weiter entfernt gelegene Objekte zu erkennen. Gern genommen sind auch die immer wieder vorkommenden Pop Ups, da sich die Landschaften wie aus dem Nichts bzw. aus dem Nebel materialisieren und zeigen, was haben (oder auch nicht haben). Blässliche Farben, wenig Abwechslung und das immer wieder Betreten von gleichen Arealen zu unterschiedlichen Zeiten, führen den eigentlich in RPGs typischen optischen Genuss ad absurdum. Das ist verdammt schade, beweisen die Ansätze doch, dass "Magna Carta 2" verdammt viel Potential in Sachen "good looking" total verschleudert hat.
Vorwärts, ich weiß wo's lang geht
Magna Carta 2
Der Fairness halber sollte angemerkt sein, dass es dann und wann ein paar kleine Abschnitte gibt, die zumindest aufgrund von Flair sowie kleinen Raffinessen in Form von Effekten dem Auge ein klitzekleines bisschen Versöhnung bieten. In Kombination mit der in diesem Fall dann durchaus stimmigen Musik gefällt das Blausumpf-Land recht gut und die vielen sozusagen farbigen Flitter-Teile im Untergrund des geheimen Tunnels versprühen einen gewissen Zauber. Leider macht ein Plastik artig wirkendes Wasser - schöne Grüße erneut an die "Augsburger Puppenkiste" - den Anflug von Schönheit wieder zu Nichte. Blaue Kunststoffflächen, die sich zudem ein wenig bewegen machen eben noch lange keine gekonnte Wasseröberfläche aus - ganz sicher ein Bereich, bei dem die Xbox 360 nebst passender Entwicklercrew mehrfach bewiesen hat, dass für mehr als nur gutes Aussehen reicht.
Magna Carta 2
Entdeckernaturen, welche sich damit arrangiert haben das die Umwelt eben nicht immer nur eitel Sonnenschein bietet, werden auch ihre Erwartungen in Sachen Erkundungen herunterschrauben müssen. So groß und weitflächig die Areale bisweilen erscheinen, so begrenzt sind die Möglichkeiten. Einfach mal so ausbrechen, die Quests eben Quests sein lassen, die Landschaft erkunden und ggf. Geheimnisse finden? Aber nein, nicht doch - wo denkt ihr hin. Unsichtbare Levelgrenzen und strikt vorgegebene Routen ersticken jeden Drang eine unberührte Stelle zu finden im Keim. Auch mal fix einfach an einen anderen Ort zurück gehen, weil man vielleicht festgestellt hat, das man etwas vergessen hat. Nichts gibt es! Seid euch im Klaren darüber, dass euer Weg zur Rettung des Landes konsequent linear vorgegeben ist und keine Abweichungen duldet. Seid gewahr, dass ihr, so bald ihr in einen Bereich kommt, diesen zu 100% erledigt, vor allem auch was die Quests anbelangt. Verlasst ihr das Areal - auch mit dem Wissen, dass ihr vielleicht später noch einmal zurück kommt - gibt es dennoch keinen Weg mehr jetzt angefangenes hinterher zu beenden. Ein entsprechender Hinweis erinnert euch daran, wenn ihr das Gebiet verlasst und empfiehlt euch, begonnene bzw. angenommene Quests ggf. doch noch zu erledigen, bevor sie als verloren gewertet werden.
