Märchenfilme sind nie wirklich ausgestorben, gefühlt aber hat ihre Zahl in den letzten Jahren wieder zugenommen, auch wenn es sich oft nicht um originalgetreue Verfilmungen, als viel mehr um Neuinterpretationen handelt. Das geht manchmal auch ganz gut, mitunter aber auch voll in die Hose, wie bei Snow White and the Huntsman zum Beispiel. Umso schöner zu sehen, dass Maleficent definitiv zu der gelungeneren Sorte gehört und besonders Angelina Jolie hier eine Rolle fand, die ihr wie auf den Leib geschneidert ist.
Maleficent verzaubert den Zuschauer vom ersten Augenblick an, nimmt ihn in eine Märchenwelt mit, weitab von allen Alltagssorgen und Bedürfnissen. Wir erleben Maleficents Kindheit, als sie noch unbeschwert und glücklich war, und unweigerlich wünscht man sich auch so ein Leben führen zu können. Doch wie es in Märchen nun mal ist, alles Glück hat ein Ende und auch Maleficent muss erfahren, wie niederträchtig Menschen sein können. Dies ist der Augenblick an dem Angelina Jolie so richtig zur Höchstform aufläuft. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass der Augenblick ihres größten Leidens ruhig etwas ausführlicher dargestellt worden wäre, denn nur zu gut kann man ihre Traurigkeit und ihren Hass nachempfinden, doch hat sie zum Glück im Laufe des Films noch genug Gelegenheit ihr schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen und uns auf ihre Seite zu ziehen.
Quelle: Disney
Maleficent (7)
Denn die Facette an Gefühlen mit denen uns Jolie als Maleficent in dieser Neuinterpretation von Dornröschen konfrontiert, ist wahrlich breit. Sie ist böse, wütend und hinterhältig, nicht selten aber auch melancholisch, sarkastisch und manchmal sogar witzig, ohne aber je von ihrer Glaubwürdigkeit zu verlieren oder gar ins Lächerliche abzugleiten. Vielleicht gab es davor noch nie einen Film, ihn dem sie die ganze Bandbreite ihres Charakters so gut darstellen konnte, wie hier. Die Rolle der Maleficent scheint ihr wie auf den Leib geschneidert und sie füllt diese nicht nur mit Leben, sie trägt damit den ganzen Film.
Quelle: Disney
Maleficent (5)
Kommt dann auch noch die zuckersüße Elle Fanning als Aurora ins Spiel, das verfluchte Mädchen, welches von seinem Schicksal noch nichts weiß, kann man die Herzen im Kinosaal reihenweise schmelzen hören. Sie gibt wirklich alles, um die Gunst von Maleficent zu erringen ebenso, wie die der Zuschauer. Trotzdem wirkt sie neben Jolie manchmal fast ein wenig blass, so übermächtig ist das Schauspiel der dunklen Fee. Doch das soll ihre Leistung nicht schmälern, wer mit der Liebe im Herzen die Welt zu verändern sucht, bedient sich nun mal eher leiserer Töne, und das beherrscht Fanning schon von jeher wie kaum eine Zweite.
Den dritten starken Charakter in der Geschichte spielt Sharlto Copley als König Stefan. Seiner Wandlung vom liebenden Vater hin zum rachsüchtigen König haben wir es zu verdanken, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse zu verschwimmen beginnen. Nicht nur einmal fragt man sich, wer hier wirklich der Gute und die Böse ist und ob man das einfach so klar voneinander trennen kann. Was generell eine Stärke des Films ist, der sich zwar visuell viel des Lichts und der Schatten bedient, zwischenmenschlich aber eher die Grautöne bevorzugt, von Aurora abgesehen, die einfach das absolut Reine darstellt.
Unbedingt erwähnt werden sollten auch die drei kleinen Feen, welche sich um Aurora im Kindesalter kümmern. Sie sind es, die etwas Leichtigkeit und Slapstick in die Story einbringen, die ansonsten an mancher Stelle durchaus düster und ernst daherkommt. Wie die drei Stooges können sie sich irgendwie gegenseitig nicht so richtig leiden, kommen aber auch nicht ohne einander aus. Wenn dann auch noch Maleficent ihre Streiche mit ihnen spielt, steht der nächste Lacher unmittelbar bevor.
