Mario Kart mal anders: Redakteur Lukas hat sich in Japan an VR- und Arcade-Kartrunden probiert!
Special
Mario Kart in VR und als Arcade-Automat? Bei uns kaum ein Thema, in Japan fast Alltag. Redakteur Lukas Schmid nutzte seinen Japan-Ausflug, um ein paar Pilzkönigreich-Runden der etwas anderen Art zu drehen. Wie gut ihm das gefallen hat und ob er Lust hat, auch in Zukunft wieder in diese ungewöhnlichen Karts zu steigen, davon berichtet er in seiner Reportage.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Und nach zweieinhalb Wochen in Japan, die meine wunderbarste Freundin der Welt in monatelanger Arbeit organisiert hatte, könnte ich an dieser Stelle jede Menge Geschichten zum Besten geben. Allerdings, hier geht es um Videospiele und darum konzentriere ich mich auf eine besondere Überraschung, die mich an meinem ersten Tag in Fernost in Tokio erwartete.
Meine Freundin hatte Karten für die sogenannte VR Zone Shinjuku organisiert, eine zeitlich begrenzte Spezialausstellung mit allerlei spannend präsentierten VR-Erlebnissen. Tatsächlich ging die Ausstellung Ende März 2019 zu Ende, also nur wenige Tage, nachdem wir dort waren! Neben einem coolen Dragon Quest -Koop-Abenteuer, einem Ausflug auf der Hand eines Gundams, einem tretlastigen Flug auf einem Fahrrad mit Propeller und mehr war es vor allem eine Attraktion, die mir ins Auge sprang: Mario Kart Arcade GP VR!
Quelle: Lukas Schmid
Wir kamen recht früh bei der Arcade Zone an, weswegen die Wartezeit auf Mario Kart VR gering war. Später musste man anderthalb Stunden und länger anstehen.
In der VR Zone hatte der Titel seinen Ursprung. Inzwischen kann man ihn auch an sehr wenigen, ausgewählten Orten in den USA sowie an einer Location in London erleben, doch von einer Massenverbreitung ist er noch weit entfernt. Insofern war es für mich das erste Mal, dass ich mit der VR-Fahrt durch das Pilzkönigreich in Kontakt kam. Spannend! Fun Fact am Rande: Die gesamte VR-Zone wurde nicht nur von Bandai Namco verwaltet, das Studio steckte auch hinter der Entwicklung von Mario Kart VR, sowie (soweit ich das verstanden habe) auch hinter den restlichen Anspielstationen der VR Zone. Wir hatten Glück, dass wir relativ früh am Morgen ankamen, denn somit durften wir schon nach knapp zehn Minuten Wartezeit an die Maschinen ran. Im späteren Verlauf des Tages wuchs die Anstehzeit auf 90 Minuten und länger an! Der Aufbau ist simpel: Man setzt sich in einen Racing Seat, wie man ihn von anderen Arcade-Rennspielen kennt, stülpt sich die VR-Brille über und schon geht es los!
Hammermäßige VR-Technik
Also, noch nicht ganz. Zusätzlich bekommt man nämlich noch spezielle Sensoren über die Hände gezogen, die für das VR-Erlebnis von großer Bedeutung sind. "Mittendrin statt nur dabei" lautet das Motto, wie ich nach Spielstart schnell merke: Nicht nur gibt's ansprechendes Rumble-Feedback durch den Sitz und das Lenkrad, ich muss in der VR-Version auch manuell nach an Luftballons baumelnden Items greifen, um sie zu benutzen! Auf diese Weise schnappe ich mir Bananenschalen, grüne Panzer und Hämmer und nutze sie dank Handsensoren fast wie in der Realität; also, insofern man von "realistisch" sprechen kann, wenn man im Kart gemeinsam mit einer riesigen Stachelkröte an beißenden Piranhapflanzen vorbeifährt.
Es macht auf jeden Fall viel Spaß, einfach nach Augenmaß zu zielen und die kunterbunten Ärgernisse auf die bis zu drei menschlichen (Mario, Luigi, Peach, Yoshi) und zwei Computer-Mitfahrer (Bowser, Wario) zu pfeffern. Für mich als Serienkenner ungewöhnlich (wenn man von der seltsamerweise in Mario Kart 8 absenten optionalen Ansicht aus Mario Kart 7 absieht), für VR aber definitiv die beste Wahl ist die Tatsache, dass Mario Kart Arcade GP VR ausschließlich aus der Ego-Ansicht genutzt werden kann. Als ich an meinem grünen Yoshi-Körper nach unten gucke und dann meiner Freundin neben mir zuwinke, die in Peaches Haut geschlüpft ist, fühlt sich das ebenso schräg wie unterhaltsam an. Und als ich aufs Pedal trete und endlich über die Piste düse, habe ich mich schon fast an das neue Spielerlebnis gewöhnt.
Nicht die Kurve gekriegt
Quelle: Lukas Schmid
Die gesamte VR-Zone setzte auf HTC Vive für die verschiedenen Attraktionen.
Anstatt Nintendo und Co. steckte zudem Bandai Namco hinter den Entwicklungen.
Den VR-Einsatz von Items habe ich ja schon erwähnt. Schnell fällt auf, dass die Verwendung der Gegenstände auch abseits der Sensorentechnik nicht mit dem Hauptspiel zu vergleichen ist. So lassen sich Items nicht hinter dem Kart herziehen - wie auch? Ebenso wenig kann ein zweiter Gegenstand für die spätere Verwendung aufgehoben werden. Und auch in Sachen Fahrgefühl muss man sich umstellen. Klar, Gas geben und bremsen funktioniert genauso, wie man es sich vorstellt. Tricks, die man an Rampen ausführt, Sprünge und vor allem das in den Hauptspielen der Reihe absolut elementare Driften existieren in dieser Version des Spiels nicht. Die mit Mario Kart 7 eingeführten Gleiter-Momente gibt es zwar, sie haben aber keinen Einfluss auf das Gameplay. Insofern fühlt sich die Fahrt auf dem VR-Rundkurs trotz der ungewöhnlichen Technik und des sehr immersiven Item-Einsatzes spielerisch deutlich klassischer an, als man sich das denken würde. Es kann sein, dass das daran liegt, dass die Entwickler nicht wollen, dass es VR-unerfahrenen Spielern schlecht wird und sie aufgrund von Motion Sickness auf den Racing Seat reiern.
Ebenso kann es am geringen Umfang des Spiels liegen und daran, dass hier eben gar nicht versucht wurde, ein vollwertiges Spielerlebnis abzuliefern. Im Endeffekt ist es wohl eine Mischung aus beidem. Daran, dass Mario Kart Arcade GP VR im Grunde eine toll gemachte Tech-Demo, aber eben nicht mehr ist, besteht aber kein Zweifel. Nur vier auswählbare Fahrer, drei Items, sehr beschränkte spielerische Möglichkeiten - und nur vier Strecken. Davon erleben konnte ich während meiner Zeit mit dem Spiel nur eine, für eine weitere Rundfahrt hätte ich ein weiteres Ticket kaufen und noch einmal anstehen müssen. Ich war auf einer Gras-Strecke mit bissiger Piranhapflanze unterwegs, zusätzlich existieren Rundkurse auf einem Luftschiff, in einem Schloss und eine in einer Art (dankenswerterweise nicht besonders ekligen) Kanalisation. Trotz der Schwachstellen und des geringen Umfangs bin ich aber sehr froh, das Mario Kart VR-Erlebnis selbst ausprobiert zu haben, denn in Sachen Immersion kann es sich wirklich sehen lassen. Und sollte die Anspielstation einmal nach Deutschland kommen oder Nintendo gar dank Labo etwas Ähnliches in Mario Kart 8 integrieren, wäre ich definitiv mit dabei!
Das andere andere Mario Kart
Quelle: Lukas Schmid
Nachdem meine Freundin mich in Mario Kart VR fertig gemacht hatte (Buuuuh!), gab es am Mario Kart Arcade GP DX-Automaten die Revanche – aber nur knapp!
Wenige Tage nach meinem Ausflug in die wunderbare VR-Pilzkönigreich-Welt kam ich in Osaka ein weiteres Mal mit Mario Kart auf eine Art und Weise in Kontakt, die ich so nur aus Berichten, aber noch nicht persönlich kannte. Mehr zufällig stolperte ich in einer Arcade-Halle über eine Reihe von Automaten von Mario Kart Arcade GP DX. Ja, auch in den Standard-Arcade-Hallen Japans ist das Mario-Rennspiel zu Hause, und zwar mit besagten Automaten bereits in der dritten Iteration. Hier spielte ich drei Runden , hätte aber noch viel, viel mehr Zeit mit dem Automaten benötigt, um auch nur ansatzweise eine Ahnung davon zu bekommen, was hier alles drinsteckt. Ebenfalls von Bandai Namco entwickelt (und daraus resultierend inklusive cooler Elemente wie Pac-Man als Fahrer und einer thematisch passenden Strecke), lässt sich hier mein Spielfortschritt nämlich abspeichern, eine optional erstehbare sogenannte Banapassport Card vorausgesetzt.
Quelle: Lukas Schmid
Anders als bei uns in Europa genießen Arcade-Hallen in Nippon noch immer einen recht hohen Stellenwert und sind deutlich interessanter ausgestattet als hierzulande.
Angesichts der Tatsache, dass ich wohl eher selten in den Genuss des Spielautomaten kommen werde, verzichtete ich auf eine Anschaffung. Zwar existieren bei uns in Europa auch einige der Automaten, aber technisch sind diese offenbar im Vergleich zum japanischen Original deutlich eingeschränkt und funktionieren mehr wie "normale" Arcade-Geräte. 2013 erschienen, wurde der Inhalt des Spiels auf jeden Fall seitdem durch mehrere Updates massiv erweitert. Inzwischen existieren neben fünf verschiedenen Spielmodi 18 Fahrer plus zahlreiche nicht spielbare Racer auf der Strecke, 29 Karts, über 100 (!) Items und so viele Spielelemente, dass der Platz hier nicht ausreichen würde, um sie alle aufzuzählen. Sogar ein an Double Dash!! angelehntes Koop-Feature existiert! Und ja, in dieser Version Mario Kart GP darf ich auch driften.
Ich will rennfahren!
Gerne hätte ich noch mehr Zeit mit dem Titel verbracht (und dabei wohl eine unheilige Zahl an 100-Yen-Münzen versenkt), denn es ist tatsächlich eine wahnsinnig spannende, andersartige und vollwertige Version von Mario Kart, die hierzulande fast unbekannt ist. Müsste ich mich entscheiden, dann würde ich aber lieber noch einmal bei der VR-Variante ran, denn das war eine wirklich vollkommen neue Art und Weise, die Serie zu erleben.
