Marlow Briggs and the Mask of Death im Test: Rumble in the Jungle oder doch nur sanftes Rauschen im Blätterwald?

Test Sven Huber

Marlow Briggs and the Mask of Death - zugegeben, ein großer und sperriger Titel für ein kleines Arcadegame. Nichtsdestotrotz klingt er auch ein wenig nach Indiana Jones und großem Abenteuerkino. So schlecht kann dass doch dann nicht sein, oder?

Der Tag fing scheiße an…

Wer kennt das nicht? Man möchte einfach mal die Freundin oder Frau, ganz Gentleman, von der Arbeit abholen. Nur stellt sich aber heraus, dass ihr Boss ein fieser Gangster ist und statt des gemeinsamen Feierabends gibt es ne alte Maya-Sense in die Brust. Beschissener Anfang für einen geruhsamen Feierabend.

Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (4) Quelle: PC Games Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (4) Ihr haltet das für weit hergeholt? Na dann fragt man Marlow Briggs, Feuerwehrmann und Protagonist in ZootFlys neustem Arcadegame. Dessen Wiedersehen mit seiner Liebsten, einer Expertin für Mayakultur, endet nämlich genau auf diese Art und Weise. Wir fassen also kurz zusammen: Steinklinge in der Brust, Freundin gekidnappt von ihrem Arbeitgeber und in den Dschungel zu einer Mayaruine verschleppt… Wirklich keine gute Ausgangslage für Marlow. Wer aber denkt dass die Geschichte damit endet, der irrt. Denn die Sense war nicht einfach nur ein Ackerbaugerät sondern ein altes Mayaartefakt. So ist Marlow an dem Brustbeinpiercing nicht etwa verstorben, sondern kehrt als eine Art wiedererweckter Mayakrieger zurück. Einen kleinen Haken hat die Sache jedoch: Er kehrt nicht ganz alleine zurück, sondern hört fortan eine Stimme. Nämlich die eines Mayapriesters, der sich in einer Totenmaske manifestiert.

Moment mal! Totenmaske, die den Protagonist zum Leben erweckt und fortan mit ihm kommuniziert? Das kommt uns doch bekannt vor! Richtig, das indizierte Splatterhouse lässt an dieser Stelle grüßen. Wer nun ob dieses Plagiats in Schnappatmung verfällt sei gewarnt, es bleibt nämlich nicht bei diesem einen Plagiat, aber dazu später mehr.

Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (3) Quelle: PC Games Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (3) Fortan wird Marlow also vom Geist eines Maya begleitet, und dieser spricht zu ihm, ohne Unterlass. Nahezu jede Szene und jede Aktion die wir im Spiel ausführen, wird von der Totenmaske kommentiert. Das reicht von Tipps und Tricks zu den vereinzelten Schalterrätseln über Anfeuerung im Kampf mit den unterschiedlichen menschlichen, tierischen und mystischen Gegnern bis zu schadenfroher Häme wenn uns der Bildschirmtod ereilt. Das mag nun eventuell negativ klingen aber das Gegenteil ist der Fall. Zwar wiederholen sich die Sprüche der Maske ab und an, aber wir hatten die gesamte Spieldauer ein breites Grinsen im Gesicht dank der plappernden Maske. Ihr wollt Beispiele? Gerne: Als wir in einen Abgrund stürzen fragt uns die Maske schadenfroh, ob wir da absichtlich runter gehüpft sind weil wir dachten, es gäbe dort irgendwelche Gegner. Als wir einen alten Tempel betreten, erzählt sie uns wehmütig von damals als sie noch lebendig war. Wie schön doch die Feiern mit der ganzen Familie waren, inklusive all der rituellen Opferungen. Sicher, so was ist Geschmacksache aber wir finden es einfach spitze.

Kaum zurück von den Toten und an den neuen Buddy gewöhnt, fliegen ihm auch schon die ersten Raketen um die Ohren. Typen mit Flammenwerfern wollen ihn grillen, Riesenkäfer knabbern an seinen Beinen und alte Mayageister wollen ihn zurück ins Reich der Toten befördern. Weil man da mit Diskussionen nicht weiterkommt, stehen Marlow im Spielverlauf verschiedene Mayawaffen und Zauber zur Verfügung. Angefangen mit der Sense, ja, die aus seiner Brust, über eine Peitsche bis zu Unterarmklingen gibt es allerlei Häckselgeräte um aus dem Feindespack feines Gyros zu produzieren. Gyros ist auch gleich ein gutes Stichwort: Das Gameplay ähnelt frappierend einem Spiel um einen gewissen Spartaner, der sich durch den Olymp hackt. Wobei "ähnelt" schon fast untertrieben ist. Marlow kann locker als Maya-DLC für God of War durchgehen.

…vielleicht wird er ja noch besser.

Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (12) Quelle: 505 Games Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (12) Kaum dass wir das Spiel aber als God of War –Klon abstempeln wollen, werfen uns die Entwickler eine Geschicklichkeitspassage vor, die frappierend an Metroidvaniaspiele erinnert. Solche Passagen, teils auch unter Zeitdruck oder als simple "weiche den Hindernissen aus"-Sequenz, finden sich im gesamten Spiel übrigens immer wieder und bieten damit eine nette Abwechslung zum Hack'n Slay Alltag. Wer jetzt denkt, dass war es schon, der irrt wieder. Obendrauf, quasi als Sahnehäubchen, packen die Programmierer noch kurze Railshootersequenzen, in denen ihr z.B. feindliche Helikopter mit einer Flag vom Himmel holt. Das reicht euch immer noch nicht? Kein Problem. Selbst der Abspann, bei dem alle Mitwirkenden aufgelistet werden, ist ein kleines Minigame im Stil der alten Lunar Lander oder Moonlander-Games. Was die Abwechslung angeht, kann sich da so mancher AAA-Retailtitel eine dicke Scheibe abschneiden. Immerhin darf man nicht vergessen, dass Marlow Briggs and the Mask of Death "nur" rund 15 Euro kostet.

Virtueller Kameramann mit Hang zur Gemütlichkeit

Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (9) Quelle: PC Games Marlow Briggs und die Maske des Todes im Test (9) Kommen wir abschließend noch einmal kurz zur Technik. Da gibt es im Prinzip kaum etwas zu meckern. Für einen Arcadetitel sieht das Spiel unverschämt gut aus und läuft sehr flüssig. Die Kamera setzt die Action cineastisch in Szene. Besondern gut haben uns die Rundumfahrten in Schlüsselszenen gefallen. Dabei kreist die Kamera um das eingefrorene Geschehen und man kann die Szenerie bewundern, dass erinnert ein wenig an die berühmten Matrix-Bullettime-Szenen. Die Kamera leistet in den Actionsequenzen zwar wirklich gute Arbeit, jedoch entsteht dadurch auch einer der wenigen Kritikpunkte, den virtuellen Kameramann betreffend. Wechselt das Spiel in eine Geschicklichkeitspassage, dauert es oft ein bis zwei Sekunden, bis sich die Kamera entsprechend positioniert hat. Gerade hektische Spieler und Speedrunner werden dadurch mehr als einmal ungewollt in den Tod hüpfen. Aber kleines Trostpflaster: Die Ladezeiten sind recht kurz und die Checkpoint mehr als fair gesetzt.

Meinung

Wertung zu Marlow Briggs and the Mask of Death (X360)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Marlow Briggs and the Mask of Death (PC)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
zynisch, böse und sarkastische Maya-Maskeeingängige Steuerungfür ein Arcadegame gelungene Optikdas Spiel nimmt sich selbst nicht 100%ig ernstAbwechslungsreiches Gameplay
starres Upgradesystemin den Geschicklichkeitspassagen zu träge Kameraeinige wenige try & error „Ausweichpassagen“
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