Mass Effect: Priority Hagalaz ist ein erstaunlich komplexes Brettspiel für Gamer

Special Matthias Dammes
Mass Effect: Priority Hagalaz ist ein erstaunlich komplexes Brettspiel für Gamer
Quelle: PC Games

PC-Games-Redakteur Matthias hat sich mal an eine andere Art von Spiel gewagt und das neue Mass-Effect-Brettspiel Priority Hagalaz ausprobiert.

Wenn um die Weihnachtszeit bei uns die Familie zusammenkommt, schlüpfe ich in die Rolle des Brettspielbeauftragten, der für spannende Unterhaltung für die Abende im Kreise der Lieben sorgt. Daher mache ich mich gegen Ende des Jahres häufig auf die Suche nach interessanten Spielen, um der Familie immer mal wieder etwas Neues bieten zu können. So auch im vergangenen Dezember, als ich bei meiner Suche über ein Spiel gestolpert bin, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte.

Eher durch Zufall bin ich nämlich darauf gestoßen, dass offenbar, von großen Teilen der Öffentlichkeit unbemerkt, im November ein Brettspiel zu Mass Effect (jetzt kaufen ) erschienen ist. Daran konnte ich natürlich nicht vorbeigehen und habe mir umgehend ein Exemplar besorgt. Mass Effect: Priority Hagalaz stellte sich dabei als ein ziemliches Biest von einem Brettspiel heraus. Und da die Scifi-Reihe von Bioware auch bei euch viele Fans hat, möchte ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten.

Jagd auf Cerberus

Der Titel des Spiels dürfte bei vielen Erinnerungen an Mass Effect 2 wecken. Dort ist der Planet Hagalaz ein zentraler Schauplatz im DLC "Versteck des Shadow Broker". Das Brettspiel ist während der Ereignisse von Mass Effect 3 angesiedelt, genauer gesagt: irgendwann, nachdem man im Spiel die N7-Mission "Cerberus-Labor" absolviert hat. Nach diesem Einsatz hat Cerberus seine Wissenschaftler und Forschung auf einen umgebauten Kreuzer verlegt, um kein stationäres Ziel mehr abzugeben.

Packung und Inhalt des Mass-Effect-Brettspiels. Quelle: PC Games Als sich der Kreuzer, genau wie das Schiff des Shadow Brokers zuvor, im immerwährenden Sturm von Hagalaz verstecken will, kommt es jedoch zum Absturz des Schiffes. Commander Shepard und seine Crew sollen nun zur Unglücksstelle eilen, um Forschungsdaten zu sichern und entführte Testsubjekte zu befreien, bevor Cerberus-Verstärkung eintrifft. Mit dieser interessanten Prämisse fügt sich Mass Effect: Priority Hagalaz also wie eine weitere Mission in die Kriegsvorbereitungen von Mass Effect 3 ein.

Kampagne mit Missionen

Das Mass-Effect-Brettspiel ist für 1-4 Spieler ausgelegt. Es ist nämlich ein kooperatives Spiel, in dem alle Spieler zusammen für ein gemeinsames Ziel arbeiten und nicht gegeneinander antreten. Entsprechend kann das Spiel auch solo angegangen werden, wenn man denn darauf Lust hat. Auf der Packung steht bei der typischen Zeitangabe ein Wert von 45-90 Minuten. Das bezieht sich aber nur auf einen Teil des Gesamterlebnisses, wie ich gleich noch näher erläutern werde. Zu Beginn habe ich allein schon mindestens 90 Minuten gebraucht, um mich mit dem 40-seitigen Regelheft und den vielen Spielmaterialien vertraut zu machen. Selbst danach hatte ich nur eine grobe Idee, wie das Spiel funktioniert.

Der Run auf den Cerberus-Kreuzer findet in einer großangelegten Kampagne statt, in der bis zu fünf verschiedene Missionen bis zum finalen Ziel bestritten werden. Jede dieser Missionen dauert die auf der Packung veranschlagten 45-90 Minuten. Es handelt sich also eher um eine Aneinanderreihung mehrerer Brettspiel-Partien, die schließlich ein Gesamtbild formen. Die komplette Kampagne von Priority Hagalaz durchzuspielen, ist daher ein Unterfangen, für das man sich mehrere Abende freihalten sollte.

Bildergalerie

Fast schon ein wie Dungeons & Dragons

Im Spiel agiert zu jeder Zeit ein Team aus vier Mass-Effect-Charakteren, angeführt von Commander Shepard - ganz egal, wie viele Spieler an der Partie teilnehmen. Während Shepard immer dabei ist, stehen für die restlichen Gruppenplätze die beliebten Gefährten Garrus, Tali, Liara und Wrex zur Auswahl. Jeder verfügt über spezielle Fähigkeiten, die auf bekannten Skills aus den Spielen basieren. Und genau wie beim digitalen Vorbild lassen sich die Charaktere auch im Brettspiel durch Erfahrungspunkte aufleveln, was wiederum ermöglicht, neue Fähigkeiten freizuschalten.

Allgemein haben die Designer des Spiels sehr viel Wert darauf gelegt, Mechaniken und Funktionsweisen aus den Videospielen in irgendeiner Form auf den Spieltisch zu übertragen. So muss ich auf den Missionskarten verschlossene Türen hacken, ich sammle Loot ein, der mir Granaten und Heilkits verschafft, und natürlich müssen Gegner wie Cerberus-Truppen und Reaper-Einheiten bekämpft werden. Das fühlt sich alles durchaus sehr nach Mass Effect an, auch wenn man, wie bei Tabletop- oder Pen&Paper-Spielen üblich, ein gewisses Maß an Fantasie mitbringen muss.

Blick auf den Spielaufbau für eine Mission Quelle: PC Games Dass Priority Hagalaz über ein normales Brettspiel hinausgeht und sich für mich schon eher wie eine Runde Dungeons & Dragons anfühlt, hat auch damit zu tun, dass es immer wieder Story-Elemente während des Spiels gibt. So liegt dem Spiel neben dem Regel- und Missionsbuch auch ein mehrseitiges "Narrative Book" bei. Darin sind über hundert durchnummerierte Story-Schnipsel zu finden. Im Verlauf des Spiels gibt es dann immer wieder Aufforderungen, dass jetzt der Story-Abschnitt XY zu lesen ist. Dabei haben Erfolg und Misserfolg von Missionen sowie Entscheidungen bezüglich des Pfades durch die Kampagne Auswirkung darauf, wie die Geschichte verläuft. Es gibt also durchaus auch einen gewissen Wiederspielwert.

Ein Brettspiel für Gamer

Mir ist bewusst, dass es mir vermutlich nicht wirklich gelungen ist, in diesem Text herüberzubringen, wie genau Mass Effect: Priority Hagalaz funktioniert. Die umfangreichen Regeln und Spielabläufe sind aber auch nicht wirklich gut in Kürze zusammenzufassen. Daher versuche ich es gar nicht erst. Es ist auf jeden Fall eines der komplexesten Brettspiele, die ich je gesehen habe. Das macht es aber auch besonders spannend für jemanden wie mich, der auch bei Videospielen komplexe Mechaniken gewohnt ist. Gamer dürften daher wesentlich einfacher in das Spiel finden als Leute, die noch nie ein Videospiel in der Hand hatten.

Wer sich aber nicht davor scheut, sich und seine Freunde in die vielfältigen Regeln einzuarbeiten, kann sich auf ein paar spannende Brettspielabende freuen. Leider gibt es das Spiel bisher nur in englischer Sprache. Im Austausch mit dem Hersteller Mopiphius Games wurde mir jedoch gesagt, dass man derzeit an Übersetzungen arbeitet. Wann diese lokalisierten Versionen erscheinen, konnte man mir allerdings bisher nicht sagen. Vor der zweiten Jahreshälfte rechnet man aber wohl nicht damit. Wegen der englischen Sprache und der hohen Komplexität war das Spiel am Ende nichts für die weihnachtlichen Abende mit der Familie. Aber ich hatte trotzdem meinen Spaß, mich einmal auf diese Weise mit Mass Effect zu beschäftigen.

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