Auch auf dem PC stellt der Titel eine gelungene Mischung aus 3rd-Person-Shooter und Rollenspiel dar, die begeistert.
Die richtige Ausrüstung
Quelle: Bioware
Mass Effect
Von Nahkampfangriffen hält man in Mass Effect nicht viel. In den fünf Waffenkategorien Granaten, Sturmgewehre, Schrotgewehre, Pistolen und Präzisionsgewehre ist kein Platz für Äxte und Schwerter. Lediglich wenn euch ein Feind zu nahe kommt, dürft ihr ihm einen Schlag mit dem Gewehr verpassen. Dafür könnt ihr alle Waffen und Rüstungen mit Upgrades ausstatten, die euch unter anderem mehr Schaden, Schutz oder einen stärkeren Schild verpassen. Das Tolle ist, dass sich die Upgrades beliebig oft ein- und heraus setzen lassen. Auf Munition müsst ihr nicht achten. Worauf ihr allerdings aufpassen solltet, ist, dass sich eure Waffen schnell überhitzen. Passiert dies, müsst ihr für einige Sekunden eine Feuerpause einlegen.
Ein typisches Inventar gibt es nicht. In jeder Kategorie klickt ihr euch stattdessen durch eine Liste, in der die jeweiligen Gegenstände eingetragen sind. Dabei dürfen bis zu 150 Objekte ins Gepäck genommen werden. Nicht brauchbare Ware wird bei den zahlreichen Händlern für Credits verkauft oder gleich an Ort und Stelle in Universalgel umgewandelt. Mit dem Gel lassen sich technische Aufgaben lösen oder Schlösser dechiffrieren. Ihr müsst also abwägen, ob ihr lieber Gel oder Geld braucht. Allerdings lässt sich viel Gel sparen, wenn ihr bei Hacks kleine Minispiele absolviert, in denen ihr euch durch kreisrunde und bewegliche Barrieren knobeln müsst. Damit hätten wir auch schon einen Unterschied zur Xbox 360-Version, die lediglich einen kleinen Reaktionstest voraussetzte.
Mass Effect
Waffen, Rüstungen, Upgrades und Co. hinterlassen typischerweise die Gegner für euch. Allerdings müsst ihr die Körper nicht durchsuchen. Das ganze Zeugs landet automatisch in einer Art Zwischenspeicher. Hier wählt ihr bequem aus, was ihr ins Gepäck mitnehmen oder direkt in Universalgel umwandeln wollt. Aber auch in Kisten finden sich zahlreiche nützliche Gegenstände, also auf eine freudige Itemjagd, denn auch bei Mass Effect kommt die Sammelwut zum tragen. Glücklicherweise wurde das Inventar-System, das auf der Xbox 360 noch recht umständlich zu bedienen war, perfekt auf die PC-Steuerung angepasst. Nun verläuft die Suche nach Gegenstände viel intuitiver und schneller. Das Logbuch ist ebenfalls übersichtlicher ausgefallen, wodurch ihr stets wisst, wo es als nächstes hingehen soll. Übrigens kann zu fast jedem Zeitpunkt frei gespeichert werden. Nur wenn ihr euch in einem Kampf befindet, ist dies nicht möglich. Ohnehin ist Mass Effect aufgrund der drei Schwierigkeitsgrade für jeden gut zu meistern. Neu bei der PC-Version: Eine Quicksave-Funktion.
Eine Reise quer durch die Galaxis
Quelle: Bioware
Mass Effect
Das Kampfsystem macht Spaß, die Charakterentwicklung ist motivierend, doch was ist mit den Quests? Grundsätzlich muss man festhalten, dass sich das Auftragsdesign und das Spielgefühl in dieser Hinsicht sehr stark an Knights of the Old Republic orientiert. Mass Effect ist ein typisches BioWare-Spiel. Wer die anderen Werke liebte, wird auch diesen Titel verehren. Die vielen NPCs geben euch dabei die unterschiedlichsten Aufträge. So sollt ihr mal etwas Schmuggeln, Zielpersonen und deren Verteidiger erledigen oder Gegenstände besorgen. Es gibt aber auch kreativere Aufgaben, die sich oft durch Diplomatie lösen lassen. So will beispielsweise eine Witwer, dass der Leichnam seiner Frau herausgegeben wird. Von den Verantwortlichen erfahren wir jedoch, dass er zu Forschungszwecken benötigt wird. Dabei steht ihr vor der Wahl, ob ihr die Behörden überredet die Leiche frei zu geben, oder ihr macht dem Mann klar, dass mit der Forschung Tausende von Leben gerettet werden könnten. All das hängt von euren Absichten und dem Verhandlungsgeschick ab.
An anderer Stelle beschwert sich ein Wissenschaftler, dass er von einem Stalker verfolgt wird, der ihn scheinbar umbringen will. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass der Stalker lediglich ein Wissenschaftskollege ist. Nebenbei entlarvt ihr in diesem Fall einige illegale Forschungen. Auch hier stellt sich die Wahl, ob ihr die Verstöße toleriert oder nicht. Die Hauptstory scheucht euch hingegen von Planet zu Planet. Wobei euch freigestellt ist, welchen relevanten Planeten ihr zuerst ansteuert. Dadurch wird der Linearität etwas entgegengewirkt. Der rote Faden ist zwar erkennbar, die Nebenaufgaben verlocken jedoch immer wieder zum Abschweifen. So findet ihr überall hinweise auf neue Aufträge, die sich auf noch unerforschten Planeten befinden. Entweder ihr geht auf Erkundungstour, oder ihr folgt der Story.
Mass Effect
Zu erforschen gibt es einiges. Dutzende von Clustern und Sternensystemen lassen sich mit eurem Schiff, der Normandy, anfliegen. Obwohl jedes System mehrere Planeten besitzt, lässt es sich in der Regel auf nur einem Himmelskörper pro System landen. Dennoch stellt es sich als überaus interessant heraus, die Textinfos zu den anderen Planeten durchzulesen. Und auch die vielen Hinweise auf geheime Systeme rufen den Entdeckerdrang hervor. Dennoch wurden die nicht story-relevanten Planeten recht langweilig gestaltet und bieten stets die gleichen Nebenaufträge sowie kargen Landschaften. Hier hat die Kreativität die Entwickler scheinbar komplett verlassen. Der Mittelpunkt eurer Bemühungen ist jedoch die riesige Citadel Station, die sich über Kilometer erstreckt. Hierhin verschlägt es euch immer wieder zurück, um in Bars etwas zu quatschen oder dem Rat Bericht zu erstatten. Zwischen den Missionen wandert ihr auf eurem Schiff umher und quatscht mir der Crew. Das kennt man doch schon von Kotor.
Während die Citadel Station sehr weitläufig erscheint, sind die einzelnen Planeten eher klein ausgefallen. Ruft ihr die Karte auf, merkt ihr schnell, das ihr euch lediglich durch Schlauchlevel bewegt. Rechts und links, abseits des Pfades, gibt es nicht viel Raum zum ausweichen. Der Entdeckerdrang wird eher dadurch ausgelöst, dass ihr viele Planetensystem bereisen könnt. Was ist mit der Spielzeit? Das ist bei Mass Effect schwer zu beantworten. Würdet ihr nur den Hauptquest absolvieren und stur durchrennen, bräuchtet ihr vielleicht 20 Stunden. Nehmt ihr immer mal wieder einige Nebenaufträge an und lauscht Gesprächen, kommt ihr wahrscheinlich auf rund 30 Stunden. Wollt ihr wirklich jeden Winkel der Galaxie erforschen und jeden Auftrag lösen, ist die Skala nach oben weit offen. Doch aufgepasst, habt ihr das Spiel beendet, könnt ihr nicht mehr ausstehende Aufträge beenden und das All erforschen. Dazu müsstet ihr schon einen neuen Versuch wagen.
Mach mir den Mako
Quelle: Bioware
Mass Effect
Aufgrund des Moral-Systems lohnt es sich sowieso das Spiel mindestens zweimal in Angriff zu nehmen. Je nachdem wie ihr euch entscheidet, steigt die Abtrünnigkeits-Anzeige in die Höhe. Dies geschieht, wenn ihr beispielsweise hilflose NPCs ausbeutet oder eure Gesprächspartner ständig einschüchtert. Verhaltet ihr euch stets hilfsbereit, steigt die gegenüberliegende Anzeige. Dadurch entstehen auch immer wieder neue Situationen und Möglichkeiten das Spiel zu absolvieren. Überhaupt stellt euch Mass Effect vor fast nie da gewesene moralische Momente, was darin gipfelt, dass ihr entscheiden müsst, ob eine ganze Spezies zum Wohle der restlichen Galaxie aussterben soll. Aber auch kleinere Gewissensfragen stehen im Minutentakt auf der Tagesordnung. Durch diese üblichen Situationen zeigt sich Mass Effect durchaus abwechslungsreich und lässt euch schnell in die wunderbar ausgearbeitete Welt eintauchen.
Neben den Shooter-Elementen bietet Mass Effect noch weitere Abwechslung. Oft werdet ihr weit entfernte Orte innerhalb eines Planeten mit dem Mako, einem bewaffneten Panzerfahrzeug, bereisen. Dabei wird viel geballert, da unterwegs jede Menge Gegner auf euch warten. Aufpassen müsst ihr jedoch dabei auf die Schilde und den Zustand des Rumpfes. Ist der Mako zu stark beschädigt, könnt ihr ihn mit Universalgel wieder flott machen. Während sich der 3rd Person Shooter-Teil mit der Maus-Tastatur-Kombo auf dem PC vorbildlich steuern lässt, wurde auch die Fahrzeugsteuerung gegenüber der Xbox 360-Version leicht verbessert und fühlt sich nun nicht mehr so schwammig an.
