...bietet uns mehr Handlungs- freiheit, weitläufigere Level und eine gelungene Atmosphäre, aber auch eine viel zu kurze Spielzeit.
Medal of Honor: Airborne
Von Bedeutung ist die Wahl der Absprungzone vor allem insofern, als der Spieler die Reihenfolge seiner Missionsziele und Schritte auf dem Weg zur Auftragserfüllung selbst bestimmen kann. Besetze ich nun zuerst das Rathaus oder schalte doch lieber als allererstes die Flugabwehr aus? Meine Entscheidung. Der noch aus den Vorgängern gewohnte streng lineare Spielablauf wird dadurch umgangen, die Handlungsfreiheit nimmt zu. Auch taktisch hat dies einen gewissen Wert. So wird der Spieler jetzt nicht mehr automatisch gezwungen, am vorgegebenen Punkt A zu starten, sondern kann auf nützliche Alternativen ausweichen. In einer Mission ist es beispielsweise recht sinnvoll, auf einem Kirchturm zu landen. Dort befindet sich ein deutscher Scharfschütze, den wir zugleich ausschalten. Und zwar nicht nur, damit der Herr nicht weiter auf uns schießt, sondern weil die Stellung der hoch gelegenen Kirchturmspitze einen ausgezeichneten Überblick über die Stadt bietet. Mit Hilfe des frisch erbeuteten Scharfschützengewehrs lassen sich nun Gegner aus sicherer Entfernung effektiv bekämpfen.
Medal of Honor: Airborne
Die zweite wesentliche Neuerung in "MoH. Airborne" ist alles andere als revolutionär, für WW2-Shooter aber untypisch: Waffen lassen sich upgraden. Einige Verbesserungen betreffen mehr handwerkliche Dinge (höhere Zielgenauigkeit, kürzere Nachladezeit, geringerer Rückschlag), teilweise gibt es aber auch praktische Extras, z.B. einen Granatenaufsatz fürs Sturmgewehr, mit dem sich dann auch Explosionsgeschosse abfeuern lassen. Entsprechend erhöht sich die Wirkung unserer Infanterie-Waffen. Letztere sind dieselben wie in anderen Weltkriegstiteln. Das M1 Garand Schnellfeuergewehr, die obligatorische Thompson, Springfield Sniper oder der Colt. 45 seien hier stellvertretend für zahlreiche andere Wummen kurz erwähnt. Upgrades erhält der Spieler für besondere Schießleistungen wie Kopfschüsse oder das Ausschalten von drei bis fünf Gegnern gleichzeitig bzw. in rascher Folge. Wird einer dieser Super-Treffer erreicht, wechselt die laufende Spielszene augenblicklich in den Zeitlupenmodus und das Bild verschwimmt für mehrere Sekunden. Das sieht nicht nur gut aus, sondern macht uns für diesen Zeitraum praktischerweise auch unverwundbar. Moralapostel werden sich bei dieser Art von spielerischen Anreizen wahrscheinlich wieder ganz entsetzt an die Herzgegend fassen. Zumal in einigen Gefechtssituationen sogar Blut zu sehen ist. Daher vermutlich auch die USK-Einstufung "keine Jugendfreigabe".
Solide Technik, aber erkennbare Gameplay-Mängel
Medal of Honor: Airborne
Grafisch und soundtechnisch bewegt sich "MoH: Airborne" auf der Höhe der Zeit. Der Titel ist kein optischer Leckerbissen wie "BioShock", sieht aber immer noch verdammt gut aus und braucht sich hinter unmittelbaren Genre-Konkurrenten vom Schlage eines "Call of Duty 2" nicht zu verstecken. Die Kriegsschauplätze, z.B. die Brücke von Nimwegen oder das Ruhrgebiet mit seiner Schornsteinlandschaft, wirken durch ihre grafische Präsentation überaus authentisch. Die Figuren sind flüssig animiert. Unangenehm auffallend: die Umgebungswelt ist nicht zerstörbar. So können wir in einer Mission zwar schwere Suchscheinwerfer zerschießen, nicht aber Straßen- oder Innenraumbeleuchtungen, was uns vieler taktischer Möglichkeiten beraubt. Fantastisch dagegen die enormen Sichtweiten. Allerdings setzt der Genuss derselben eine aktuellere Hardwareausstattung voraus, wie eigentlich so ziemlich alle Details in "Airborne", will man den Weltkriegs-Shooter in höheren Auflösungen genießen. Während des Spielens kommt es mit maximalen Einstellungen selbst auf Hochleistungsrechnern immer wieder zu starken Rucklern und die Ladezeiten sind überdurchschnittlich lang.
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Nichts auszusetzen gibt es hingegen beim Ton. Für den orchestralen Soundtrack zeichnete kein Geringerer als Michael Giacchino verantwortlich, der u.a. bereits die Musik zu "Call of Duty" und der TV-Serie "Lost" produzierte. Alle im Spiel verwendeten Waffengeräusche wurden im Original aufgenommen. Sie sind also absolut "echt" und tragen nicht unwesentlich zur eindrucksvollen Weltkriegs-Atmosphäre bei. Auch der Gefechtslärm, die Befehlsanweisungen, das Husten und Röcheln der Soldaten nach Explosionen und die Schreie der Verwundeten und Sterbenden..., all das kommt dermaßen intensiv rüber, dass man sich zu jedem Zeitpunkt in der Haut eines Infanteristen bzw. Fallschirmjägers und fest eingebunden ins actionhaltige Geschehen fühlt. Bestimmte Äußerungen sind dabei nicht immer der jeweiligen Situation angepasst. So erteilt beispielsweise ein deutscher Gruppenführer seinen Leuten inmitten eines kargen Bunkerkomplexes den Befehl zum "Eingraben!" In meterdickem Beton dürfte dies schwer werden.
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Die insgesamt sechs Einzelspielermissionen gewinnen dadurch an Dynamik, dass es neben dem Absolvieren der eigentlichen Hauptaufgaben noch zusätzliche Auftragsziele zu erledigen gilt, die uns während des Spielverlaufes per Funk übermittelt werden. So muss Private Travers gleich in seinem ersten Kampfeinsatz vier gegnerische Flak-Geschütze vernichten, danach einen ranghohen Scharfschützen ausschalten und anschließend einen befreundeten Trupp unterstützen. Leider bleibt der Hauptcharakter reichlich blass. Man sieht nur seine Hände und von einer Story im engeren Sinne des Wortes kann keine Rede sein. Die Singleplayer-Missionen der Kampagne erscheinen eher lustlos aneinandergereiht, obschon sie chronologisch angeordnet sind. Wir beginnen mit der Schlacht um Adanti im Juli 1943 und beenden unseren letzten Einsatz am 27. März 1945, als es darum geht, einen festungsähnlichen Flakturm in die Luft zu sprengen. In den letzten Spielabschnitten bekommt es Boyd Travers zunehmend mit in schwarz gekleideten Super-Soldaten - im Titel werden sie als "Sturm-Elite" bezeichnet - zu tun. Diese sollen wohl Männer der Waffen-SS darstellen, sind mit Maschinengewehren, Panzerfäusten und Gasmasken ausgerüstet und können einiges wegstecken. Hier wird ein weiteres Manko deutlich: Es gibt nur automatische Speicherpunkte, kein Quicksave. Beißt der Held also einmal ins Pixelgras - was auf den höheren der insgesamt drei verfügbaren Schwierigkeitsgrade (Amateur, Normal, Experte) schon mal passieren kann -, muss der Spieler am letzten Kontrollpunkt neu starten. Glücklicherweise gelten die bis dahin abgearbeiteten Missionsziele dann aber als erledigt, müssen also nicht erneut in Angriff genommen werden.
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Negativ zu werten ist zudem der Umstand, dass es mit Ausnahme der mitgeführten Bewaffnung und einiger stationären MGs keine schweren Waffen oder Fahrzeuge zu bedienen gibt. Wir bekämpfen stellenweise gegnerische Tigerpanzer, können so ein Teil aber nicht etwa erobern oder gar selber fahren. Auch Artillerie lässt sich nur zerstören, nicht aber für die eigenen Zwecke nutzbar machen. Da boten andere WW2-Games schon vor Jahren wesentlich mehr. "MoH: Airborne" bleibt somit hinter seinem Anspruch zurück, die spielerische Handlungsfreiheit besser auszuschöpfen. Als für einen Vollpreis-Titel absolut indiskutabel muss man die kurze Gesamtspielzeit werten. Mit gerade mal fünf bis sechs Stunden im Singleplayer (einschließlich Tutorial) dauert "Airborne" kaum länger als ein gewöhnliches Addon. Allerdings existieren außerhalb der Kampagne noch die drei Multiplayer-Modi Team-Deathmatch (Team mit dem höchsten Scrore gewinnt), Team-Deathmatch-Airborne sowie Operation Airborne (Team erobert oder hält Flaggen), die zumindest für Mehrspieler-Fans von gewissem Interesse sein dürften. Ferner lassen sich bei Erhalt diverser Auszeichnungen (Legion of Merit, Bronze Star etc.) einige Extras in Form von Filmen freischalten. "Airborne"-Produzent Neville Spiter und Audio Director Paul Lackey erläutern hier einige technische Einzelheiten zum Spiel. So erfahren wir dort beispielsweise einiges über die Entstehung von Zwischensequenzen oder die Aufnahmen authentischer Waffengeräusche.
