Eine enttäuschende Serien-Neuauflage, die nur auf dem PC gut aussieht. Einziger Lichtblick: Der gelungene Multiplayer.
An Land und in der Luft
Von einem Apache aus kann man mit Bord-MG und Raketen schießen - das WikiLeaks Video lässt grüßen!
Fortan geht es in der inhaltlich bereits bekannten Helimap weiter, die Mike Shinoda von Linkin Park auf der Gamescom vorgestellt har. Man fliegt als Schütze mit, ballert mit dem großkalibrigen Bord-MG Menschen nieder, macht schlussendlich ein ganzes Dorf platt. Selbst gesteuert wird der Heli aber nicht, man übernimmt nur den Part des Schützen, womit Medal of Honor an dieser Stelle nicht mehr ist, als ein Moorhuhnshooter mit bewegenden Zielen. Aus einigen Kilometern Entfernung soll man etwa feindliche Lager ausschalten; Die schwarzweiße Zieloptik und die realistischen Funksprüche erinnern dabei frappierend an das geleakte Videomaterial von Helikopterschützen, die in Afghanistan einige Journalisten ermordeten, weil ihre Zoomobjektive wie Waffen ausgesehen haben sollen - so viel zum Realismus in Videospielen.
Medal of Honor
Aber auch der größte Technologiefortschritt kann einem Heer nicht helfen, wenn aufgeweckte Gegner aus dem Untergrund operieren. So ergeht es auch uns zum Schluss. Die Helis werden von verschiedenen Stellungen beharkt und können sich nicht selbst helfen, ohne sich zum einfachen Ziel zu machen. Gut dass gerade auch eine Scharfschützen-Rangereinheit in der Nähe ist! Deren Kontrolle übernimmt man in der darauf folgenden Mission, in der man über weite Entfernungen lautlos zum Killer wird. Sehr realistisch: Wie auch das Hubschrauber-MG braucht das Sniper-Kaliber einige Sekunden - je nach Entfernung - bis zum Ziel, wo es dann mit umso verheerenderer Wirkung auftrifft. Diese Abwechslung, gepaart mit packender Inszenierung, ist aber leider auch schon das Einzige, was in Medal of Honor überzeugen kann.
Miserable Technik auf Konsolen, hübsch am PC
Optisch leider gar nicht schön anzusehen: Medal of Honor...
Über das unmoralische Setting von kann man denken, was man will. Der eine schießt nun mal eher ungern auf alles was sich bewegt und macht ganze Dorfgemeinschaften mit Raketen platt, der andere sieht darin nur ein Spiel und macht sich keine Gedanken darüber, dass genau das gleichzeitig noch stattfindet. Was aber stört: Die unterirdische Technik, die einem gelungenen Reboot der Serie einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht. Vor allem auf der Konsole bietet die Grafik einen grauenhaften Blick auf verwaschene Texturen, niedrig aufgelöste Umgebungen und Effekte, die so tatsächlich noch aus den Anfangszeiten der MoH-Reihe kommen könnten. Bodentexturen sind kantig, runde Gegenstände zum Teil richtig eckig. Daneben gibt es fieses Tearing und Clipping, das soweit geht, dass im Prolog sogar unser Teamkamerad mehrfach durch die Wand zielt und schießt. Gütigerweise hat man an der PC-Version noch etwas Feinschliff betrieben. Hübschere Effekte, Kantenglättung, hochauflösendere Texturen - zur Grafikpracht bringt es Medal of Honor am PC zwar auch nicht, immerhin kommt man technisch über ein "absolut zweckmäßig" hinaus.
... außer im Multiplayer. Den hat auch DICE gemacht - samt eigener Engine!
Was optisch noch verschmerzbar ist, wird in Sachen Gameplay zur Qual. Medal of Honor gaukelt einem eine so offene, riesige Welt vor, schleust einen aber fast durchgehend in klitzekleinen, meist nur wenige Meter breiten, Schläuchen durch die Welt. Was im Stadtlevel am Anfang der Kampagne noch Sinn macht - immerhin sind solche Bergdörfer eng angelegt und verwinkelt, wird schnell zur Farce. Spätestens wenn man einen Bergrücken entlang läuft und von unsichtbaren Mauern gehindert wird, mal hier hin zu treten, mal da hinzugehen, wird man sich eine etwas offenere Welt herbeisehen. Vom Gameplay her setzt man außerdem eher auf wilde Ballereien, Ruhe gibt es wenig - warum auch, eine große Geschichte gibt es ja kaum zu erzählen.
Auf Dächern gehen? Geht nicht immer, dank unsichtbaren Mauern. Pain in the Ass!
Das letzte bisschen Spielspaß zerstört aber die hundsdämliche KI. Zum einen sind alle Events im Spiel getriggert und gescriptet, was so weit geht, dass man an Stellen, die man bereits kennt, bis zu zehn Sekunden auf die Kollegen warten muss, bis sie endlich eine Tür öffnen. Zum anderen laufen die strohdummen Computer-Mitspieler einem andauernd vor die Flinte. Sterben können sie zwar nicht auf natürliche Weise (die Dummheit der Gegner kommt dem vielleicht zugute), durch Teambeschuss des Spielers aber sehr wohl. Hier trägt aber auch das HUD zur Verwirrung bei. Markierungen und Zielpunkte werden irgendwie nach Gutdünken ein- und ausgeblendet, manchmal pulsiert die HUD-Anzeige, mal verschwindet sie komplett. Man kann sie zwar immer manuell hinzuschalten, im Eifer des Gefechts ballert man dennoch andauernd auch mal die eigenen Leute über den Haufen.
Wer übrigens die kurze Spieldauer von Modern Warfare 2 kritisiert hat, wird bei Medal of Honor noch mehr Angriffsfläche finden. Insgesamt ist die Kampagne nämlich in nur etwa fünf Stunden durch, wer danach noch Herausforderungen sucht, kann Missionen im Tier 1-Modus nachspielen, in denen es darum geht möglichst schnell durch die Level zu hetzen und durch Kopfschüsse und Killreihen
