Schonungslos, düster und brandaktuell: Metro 2039 schickt euch in den Kampf gegen ein Terrorregime im Herzen Moskaus

Special Stefan Wilhelm
Schonungslos, düster und brandaktuell: Metro 2039 schickt euch in den Kampf gegen ein Terrorregime im Herzen Moskaus
Quelle: 4A Games

Der neue Story-Shooter von 4A Games ist eine spielgewordene Verurteilung des russischen Angriffskriegs und all derer, die die Welt gerade ins Chaos stürzen.

Wenn es um Singleplayer-Shooter mit starkem Story-Fokus geht, dann fällt unweigerlich ein Name: Metro. Die Adaptionen der Bestseller-Trilogie begeistern seit dem ersten Teil mit einer faszinierenden Spielwelt, packenden Geschichten und einer zum Schneiden dichten Atmosphäre.

All das will das ukrainische Studio 4A Games mit dem vierten Teil, Metro 2039, auf die Spitze treiben. Eines steht nämlich jetzt schon fest, nachdem wir uns seine Enthüllung vorab ansehen durften: Dieser Shooter wird uns wie ein Stein im Magen liegen, und das mit voller Absicht.

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Neuer Held, alte, kaputte Welt

Da die Reise von Serienheld Artjom mit Metro Exodus weitestgehend zu Ende erzählt wurde, schlüpfen wir in 2039 in den staubigen Anzug eines neuen Protagonisten. Viel wissen wir nicht über ihn, außer, dass er im Spiel "Der Fremde" genannt wird und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Artjom deutlich gesprächiger ist.

Der Fremde ist unsere neue Spielfigur, und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Artjom kann er auch während des Gameplays sprechen.  Quelle: 4A Games Der Fremde ist unsere neue Spielfigur, und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Artjom kann er auch während des Gameplays sprechen.  Der Fremde musste offenbar bereits einiges in Moskau durchmachen. Ein Moskau, das nach wie vor vom Atomkrieg verwüstet ist und die kläglichen Reste der Gesellschaft in dunkle U-Bahntunnel pfercht.

Wir sehen ihn im Trailer, wie er sich verzweifelt an Erinnerungen klammern will, aber immer wieder von psychotischen Albträumen überwältigt wird. Wachsmalbilder, vielleicht von seinen eigenen Kindern gemalt, gehen in seinen Händen in Flammen auf. Er halluziniert brennende Spielplätze und streift durch Felder voller Leichen, die allesamt frappierend jung aussehen.

Die Verursacher des ganzen Elends zeigt uns das Video auch: Das "Novoreich", eine faschistische Gruppierung, deren Vorläufer wir bereits aus den letzten Spielen kennen, hat in Moskau die Macht an sich gerissen.

Unter der Fuchtel ihres Führers Hunter, mit dem wir in Metro 2033 noch zusammengearbeitet haben, träumt das Regime von einer reinen Nation, in der die Luft endlich wieder sauber ist. Das kann in Hunters Augen aber nur erreicht werden, wenn sich alle dem Reich anschließen, die roten Armbinden anlegen und sich gedanklich auf Linie bewegen. Schulkinder werden durch Propaganda gefügig gemacht und verlieren dabei buchstäblich ihre Identität. Wer nicht spurt, wird in Ketten gelegt, in Züge gesperrt und Gott weiß wohin verschleppt.

Wie es das Novoreich geschafft hat, alle anderen Parteien in der Metro zu schlucken, wissen wir bislang nicht. Vermutlich hat es aber etwas mit ihrem Anführer Hunter zu tun, der vorher als SPARTA-Ranger für Ordnung gesorgt hat. Quelle: 4A Games Wie es das Novoreich geschafft hat, alle anderen Parteien in der Metro zu schlucken, wissen wir bislang nicht. Vermutlich hat es aber etwas mit ihrem Anführer Hunter zu tun, der vorher als SPARTA-Ranger für Ordnung gesorgt hat.

Politischer Zündstoff

Ihr merkt schon: Subtil ist Metro 2039 beim besten Willen nicht. Wir bekommen es hier mit waschechten Nazis zu tun, nur dass sie jetzt nicht mehr in Berlin, sondern in Moskau sitzen. Parallelen zu den politischen Entwicklungen der letzten Jahre müssen wir gar nicht erst hineininterpretieren, die sind offensichtlich und voll beabsichtigt.

Als ukrainisches Studio sieht sich 4A Games seit Jahren mit einem verbrecherischen Regime konfrontiert, das seine Finger nach dem Heimatland der Entwickler ausstreckt. Ein Regime, das Lügen, Gleichschaltung und Gewalt einsetzt, um seine Ziele zu erreichen, und damit schon unzählige Menschenleben gefordert hat. Anderswo auf der Welt erstarken ähnliche Kräfte, und noch mehr als die letzten Teile soll Metro 2039 zeigen, in welche menschlichen Abgründe solche Ideologien führen.

Sicher wird es auch wieder die eine oder andere Metro-Station zu erforschen geben, die die Entwickler diesmal mit noch mehr Details zum Leben erwecken können. Quelle: 4A Games Sicher wird es auch wieder die eine oder andere Metro-Station zu erforschen geben, die die Entwickler diesmal mit noch mehr Details zum Leben erwecken können. Prominent am Spiel beteiligt ist auch Dmitri Gluchowski, der russische Autor der zugrundeliegenden Buchreihe. Als scharfer Kritiker des Putin-Regimes muss er seit dem Überfall auf die Ukraine im Exil leben, da ihm in der Heimat wegen seiner Meinung acht Jahre Straflager drohen.

Angesichts der Lage, in der sich seine Schöpfer befinden, hat Metro 2039 also verständlicherweise einiges an Wut im Bauch, daraus macht der Trailer keinen Hehl. Wir sind gespannt, wie intensiv sich das fertige Spiel mit der Wirklichkeit, aus der es entstanden ist, beschäftigen wird, und ob es dabei ähnlich direkt vorgeht wie das hier besprochene Trailer-Material.

Vor nicht allzu langer Zeit hätten wir das vielleicht noch als zu dick aufgetragen empfunden, hätten wahrscheinlich eine Formulierung wie den viel zitierten "Holzhammer" gewählt. Aber hier imitiert die Kunst nun einmal das echte Leben. Und im echten Leben verstecken die Ideologien, die bei Metro 2039 im Fokus stehen, ihre Bösartigkeit eben auch nicht mehr. Auf der nächsten sprechen wir darüber, was der Trailer sonst noch über Setting und Charaktere verrät, und wagen erste Einschätzungen zu Gameplay und Technik.

  1. Seite 1 Setting und Hintergrund
  2. Seite 2 Gameplay und Technik
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