Metro: Last Light in der Vorschau: Nach Bioshock ein weiteres moralisches Highlight in diesem Jahr

Special Sandro Odak

Gamezone konnte kürzlich Metro: Last Light anspielen und mit Buchautor Dmitry Glukhovsky über seine dunkle Dystopie sprechen. Weshalb es so düster wird, was die Nazis in der russischen Metro zu suchen haben und wieso sie Schädel vermessen, erfahrt ihr unserer Vorschau auf ein weiteres moralisches Highlight in 2013, das sich hinter Bioshock Infinite nicht verstecken braucht.

Ein Held, das ist Artjom. Am Ende von Metro 2033 hat der Protagonist mit einem Raketenschlag die Dark Ones ausgelöscht. Gleichzeitig muss er aber feststellen: Sie waren gar nicht böse. Sie wollten kommunizieren, brauchten Hilfe. Doch die Kommunikation klappte nie, weil Menschen und Dark Ones zu unterschiedlich waren: Sie lösten Halluzinationen bei den Überlebenden der Moskauer Metro aus, so stark, dass die Menschen sich gegenseitig töteten.

Ein Held war Artjom aber nicht immer. Als Kind war er dafür verantwortlich, dass die Dark Ones überhaupt in das Metro-Netz eindringen konnten. Weil er noch einmal die friedliche Welt, die er einst kannte, sehen wollte, öffnete er Tür und Tor für Mutanten und Co. Die Dark Ones versuchten, ihn mit Visionen und telepathischen Träumen von ihrem friedlichen Vorhaben zu überzeugen – doch zu spät. Als der gealterte Artjom seinen Fehler erkennt, hat er den Abschussknopf bereits gedrückt. Damit muss er nun leben. Aber wie wird er handeln, wenn er herausfindet, dass nicht alle tot sind? Um diese Frage rotiert die Handlung von Metro: Last Light.

Baby Dark Ones

Metro: Last Light in der Vorschau (2) Quelle: PC Games Hardware Metro: Last Light in der Vorschau (2) Artjom ist, ausgerechnet wegen seiner Heldentat, zum Ranger eines neutralen Ordens geworden. Um ihn herum bilden sich Lager: Die Kommunisten kämpfen dafür, dass all ihre Anhänger gleich gut versorgt werden, die Anführer wollen aber "gleicher" behandelt werden. Nationalisten des Vierten Reiches hingegen zerstören in regelrechten KZs lebensunwerte Kreaturen. Das können Mutanten sein, aber auch einfach Menschen mit deformierten Schädeln oder Tumoren. Wer den Anschein erweckt verstrahlt zu sein, muss sterben. Die menschliche DNA muss rein bleiben! Eine dritte Fraktion, die Hansa, ist eine Handelsgemeinschaft. Sie steht im Konflikt mit Kommunisten und Banditen.

Bei einem der Streifzüge für seine neue Gruppe, die irgendwo zwischen all den anderen Fraktionen angesiedelt ist und nur zum "Wohle der Menschheit" kämpft, findet Artjom dann doch einen Überlebenden des Raketenangriffs. Ein Baby-Dark-One! Was soll er tun? Seine Befehle ausführen und das unschuldige Wesen töten? Es retten? Mit dem Wissen, dass er schon mal für den Tod so vieler Unschuldiger verantwortlich war? Der Autor Dmitry Glukhovsky spielt hier mit den Emotionen des Spielers, vor allem nachdem das Spiel erst Momente zuvor die traurige Geschichte rekapitulieren lässt.

Survival-Shooter im verstrahlten Moskau

Metro: Last Light in der Vorschau (8) Quelle: PC Games Hardware Metro: Last Light in der Vorschau (8) Die Story ist sicherlich Metro: Last Lights größte Stärke. Das von Dmitry Glukhovsky geschriebene Skript ist eng verwoben mit den Metro-Büchern und das Spiel ist so umfangreich, dass der russische Erfolgsautor daraus ein eigenes Buch machen konnte: Metro 2035. Es wird teilweise die Etappen des Spieles erzählen und natürlich auch viel Inhalt darüber hinaus enthalten und kommt noch 2013 in den Handel. Vom Gameplay her bleibt Metro: Last Light aber seinen Shooter-Prinzipien treu. Ein bisschen schleichen wir da durch die Abflusssysteme Moskaus, erschießen mit primitiven Waffen und unter ständiger Munitionsarmut ein paar Banditen und Nazischergen und entdecken plötzlich ein geheimes KZ des Fourth Reich. Wow, das wirkt: Wie die Tiere halten sich die Nationalisten ihre Feinde, verbrennen die Leichen. Da mussten wir beim Anspielen schon schlucken – man will den Insassen irgendwie helfen, doch gleichzeitig ist da ein anderes moralisches Dilemma. Mit solchen Bildern im Kopf spielt Last Light – und zwar äußerst geschickt. Nach der Passage fühlen wir uns wie am Ende des letzten Metro: War das, was wir gerade getan haben, wirklich korrekt. Solche Denkanstöße muss eine dystopische Welt wie die von Metro liefern, erzählt uns Dmitry.

Und auch die Atmosphäre stimmt wieder: Die PC-Version, die wir mit dem Autor anspielen dürfen, stört einen nicht großartig mit HUD-Einblendungen. Nur ein wichtiges Fadenkreuz und ähnliche Informationen werden klassisch angezeigt, andere Informationen, etwa die Haltbarkeit von Gasmasken-Filtern, können wir von einer Uhr am Handgelenk des Charakters ablesen. Das ist Spiel-Immersion, wie sie uns gefällt! Wer es besonders hart mag, kann im Ranger-Modus spielen: Der enthält dann weniger Munition, die eh immer knapp ist, überhaupt kein HUD, weshalb man sich merken muss, wie viele Kugeln im Magazin noch übrig sind, und Zielen funktioniert auch nur über Kimme und Korn. Bezahlt wird man in Metro übrigens mit Munition. Das gute Zeug von Militärqualität kriegt man als Belohnung für Quests und Co. Man kann sie entweder als Während tauschen, oder im Gefecht auch ins Magazin einladen – aber nur, wenn es mal wirklich brenzlig wird.

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