Microsoft stellte auf der E3 2015 die ersten Anwendungsbeispiele für HoloLens vor: Auf der Pressekonferenz sahen wir eine imposante Minecraft-Demo, hinter verschlossenen Türen eine Halo-Techdemo. Ist das die Zukunft?
Der PC hat Oculus Rift, die Playstation ihr Morpheus und Microsoft… Hat nun HoloLens. Die Technologien dahinter sind zwar nicht 1:1 dieselben, so setzen Oculus, Steam und Sony auf virtuelle Welten, Microsoft hingegen auf eine augmentierte Mischung aus Realität und virtuellen Elementen. Aber eins haben alle Firmen gemein: Sie haben die Technik, aber die Software scheint noch in weiter Ferne.
Quelle: Microsoft
Sieht so die Zukunft von Videospielen aus?
Dass HoloLens nicht nur dafür taugt, virtuelle Meetings im Büro abzuhalten, wollte Microsoft auf der E3 unter Beweis stellen. Auf der Pressekonferenz enthüllte Mojang eine imposante Minecraft-Demo für HoloLens. Dabei wird die Spielwelt von Minecraft in 3D auf eine beliebige Oberfläche projiziert. In der Demo waren zwei Spieler unterwegs: Der HoloLens-Spieler nahm eine Art Gott-Perspektive ein, während seine Kollegin am Surface den normalen Spielclient benutzte. Mit Bewegungssteuerung soll Minecraft mit HoloLens angeblich voll funktionsfähig sein. Spieler können damit Steine abbauen und woanders hinsetzen.
Interessanter scheint aber die Mitspiel-Komponente zu sein. Während ein Spieler im normalen Client unterwegs ist, kann der andere unterstützend eingreifen. Mit ein paar Handgesten kann er die Karte extrem rauszoomen und sogar in den Boden gucken. Während der Demo finden die zwei im Koop so heraus, das direkt unter ihnen eine riesige, ressourcenreiche Höhle versteckt ist. Der HoloLens-Spieler kann seinen Kollegen nun mit Blitzen auf einen Eingang aufmerksam machen… Oder einfach ein paar TNT-Kisten ablegen und mit einem Blitzschlag ein riesiges Loch in den Boden reißen.
HaloLens – eine Halo Experience
Selbst ausprobieren konnten wir HoloLens in einer speziellen Halo 5 Experience. Microsoft baute hinter verschlossenen Türen die Innereien eines Raumschiffs aus Halo 5 nach. Am Eingang durften wir nach der Vermessung unseres Pupillenabstands die Brille aufsetzen. Die sitzt nicht wie eine normale Brille auf den Ohren, sondern wird mit einem justierbaren Band am Hinterkopf festgezurrt.
Quelle: Microsoft
So soll es mal aussehen: HoloLens hat derzeit noch ein sehr kleines SIchtfenster.
Ist die Brille an einem genormten Wandelement eingestellt, geht es los: Durch einen langen Gang sollen wir einem Waypoint folgen. Der wird direkt vor unsere Augen ins Sichtfeld eingeblendet. Am ersten Waypoint sollen wir aus einem Fenster gucken, das gar nicht existiert. Dort stehen wir also und sehen ins Innere des Halo-Schiffs – in Wirklichkeit stehen wir aber vor einer kargen Wand. Von außen muss das ziemlich dämlich aussehen.
Schon kurz danach geht die Techdemo weiter. Wir sollen nun in einen Kommandoraum, in dessen Mitte ein Steuerelement steht. Sechs Spieler sind darum versammelt und sehen nun einen Strategie-Guide für Warzone-Modus von Halo 5: Guardians. Eben starrten wir noch alle auf eine leere Plattform, plötzlich erhebt sich daraus ein bläulich schimmerndes Hologramm. In Wirklichkeit ist es natürlich nicht da, nur wir Brillenträger sehen es.
Quelle: Microsoft
Eine Spielfigur aus Halo gibt uns Tipps für den Multiplayer-Modus Warzone.
HoloLens kommt mit Bewegungen ganz gut klar und kann schon erkennen, wenn wir uns nach links oder rechts drehen. Das Hologramm verändert dann entsprechend seine Perspektive. Leider ist aber das Sichtfeld sehr klein. Um das komplette Hologramm im Bildmittelpunkt zu halten, muss man sich manchmal schon etwas verbiegen. Der tatsächliche Bildschirm innerhalb von HoloLens ist zwar nicht auszumachen, schneidet aber Hologramme ganz hässlich ab, wenn man den Kopf neigt. Das muss Microsoft unbedingt verbessern, denn sonst sind all diese Promo-Videos Makulatur. Das Wetter links und Skype rechts im Blickfeld einblenden – noch ist das Zukunftsmusik. Das Video unter diesen Zeilen übertreibt aber nicht, was den Effekt der Techdemo angeht: Unsere zehn Minuten mit HoloLens waren auch in Wirklichkeit so beeindruckend!
Andere Anwendungsgebiete
HoloLens zeigt trotzdem, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Und dabei reden wir gar nicht von Spielen, sondern von ganz alltäglichen Anwendungen. Wenn Microsoft das Sichtfeld der Brille erhöht, sodass Hologramme im ganzen Augenbereich angezeigt werden und gleichzeitig das Gewicht reduziert, könnte HoloLens zu einem echt praktischen Helfer-Gadget der Zukunft werden. Holografierte Waypoints könnten beispielsweise die Navi-Branche revolutionieren. Ein Motorradfahrer könnte sich Informationen zu seiner Fahrt direkt ins Sichtfeld einblenden lassen – ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Das ist auch der große Vorteil von HoloLens im Vergleich mit richtigen VR-Brillen: Man ist nicht abgeschottet vom Rest der Welt, sondern kann mit jedem normal interagieren.
