Microsoft Flight Simulator 2024 enttäuscht mich auch auf PS5 mit seinen bekannten Problemen
Kolumne
Der Microsoft Flight Simulator 2024 erscheint jetzt auch für die Playstation 5. PC-Games-Redakteur Matthias ist enttäuscht, dass die Luftfahrtsimulation dabei auch seine alten Probleme auf die neue Plattform mitbringt.
Wenn ich mich richtig zurückerinnere, verfolge ich den Flight Simulator von Microsoft entweder seit Version 5.0 oder dem Flight Simulator 98. Das aber gar nicht mal so sehr, weil ich so ein großer Simulations-Enthusiast wäre. Ich habe zu Hause auch kein eigenes Cockpit stehen, mit dem ich Transatlantikflüge nur in Echtzeit ohne Pinkelpausen durchziehe.
Bei mir ist es vielmehr eine eher allgemeine Faszination für Luftfahrt, die sich durch den Beruf meines Vaters bei mir entwickelt hat. Er ist nämlich Berufspilot für Hubschrauber und hat ein eigenes Luftfahrtunternehmen. Entsprechend habe ich in meiner Kindheit und Jugend sehr viel Zeit auf Flugplätzen und auch in der Luft verbracht.
Also habe ich natürlich auch den Neustart der Flight-Simulator-Serie von Microsoft verfolgt. Mit dem Spiel von 2020 hatte ich auch sehr viel Spaß, aber da mangelte es mir noch an Dingen wie Karriere und Hubschraubern. Das alles versprach dann im letzten Jahr die 2024er-Version. Leider war deren Release aber eher eine mittlere Katastrophe und ich habe es schnell wieder zur Seite gelegt.
Nun kommt der Simulator auf mein Hauptsystem PS5 und ich war gespannt, wie sich das Spiel inzwischen entwickelt hat. Denn die Entwickler werden doch die großen Probleme behoben haben, bevor sie sich auf eine neue Plattform wagen, richtig? Richtig?
Bekannte Probleme
Nun, da waren meine Hoffnungen wohl doch ein wenig zu groß. Ich will nicht absprechen, dass das Spiel Fortschritte gemacht hat. Aber ich würde auch weiterhin nicht sagen, dass es einen Zustand erreicht hat, den man als Kunde erwarten kann - vor allem von einem Billionen-Dollar-Konzern. Schon während meiner ersten zehn Stunden mit der PS5-Version ist mir das Spiel mehrfach abgeraucht.
Bedingt durch das ständige Streaming von Ingame-Assets sind die Ladezeiten zwar nicht mehr ganz so schlimm wie zum Release der PC-Version, aber doch noch immer nervig lang. Die prozedural aus Satellitendaten generierten Gebäude und Landschaften haben nach wie vor ihre unschönen Darstellungsprobleme.
Quelle: PC Games
Wie gut Städte aussehen, ist immer ein wenig Glücksspiel, was die Engine aus den Satellitendaten macht.
Auch die Missionen zum Geldverdienen in der Karriere werden vom Spiel generiert, was weiterhin so seine Probleme mit sich bringt. Da spawnt mir mein Flugzeug schon mal zu nah an irgendwelchen Gebäuden, sodass ich gar nicht wegkomme, ohne schon den ersten Unfall zu bauen. Oder das Spiel schickt mich über einen Taxiway, der direkt durch Gebäude oder andere Hindernisse führt. Oder meine Position wird schlicht falsch erkannt und mir wird ein Taxi-Vergehen angekreidet, obwohl ich nur gerade auf der Landebahn aufsetze.
Zur Steuerung komme ich gleich noch gesondert, aber auch da läuft nicht alles fehlerfrei. So ist die Button-Belegung zum Abschalten meines Flugzeugs ohne Funktion. Bisher musste ich mich damit behelfen, dass ich dem Flieger am Ende einer Mission einfach den Sprithahn abgedreht habe. Immerhin ist mir die Kampagne bisher noch nicht auseinandergefallen, was mir damals auf dem PC passiert ist.
Dualsense flieg
Positiv überrascht war ich, dass sich die Entwickler die Mühe gemacht haben, die Features des Dualsense zu unterstützen. In den adaptiven Triggern spüre ich deutlichen Widerstand, wenn ich damit die Ruderpedale meines Flugzeugs betätige. Über das haptische Feedback spüre ich den Untergrund unter meinen Rädern. Ob ich über eine Betonbahn oder nur eine Graspiste rolle, fühlt sich da entsprechend anders an.
Quelle: Microsoft / Asobo Studio / Medienagentur plassma
Um die interaktiven Cockpits zu bedienen, ist eine Maus zusätzlich zum Controller sehr zu empfehlen.
So lässt sich das Spiel mit dem Controller durchaus gut bedienen, allerdings nur, wenn ein Großteil der verfügbaren Assistenten zugeschaltet ist. So ein Controller hat schließlich nur eine überschaubare Zahl an Eingabemöglichkeiten, selbst bei Doppel- und Dreifachbelegungen. Es ist daher auf jeden Fall zu empfehlen, zusätzlich eine Maus oder gar eine Tastatur an der PS5 angeschlossen zu haben.
Gerade die Maus ist sehr hilfreich, um in den interaktiven Cockpits diverse Schalter und Hebel zu bedienen, für die auf dem Controller einfach kein Platz ist. Das geht deutlich besser von der Hand, als den Cursor-Modus des Controllers zu nutzen.
Mangelnde Profi-Ausstattung
Nun wäre ein Gamepad nicht unbedingt meine erste Wahl, um einen Flugsimulator zu bedienen. Allerdings hat der Flight Simulator auf der PS5 in dieser Hinsicht noch ein generelles Problem, an dem jedoch das Spiel selbst nicht schuld ist. Es gibt nämlich schlicht keine vernünftige Peripherie-Hardware, die mit Sonys Konsole kompatibel ist.
Einzige Ausnahme ist der Thrustmaster T.Flight Hotas 4 aus dem Jahr 2019, den es auch in einer Playstation-kompatiblen Variante gibt. Allerdings würde ich diese Kombi aus Joystick und Schubregler nicht wirklich als professionelles Flugsim-Equipment bezeichnen. Mangels D-Pad und Touchpad hat er sogar weniger Buttons zur Verfügung als der Dualsense. Lediglich der Schubregler bietet einen kleinen Mehrwert.
Quelle: Thrustmaster
Der T.Flight Hotas 4 von Thrustmaster ist derzeit die einzige Peripherie, die es auch in einer Playstation-kompatiblen Variante gibt.
Nun gibt es da draußen jede Menge wirklich hochwertige und umfangreich ausgestattete Bediensysteme, mit denen ich mich im Flight Simulator mehr wie ein Pilot fühlen kann. Aber leider sind die meisten dieser Geräte nur mit PC und Xbox kompatibel. Ich besitze zum Beispiel ein Turtlebeach Velocity Flightdeck, das mir auf dem PC schon sehr gute Dienste geleistet hat. Ähnliche Hardware sucht man für die PS5 aber leider vergebens. Von richtig professionellen Yoke-Systemen will ich da gar nicht erst anfangen.
Wie gesagt, dieser Zustand ist jetzt keine Schuld des Spiels. Da sind vielmehr die Hardware-Hersteller gefragt, ihre Systeme auch für Playstation fit zu machen oder eigene Hardware anzubieten. Vielleicht ist die Veröffentlichung des Flight Simulators auf PS5 auch ein Auslöser, der mehr Hersteller dazu bewegt, entsprechende Peripherie für die Sony-Konsole verfügbar zu machen. Wenn dem so ist, freue ich mich darüber. Aber noch mehr würde mich freuen, wenn dann irgendwann auch die technische Qualität des FS2024 auf ein Niveau kommt, das das Spiel verdient hat. Denn schließlich soll die Freiheit über den Wolken doch grenzenlos sein.
