Monster Energy Supercross 4: Hübsche Grafik trifft auf mittelmäßige Physik
Test
Mit einer gestylten Cross-Maschine durch die Halle flitzen, Hügel perfekt überspringen, Gegner abhängen und am wichtigsten - schnell und sicher das Rennen beenden. Ob Monster Energy Supercross - The Official Videogame 4 von Milestone auch wirklich das vollendete Motocross-Erlebnis ist, erfahrt hier in unserem Test.
Knifflige Rennspiele wie Dirt Rally sind nicht jedermanns Sache. Sie fordern gerade Neulingen des Genres einiges ab. Das von Monster Energy gesponserte Supercross 4 bewegt sich da in der gleichen Fahrspur. Warum das nicht mal unbedingt schlecht sein muss, dazu kommen wir später. Doch Schritt für Schritt.
Hallen-Racing schwer gemacht
In Supercross 4 liegt es an uns, entweder im Single- oder Multiplayer-Modus mit unseren Motocross-Bikes das Gelände zu dominieren, oder eher gesagt, stetig besser zu werden. Denn eins ist sicher: Das Spiel ist für Anfänger, die blind und ohne Erwartung reinspielen, bockschwer. Die meisten Rennen sind supercross-typisch in Hallen und Stadien verortet, wodurch die Strecken eng, kurvig, hügelig und letztlich auch anspruchsvoll sind. Spieler der Vorgänger und anderen Cross-Ablegern werden bereits ungefähr wissen, was sie erwartet und sich recht schnell zurechtfinden. Wie schwer das Ganze wirklich ist? Nun, in den ersten Spielstunden wird euch die KI selbst auf "sehr leicht" das Leben schwermachen können. Zumindest bis ihr euch Strecken einprägt und sich das Training auszahlt. Schneller als ihr euch verseht, findet ihr euch dann auf der Überholspur wieder.
Tutorials rar gesät
Das Tutorial des Games besteht praktisch aus den simpelsten Erklärungen und einem gefühlten "mach mal, wird schon!". Und genau das werdet ihr in den ersten Stunden auch tun müssen. Übung macht den Meister! Im Karrieremodus erstellen wir uns unseren eigenen Charakter. Sobald Name, Geschlecht, Größe, Aussehen und Co. bestimmt wurden, können wir auch direkt loslegen.
Quelle: PC Games
Am Start gibts nicht viel falsch zu machen. Wer genau im richtigen Moment Gas gibt, bekommt einen kleinen Boost. Gibt man zu früh Gas passiert nicht viel, alles ist noch drin.
Die Charaktererstellung vermag nicht wirklich zu beeindrucken, weder optisch noch durch große Auswahl. Worin das Spiel aber glänzen kann, ist die Customization der Bikes und unserer Kleidung. Unzählige Marken und Stile ermöglichen es uns, unseren eigenen Style zu kreieren. Durch die erspielte Währung SX-Credits können wir uns praktisch nach Herzenslust alles kaufen, sofern wir es denn durch Erfüllung von Sponsorenaufgaben im Karrieremodus oder bestimmten Challenges freigeschaltet haben. Die im Shop kaufbaren Addon-Pakete kann man dadurch getrost ignorieren. Die zwei Customization-Packs und der Credits-Multiplier werden weder aggressiv beworben, noch ist man darauf in irgendeiner Weise angewiesen, das Spiel ist dahingehend absolut fair. Alles andere wäre bei einem Vollpreistitel auch fragwürdig.
Steile Lernkurve, abschaltbare Fahrhilfen
Gewichtsverlagerung, Vorder- und Hinterbremse, Drifts, Whips und Scrubs bei Sprüngen - das alles kann einen ohne Vorwissen komplett überfahren. Stellt man sich der Herausforderung, lässt das Erfolgserlebnis hinter dem Riesenberg an Trainingsphasen und Frust á la Dark Souls grüßen. Wenn man denn diese ersten Hürden hinter sich hat, macht das Spiel aber richtig Spaß.
Quelle: PC Games
Der richtige Rhythmus machts. Mit der Flow-Hilfe könnt ihr euch die Ideal-Linie anzeigen lassen. Sehr nützlich für noch unbekannte Strecken.
Tipp am Rande: Schaltet die zugeschalteten Hilfen aus! Die vereinfachte Physik, Brems- und Gewichtsverlagerungshilfen, das alles sorgt nicht nur für eine kuriose Steuerung, sondern hindert euch vor allem langfristig am Erfolg. Die zuschaltbaren Hilfen machen das Fahren nicht wirklich leichter, halten euch stattdessen aber mit oberflächlichen Mechaniken auf. Wer direkt zur fortgeschrittenen Spielweise wechselt, wird auch eins direkt bemerken: Die Physik und das Fahrgefühl werden berechenbarer.
Die Cross-Maschine lässt sich mit dem linken Joystick steuern, die Gewichtsverlagerung des Charakters mit dem rechten. Das Aufteilen und richtige Nutzen der verschiedenen Bremsen ermöglicht eine leichtere Kurvenkontrolle. Die Körpersteuerung braucht ihr gerade bei den Hügeln, den Absprüngen und dem Landen. Wollt ihr eine größere Distanz zurücklegen, gilt es Vollgas zugeben und euer Gewicht nach hinten zu lehnen. Müsst ihr dagegen schnell landen, sollte das Gewicht auf dem Motorrad nach vorne verlegt werden. Für den Anfang empfiehlt sich im Bike-Setup, das vor jedem Rennen einstellbar und man mit verschiedenen Profilen speichern kann, die Achsantriebsübersetzung auf kurz zu stellen. Das ermöglicht eine größere Beschleunigung (mit niedrigerer Höchstgeschwindigkeit) und ist in den Kurven mit der Hinterradbremse eine Erleichterung.
Kein realistischer Simulator
Die Game-Physik ist dabei bei weitem nicht perfekt, eine allzu realistische Simulation braucht ihr also nicht zu erwarten, eher ein kniffliges Arcade-Rennspiel das es zu zähmen gilt. Die Rumble- und Trigger-Effekt-Funktion auf der getesteten PS5-Version können hier entweder die Immersion steigern oder auch die Konzentration stören. Gut dabei: alles abschaltbar und optional. Wer das mag, behälts, wen's stört, schaltet es ab.
Progress durch Siege und Skill-Tree
Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Das gilt auch für unseren selbsterstellten Charakter. Zwar können wir als Spieler im Hauptmenü direkt bei anspruchsvollen Events und Meisterschaften der 250cc East/West bzw. 450cc Klasse mit einem von mehreren lizenzierten Sportlern wie Ken Roczen drauflosfahren, unser eigener Fahrer in der Karriere verfügt aber nicht über ein vergleichbares Skill-Level. Stattdessen müssen wir uns von Liga zu Liga hocharbeiten, bestimmte Platzierungen erreichen und uns durch verschiedene Trainingssessions Fertigkeitspunkte verdienen. Dafür haben wir übrigens nicht unendlich viele Versuche. In den sogenannten Probefahrten müssen wir uns verschiedenen Disziplinen stellen und haben dafür vor den einzelnen Rennen jeweils drei Versuche. In "The Lightning" müssen wir beispielsweise versuchen, als erster das Ziel zu erreichen. Schaffen wir das, bekommen wir drei Fertigkeitspunkte. Je schlechter wir abschneiden, desto weniger Punkte bekommen wir auch. Jede Probefahrt, egal ob erfolgreich oder gescheitert, gilt als Versuch. Mit den Fertigkeitspunkten können wir im Skill-Tree die Fähigkeitsattribute anpassen, um so beispielsweise die Bremskraft und Luftkontrolle zu erhöhen.
Quelle: PC Games
Auch Star-Fahrer wie Cooper Webb und Ken Roczen lassen sich für Meisterschaften und Events auswählen.
Die Rennen in der Karriere lassen sich dagegen beliebig oft neu starten. Wer sich also eigene Muscle-Memory antrainieren will, kann das gerade hier besonders gut. Wer von der Cross-Maschine fällt (und das wird sehr häufig passieren), kann ohne größere Probleme weiterfahren oder die heilsbringende Rewind-Funktion nutzen. Ähnlich wie in vielen anderen Rennspielen könnt ihr bei missglückten Landungen und Unfällen die Zeit zurückspulen, und das sogar recht großzügig. Zu Beginn des Rennens stehen euch aber lediglich drei Rewinds zur Verfügung. Um weitere freizuschalten, müsst ihr durch eindrucksvolle Sprünge und Tricks die Rewind-Leiste auffüllen. Interessantes Gameplay-Detail: Solltet ihr euch innerhalb eines Rennes verletzen, so werden einige eurer bereits freigeschalteten Fähigkeiten für das nächste Rennen ausgesetzt. Daher lohnen sich unfallfreie Fahrten nicht nur der Zeit wegen.
Keine Lust auf Halle? Ab nach draußen!
Die Strecken erfordern ein gewisses Rhythmusgefühl und Geduld. Wer stattdessen auch einfach mal Lust auf freies drauflosfahren an der Frischluft hat, kann sich auch im Modus "Rennmischung" austoben. Habt ihr das gute alte Motocross Madness 2 (und die legendären Demo-CDs) noch freudig in Erinnerung, werdet ihr euch dabei sicherlich wohlfühlen. Sucht ihr mehr Herausforderungen, findet ihr diese in den knackigen Meisterschaften und Events. Die sind teils deutlich schwerer als der Karrieremodus - gerade auf höheren Schwierigkeitsstufen.
Quelle: PC Games
Wer keine Lust auf Stadien, Gegner und Zeiten hat, kann sich auch draußen im freien Modus behaupten. Das Sprung-Training kann kommen.
Wer dagegen eigene Strecken entwerfen und oder bearbeiten möchte (auch die anderer durch Online-Sharing), kann auch das mit dem Strecken-Editor tun.
Hübsche Grafik, satter Sound, gerechtfertigter Preis?
Technisch kann sich das Spiel sehen und hören lassen. Klar, es ist kein Grafik-Wunderwerk. Die Gesichter sind auch eher bescheiden und statisch. Aber auf der Strecke sieht alles genau so aus, wie es aussehen sollte! Außer den eher Last-Gen Gesichtern und Animationen vor dem Rennen gibt es nichts sonderlich auszusetzen. Die Animationen beim Fahren selbst sind klasse und die Kleidung ist liebevoll designt und umgesetzt, inklusive Helm als Abdeckung der Gesichter. Die Kamera ist frei einstellbar, die Ego-Perspektive fährt mit optischen Spielereien wie Dreck und Regen auf der Linse auf. Die Motorensounds sind saftig, der Soundtrack macht Laune, auch wenn es da Wiederholungen gibt.
Quelle: PC Games
Es wird eng mit 22 Fahrern. Nicht ablenken lassen! Passt nur auf, dass sich die KI nicht in eure Reifen verirrt und euch runterwirft. Rewind-Funktion lässt grüßen.
Große Bugs oder Crashs gab es in der getesteten PS5 Version keine und die kleineren UI-Fehler, beispielsweise im praktischen Kamera-Modus, sind zu verzeihen. Sie tun dem Spiel keinen Abbruch.
Monster Energy Supercross - The Official Videogame 4 (jetzt kaufen 38,79 € ) ist am 08. März für den PC (Steam-Version), Playstation 4 und 5, Xbox One und Xbox Series X/S, sowie Google Stadia erschienen. Ob der Preis von rund 50 bis 70 Euro wirklich gerechtfertigt ist, muss letztlich jeder selbst entscheiden. Günstiger könnte man schon eher eine Kaufempfehlung aussprechen, vor allem für Neulinge der Serie.
