Monster Train - Test: Schlägt der Deckbuilder sogar Slay the Spire?
Test 21,07 €
Auf Steam und Twitch hat Monster Train bereits für Aufsehen gesorgt. Zurecht! Im Test glänzt der hübsch geschliffene Deckbuilder mit knallharter Kartentaktik, durchdachten Roguelite-Mechaniken und motivierendem Spielfluss. Aber genügt das alles, um das beliebte Slay the Spire zu schlagen?
Wer kennt es nicht: Da will man kurz in ein neues Spiel reinschnuppern - und zack! Schon hat man 25 Stunden auf dem Konto. Monster Train ist so ein Spiel. Es wirkt unscheinbar, die Mechanik auf den ersten Blick altbekannt. Doch darunter wartet ein fesselnder, eleganter Mix aus Kartentaktik und Roguelite, der sich zwar kräftig bei Genre-Größen wie Slay the Spire bedient, dabei aber ganz eigene Stärken entwickelt. Wie gut sich das spielt, klären wir im Test.
Kampf dem Engelspack!
Quelle: PC Games
Zufallsereignisse sind selten und verlangen uns stets eine Entscheidung ab. Es hätten allerdings ruhig ein paar mehr sein können.
In Monster Train ist die Hölle endgültig zugefroren - und zwar wörtlich gemeint. Die letzten noch lebenden Kreaturen der Unterwelt haben sich (ähnlich wie im Sci-Fi-Streifen Snowpiercer) auf einen Zug gerettet, der nun auf Gleisen durch die verschneiten Einöden rattert. Mit an Bord: Ein kostbarer Glutstein, mit dem das infernale Feuer im Zentrum der Hölle neu entfacht werden soll. Auf dem Weg zu unserem Ziel werden wir jedoch mehrmals in Rundenkämpfe gegen die Heerscharen des Himmels verwickelt, die wir mit beschworenen Kreaturen und Zaubern - alle in Kartenform - zurückschlagen müssen.
Das Spielfeld besteht dabei grundsätzlich nur aus einem Zugteil und ist simpel in vier Stockwerke unterteilt. Ganz oben ruht der Glutstein, der neben Lebenspunkten über einen eigenen Angriffswert verfügt und sich im Notfall ganz gut selbst verteidigen kann. Darunter liegen drei Stockwerke, auf denen wir Einheiten platzieren können, um den Vormarsch der Himmelskrieger aufzuhalten. Das Engelsgesocks greift stets auf der untersten Ebene an und rückt dann Runde für Runde ein Stockwerk rauf.
Leicht zu lernen, schwer zu meistern?
Genretypisch ziehen wir nun in jeder Runde neue Karten aus unserem Deck, darunter verschiedenste Kreaturen, die neben Angriffs- und Lebenspunkten auch wertvolle Spezialeigenschaften mitbringen. Manche Biester werden durch besiegte Gegner stärker, andere kehren nach ihrem Tod auf den Kartenstapel zurück oder unterstützen ihre Kameraden mit hilfreichen Buffs. Hinzu kommt eine stattliche Auswahl an Zaubern und Sondertricks, die richtig eingesetzt verdammt nützlich sind. Allerdings müssen wir uns jede Aktion gründlich überlegen! Karten verbrauchen nämlich Energiepunkte, die in jeder Runde knapp bemessen sind. Außerdem nehmen Einheiten unterschiedlich viel Platz in Anspruch, pro Stockwerk stehen nur wenige Slots zur Verfügung. Hier ist gute Planung gefragt, zumal wir auch frei bestimmen, wer nach vorne rücken und die Prügel kassieren oder lieber aus der hinteren Reihe angreifen soll. Für eine gute Defensive muss jede Höllenkreatur am richtigen Platz stehen!
Quelle: Steam
Auf jedem Stockwerk finden nur sehr wenige Einheiten Platz.
Und das war's im Wesentlichen: Die Grundlagen von Monster Train sind wunderbar einfach und binnen Minuten kapiert. Doch jetzt geht der Spaß erst richtig los, denn das üppige Kartenangebot sorgt für jede Menge Taktik und Wiederspielwert.
Die Mischung macht's!
Vor jedem Spieldurchgang müssen wir uns zwei von insgesamt fünf Kreaturenstämmen aussuchen, die wir aber erst nach und nach freispielen. Damit bestimmen wir, aus welchen Karten sich unser Deck zusammensetzt. Das Gute daran: Die Viecher sind wunderbar unterschiedlich und erlauben vielseitige Kombinationsmöglichkeiten. Die Höllenhörner setzen beispielsweise auf starke Nahkämpfer, Wutzauber und nützliche Imps als Unterstützer, die Erweckten dagegen auf mächtige Pflanzenwesen, die mit dicker Panzerung, Heilung und Dornenschaden für eine gute Abwehr sorgen. Die Wasserbiester der Stygischen Wache ziehen ihre Vorteile aus wirkungsvollen Eis- und Unterstützungszaubern, während die Schattenkreaturen der Umbra massenhaft Kleinvieh beschwören, das als Stärkungsfutter für größere Monster herhalten muss. Als letzter Stamm werden schließlich die Schmelzenden Relikte freigeschaltet; sie führen kampfstarke Kerzenwesen in die Schlacht, die zwar nach ein paar Runden von alleine den Löffel abgeben, aber dafür andere Einheiten verbessern und für kurze Zeit wiederbelebt werden können.
Quelle: PC Games
Mit gesammelter Erfahrung schalten wir neue Monsterstämme und Karten frei.
Egal ob wir sterben oder siegen, für jeden Spieldurchgang gibt's Erfahrungspunkte, mit denen wir neue Karten freischalten. Je größer der Pool, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten und Spielweisen tun sich auf! Zusätzlich verfügt jede Monstersippe über eine besonders vielseitige Champion-Kreatur, die sich im Laufe eines Runs zwei Mal upgraden lässt. Weil wir aber vorher natürlich nicht wissen, welche Verbesserungen zur Verfügung stehen und welche Karten man zieht, können wir uns nie ganz auf einer vertrauten Taktik ausruhen, sondern müssen uns in jedem Run ein wenig anpassen.
Planung ist alles
Zwischen den Kämpfen landet man auf einer hübschen, simpel gestrickten Übersichtskarte, auf der wir die Reiseroute festlegen. Anders als in Slay the Spire müssen wir uns zwar nur zwischen zwei Wegen entscheiden, doch dafür warten unterwegs gleich mehrere Vorteile auf uns, darum will die Wahl gut überlegt sein. Die linke Route beschert uns vielleicht mal einen Goldbonus, Lebenspunkte für den Glutstein und dazu ein Zufallsereignis, bei dem wir in einer Mini-Quest Entscheidungen treffen und nützliche Boni absahnen können (auch das erinnert stark an Slay the Spire). Auf dem rechten Gleis wartet dagegen vielleicht eine neue Karte, mit dem wir unser Deck erweitern. Oder wir öffnen eine Schatzkiste, in dem sich eines von vielen Artefakten verbirgt, die uns mächtige Sondereffekte verpassen.
Quelle: Steam
Nach jedem Kampf kehren wir auf die Karte zurück. Hier wählen wir eine von zwei Routen.
Oder wir begegnen einem Händler, bei dem wir unser schwer verdientes Gold in Upgrades investieren. Denn auch hier haben die Entwickler mitgedacht: Unser Deck besteht zwar grundsätzlich nur aus wenigen Einheiten und Zaubern, doch dafür verfügen sie über zwei Slots für Verbesserungen. Mehr Lebenspunkte und Kampfkraft, verbesserte Heilwirkung, verringerte Beschwörungskosten und einiges mehr lässt sich hier einsetzen, zum Teil mit drastischen Auswirkungen: Eine stygische Fernkämpferin, die alle Feinde in einer Reihe attackieren kann, wird durch ein Multischlag- und Schadensupgrade beispielsweise zur absoluten Geheimwaffe!
Knackige Gegner
Gold, Artefakte und neue Karten, das alles erhalten wir, wenn wir einen Kampf erfolgreich überstanden haben. Vor jedem Gefecht haben wir außerdem die Option, eine extra Belohnung einzustreichen, dafür bekommt unser Gegner allerdings stets einen mächtigen Vorteil verpasst. Manche Engelskrieger gehen dann beispielsweise mit Defensivzaubern oder Rüstungspunkten an den Start, andere zermürben unsere Truppen mit Dorneneffekten, heilen sich bei jedem Aufstieg oder prügeln uns mit Extra-Angriffen windelweich. Wer hier nicht richtig abwägt und voraus plant, sieht sich schnell einer Übermacht gegenüber.Richtig fordernd wird es in den Bosskämpfen, in denen ein besonders mächtiger Himmelsdiener anrückt. Einer beschwört pro Runde etwa eine tödliche Bombe auf ein Stockwerk, ein anderer schützt sich mithilfe von Statuen oder verpasst seinen Verbündeten mächtige Buffs. Selbst wer einen Bossgegner mehrmals bekämpft, erlebt noch kleine Überraschungen, da jeder Boss einen von mehreren Kampfvorteilen haben kann - das sorgt für ein wenig Abwechslung.
Quelle: Steam
Mit Buffs und Schwächungseffekten gleichen wir die zahlenmäßige Unterlegenheit unserer Truppen aus.
Gutes Design
Frustanfällige Spieler brauchen hier wie schon in Slay the Spire ein dickes Fell: Auf dem ersten Schwierigkeitsgrad ist ein Durchgang bis zum Höllenzentrum oft noch gut zu schaffen, doch schon ab der zweiten Stufe geraten manche Kämpfe wirklich knüppelhart. Da genügt es schon, eine Einheit falsch zu platzieren, einen Zauber unklug anzuwenden - und schon liegt unser schöner Glutstein in Scherben. Wie bei fast allen Roguelites und Kartenspielen ist auch immer ein gewisser Glücksfaktor dabei - wer Pech hat und einfach mal miese Karten zieht, muss damit leben.
Allerdings lässt uns Monster Train nie im Dunkeln darüber, was gerade passiert: Das aufgeräumte Interface ist durchdacht und sehr gut lesbar, die meisten Effekte und Folgen einer Aktion lassen sich schon vorab erkennen. Auch hier hat sich das Spiel viel Gutes von Slay the Spire abgeschaut. Allerdings fällt Monster Train optisch wesentlich hübscher aus: Das Monsterdesign ist besser und detailreicher als im großen Vorbild, aber auch die übrige Präsentation ist farbenfroher und effektreicher. Viele Karten sind leicht animiert und gefallen mit hübschen Artworks, auch wenn sie damit natürlich nicht gegen ein Gwent ankommen. Dem Spielspaß tut das aber keinen Abbruch.
Quelle: Steam
Unverzichtbar: Die meisten Karten bieten zwei Upgrade-Slots für nützliche Verbesserungen.
Nur noch eine Runde...
Genretypisch ist Monster Train ein Spiel, das auf ständige Wiederholungen setzt. Spielen, sterben, nochmal probieren, immer und immer wieder - das liegt in der Natur der Sache. Weil man aber meistens nur wenige Karten und Gegner im Blick behalten muss, bleibt jedes Gefecht schön kompakt und überschaubar. Und da jeder Run nur aus wenigen Kämpfen und Ereignissen besteht, ist man oft schon in 20 Minuten beim Endboss angelangt, zumal man sich die Kampfgeschwindigkeit in vier Stufen regeln kann. Damit ist Monster Train eine ausgesprochen flotte Angelegenheit und eignet sich ideal für eine Partie zwischendurch!
Quelle: Steam
Im Mehrspielermodus treten die Spieler gegen die Zeit an.
Eine richtige Story-Kampagne gibt es zwar nicht, dafür aber einen Mehrspielermodus. In dem können wir allerdings nicht direkt gegen andere Spieler antreten, schade! Stattdessen messen wir uns einfach in einer Art Speedrun mit anderen Spielern: Pro Runde läuft ein Timer runter, nur drei Minuten stehen uns zur Verfügung. In der Zeit müssen wir von Händlerbesuchen über Zufallsereignisse bis zu den Kämpfen alles erledigt haben, sonst wird uns mitten im Gefecht die Kontrolle entzogen und wir müssen tatenlos zusehen, wie die Feinde unsere Reihen durchbrechen. Hinzu kommen noch tägliche Herausforderungen mit Zusatzregeln, außerdem können wir auch selbst eine Partie aufsetzen und sie mit verschiedenen Modifikatoren unserem Geschmack anpassen.Monster Train wurde ordentlich ins Deutsche übersetzt und ist bislang nur für PC erhältlich, über Steam kostet das Spiel rund 20 Euro.
