Mundaun: Gruselformat mit liebevoller Bleistift-Optik im Test

Test Richard Engel Philipp Sattler
Mundaun: Gruselformat mit liebevoller Bleistift-Optik im Test
Quelle: PC Games

Die idyllischen Alpen und atmosphärischer Gruselspaß im Bleistift-Stil mag vielleicht nicht für jeden direkt zusammenpassen. Dass Horror in den Alpen mittels Folklore sehr wohl dichte Atmosphäre erzeugen kann, beweist uns das Ein-Mann-Studio Hidden Fields mit Mundaun. Ob dem Indie-Entwickler Michel Ziegler das stilisierte Folklore-Game geglückt ist, erfahrt ihr im Test zum Horror-Adventure Mundaun.

Alpen-Folklore im Bleistift-Stil? Klingt kurios, doch genau das bekommen wir in Mundaun geliefert. Zur Inspiration nahm sich das Ein-Mann-Entwicklerstudio verschiedene reale Orte und Schauplätze aus den Alpen zum Vorbild und kreierte daraus die eigens entworfene Version der Region Mundaun Mitte des 20. Jahrhunderts. In der Mischung aus Horror-Walking-Simulator und Adventure gilt es nun, sich den Weg zu der Lösung der Geschichte zu bahnen und letztlich auch durch Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Ob wir das Spiel beispielsweise als braver Pazifist bewältigen oder uns lieber mit Heugabeln und Gewehr gegen übernatürliche Kontrahenten durchschlagen, das liegt ganz an uns. Es sei nur so viel gesagt: Ganz so eingleisig wie die Geschichte zunächst wirkt, bleibt Mundaun nicht. Außer beim Grafikstil, der ist ganz eigen gewählt und bleibt sich auf ganzer Linie treu.

Mit Bleistift zur kunstvollen Darstellung

Alles, und damit ist wirklich alles gemeint, ist mit der Bleistift-Optik versehen. Saftig grünes Gras, hellblauer Himmel, Farbe? Fehlanzeige. Jede Textur und alle Charaktere sind per Hand gezeichnet und eingescannt worden. Natürlich geht damit eine düstere, bedrückende Schwarz-Weiß-Atmosphäre á la Noire einher. Und die passt auch zur stellenweise teuflisch vielschichtigen Story in Mundaun. Manchmal vergisst man beim Blick auf das Tal sogar, dass alles per Hand gezeichnet wurde. Grafisch mag das Spiel nicht jeden umhauen, aber der Stil ist liebevoll und einzigartig umgesetzt. Ob beim Holz, Straßen oder Personen - es ist perfekt stilisiert und passend zueinander.

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Von weitem verschwimmen die Bleistift-Linien, von nahem erkennt man sie jedoch eindeutig. Quelle: PC Games Von weitem verschwimmen die Bleistift-Linien, von nahem erkennt man sie jedoch eindeutig. Ergänzt wird das Ganze noch mit passendem Soundtrack und einer stimmigen Sprachausgabe. Die Sprachausgabe ist hier was ganz Besonderes, denn wird weder auf Englisch noch Deutsch gesprochen, sondern in der sogenannten romanischen Sprache, die im Kanton Graubünden in der Schweiz (immer seltener) zu finden ist. Für unsere Ohren liegt das irgendwo zwischen Italienisch, Deutsch, Latein und einer Prise Holländisch. Das Spiel ist voll vertont und die guten Sprecher tragen ebenfalls zum schaurigen Feeling bei.

Horror-Folklore als Ausgangspunkt

Schön hat unser Protagonist Curdin den Ort Mundaun in Erinnerung. Nach langer Zeit des Stadtlebens erreicht ihn die tragische Botschaft des Pfarrers, die uns zum Tal und später auch zum Berg Mundaun führt: Sein Großvater verstarb auf mysteriöse Weise bei einem Brand in seiner Scheune. Kurzerhand machen wir uns also auf den Weg zur Beerdigung, reisen per Bus an und erleben direkt die dunkle Macht, die diesen Ort einnimmt, am eigenen Leib. Und so bewegen wir uns zwischen verrückten Malern, stummen Mädchen, gruseligen Monstern und einem mysteriösen alten Mann, um dem Rätsel des Berges und dem Tod des Großvaters auf die Spur zu kommen. Was hat es mit dem mysteriösen alten Mann auf sich und wie hängt alles zusammen? Als Enkel Curdin versuchen wir der Sache auf den Grund zu gehen. Quelle: PC Games Was hat es mit dem mysteriösen alten Mann auf sich und wie hängt alles zusammen? Als Enkel Curdin versuchen wir der Sache auf den Grund zu gehen. Die Story dient klar als Leitlinie, um die Atmosphäre mit jeder neuen Erkenntnis zu verdichten. Spoiler wollen wir an dieser Stelle natürlich keine rausposaunen, würden sie doch das spätere Spielgefühl merklich trüben. Nur so viel dazu: Die Geschichte lädt immersiv ein, sich mit den Figuren und dem dahinterliegenden Geheimnis zu beschäftigen. Auch erkundet man daher gerne die Umgebung und kann sie beispielsweise an besonders schönen Aussichtspunkten kartografieren, um sich besser zurechtzufinden. Spiegelungen, Lichter, Wasserreflexionen, wo auch immer wir hinsehen, entdecken wir schön platzierte Hinweise des ominösen und immer lauernden Bösen.
Details und Eastereggs sind an vielen Stellen zu finden. Man muss nur die Augen offenhalten. G-Man aus Half-Life könnt glatt daneben stehen. Quelle: PC Games Details und Eastereggs sind an vielen Stellen zu finden. Man muss nur die Augen offenhalten. G-Man aus Half-Life könnt glatt daneben stehen.

Laues Gameplay über den Wolken

Allzu anspruchsvolles Rätselraten erwartet uns zwar nicht, allerdings zwingt uns das Spiel, die Gegenden ganz genau zu erkunden, um voranzukommen. Items in unseren Rucksack zu packen und zu grübeln, wofür man den Gegenstand nun eigentlich brauchen könnte, macht einen großen Teil des Gameplays aus.

Die Fortbewegung ist gerade in den ersten Spielstunden noch etwas träge. Strecken werden größtenteils zu Fuß zurückgelegt. Jedenfalls bis wir uns Abkürzungen wie Lifts freischalten, Autoschlüssel finden und die Dinge ihren amüsanten Lauf nehmen (wie schon das Pferd-Bergsteigen in The Elder Scrolls V: Skyrim). Selbst Schlitten dürfen wir in den Alpen fahren. Doch so wirklich überzeugen kann das Gameplay auf Dauer nicht. In gewisser Weise ähnelt Mundaun da dem Horror-Klassiker Amnesia: The Dark Descent. Unsere maximale Gesundheit verbessern wir durch Essen, unsere Angst bekämpfen wir mit frisch gebrühtem Kaffee und durch Anleitungen können wir sogar Schusswaffen effizienter nutzen. Angst sorgt übrigens für langsameres Laufen. Über den Wolken... kann die Freiheit so grenzenlos sein. Schlitten- und Liftfahren im Schneegebiet. Rätsel und gefährliche Monster inklusive. Quelle: PC Games Über den Wolken... kann die Freiheit so grenzenlos sein. Schlitten- und Liftfahren im Schneegebiet. Rätsel und gefährliche Monster inklusive. In brenzligen Passagen ist daher schleichen angesagt! Ein Rambo ist unser Protagonist zwar nicht, doch kann er sich im Notfall mit Waffen wie Heugabeln kurzzeitig schützen. Fortschritte und Aufgaben werden praktischerweise im Tagebuch festgehalten.

Buggy Ecken und Kanten zum Gruseln

Rein technisch beeindruckt Mundaun weder durch hübsche Beleuchtung wie in Valheim, noch durch den letzten Feinschliff in Sachen Qualität. Unschöne Bugs oder ärgerliche Features lassen sich an so einigen Ecken des Spiels finden. Springen ist zwar theoretisch möglich, ist aber eher mit einem leichten Hoppeln als einem echten Sprung zu vergleichen. Weder hilft es uns über kleinere Hindernisse, noch kommen wir sonst irgendwie großartig damit zum Ziel. Unsichtbare Wände trüben den Erkundungsdrang. Vor allem, wenn wichtige Quest-Objekte dahinterliegen, oder der einzige Weg versperrt bleibt. Oft schaffen gezielte Glitches Abhilfe, andernfalls muss neugeladen werden, teilweise mehrere Male. Allerdings darf man darauf hoffen, dass die Mehrzahl dieser Bugs in den kommenden Wochen noch behoben werden. Der aktuelle Stand erfordert trotzdem einen eine gewisse Bug-Schmerzresistenz vom Spieler. Was wohl nicht gefixt wird, sind die hakeligen Animationen, die wenig geschmeidig daherkommen.

Textur einer Ziege. Als Mischung zwischen Artwork und Lore-Detail im Spiel. Quelle: PC Games Textur einer Ziege. Als Mischung zwischen Artwork und Lore-Detail im Spiel. Mundaun bietet euch etwa ein halbes Dutzend Stunden Spielspaß und ist seit dem 16. März 2021 für den PC, PlayStation 4 und 5, sowie Xbox One und Series X/S erhältlich. Die Switch-Version soll später im Zeitraum April erscheinen. Für knapp 17 Euro bekommt man als Käufer ein faires und durchaus geglücktes Paket, auch wenn es metaphorisch noch technisch regennass zum Release daherkommt.

Meinung

Wertung zu Mundaun (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Durchweg handgezeichneter Bleistift-GrafikstyleEinzigartige Sprachausgabe auf RomanischDichte und gruselige AtmosphäreViele Details und Geheimnisse zu entdeckenGeschichte mitreißendStellenweise mehr Gameplay-Features als gedacht (z.B. Fahren, Schießen, Schleichen)
Bugs und Glitches schaden der vorher aufgebauten ImmersionTechnisch weder modern noch sonst irgendwie beeindruckendGameplay größtenteils langweilig
Fazit

Liebevolle Grusel-Folklore mit technischen Macken, aber einzigartiger und atmosphärischer Bleistift-Optik - der Teufel steckt wortwörtlich im Detail.

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