Das fordernde Gameplay zieht einen jederzeit in den Bann, so dass man gerne manche grafische Unzulänglichkeit übersieht.
NHL 2K9
Schrieb ich gerade, das Herzstück von "NHL 2K9" sei die Karriere? So ganz korrekt ist die Aussage nämlich nicht, denn es gibt noch ein anderes Highlight, welches für manchen Multiplayer-Fan einen deutlich höheren Stellenwert haben wird, als jede Offline-Variante: der Online-Modus. Auch heuer kommt dieser in gewohnt üppiger Form daher - mit einigen, feinen Erweiterung. So geben euch die Entwickler im aktuellen Teil neben dem bekannten schnellen Spiel, benutzerdefinierten Match und der selbst erstellten Liga per World Wide Web, auch die Möglichkeit richtige Teams mit anderen Usern zu bilden und diese durch Bestehen von Herausforderungen in einer Rangliste nach oben zu bringen. Ebenfalls neu, das so genannte "Team 2K". Hier können über einen Zeitraum von 10 Wochen diverse Zufallsspiele gegen andere Mitstreiter ausgetragen und bei den entsprechenden Erfolgen Preise von Take2 abgeräumt werden. Nette Zugabe, die den ein oder anderen sicher eine Zeitlang vor die Konsole bannen wird - Internetanschluss bzw. Xbox-Live vorausgesetzt. Selbiges ist auch nötig, will man das Feature "2K ReelMaker" nutzen. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich nichts anderes als die Möglichkeit, Replays aus euren Spielen zu speichern bzw. zu bearbeiten und auf den Servern des Publishers zu veröffentlichen.
Fortschritt kann auch Stillstand bedeuten - die Technik
NHL 2K9
1400 neue Animationen sollen laut PR-Ankündigung des Publishers im aktuellen "NHL 2K9" enthalten sein. Ob dies nun der Wahrheit entspricht, wird wohl keiner, außer den Entwicklern selbst, überprüfen können. Auf jeden Fall soll dadurch suggeriert werden, dass sich die Grafik verbessert hätte, dass euch heuer eine optisch verbesserte Eishockey-Umsetzung geboten wird. Um es vorweg zu nehmen: es bleibt bei der Theorie, die Praxis bzw. das Gezeigte sieht dann doch etwas anders aus. Von Weiterentwicklung fehlt jede Spur und das, obwohl die technische Komponente, im speziellen die Grafik, von jeher ein Schwachpunkt der "NHL 2K"-Reihe war. Und sie ist es heuer leider auch wieder. Aber beginnen wir mit dem Positiven. Durchaus schön gestaltet ist das neue Design des Menüs, welches nun nicht nur modern gezeichnet, sondern auch sehr intuitiv aufgebaut ist. Auch die Präsentation wurde verbessert. Mittlerweile bekommt man sämtliche Informationen zum Spiel in Bild und Ton geliefert. Besonders chic ist hierbei die Zusammenfassung, die euch zu jedem eingesetzten Spieler entsprechende Highlights, die besten Checks des Matches und natürlich alle Tore zeigt. Wer vermisst da noch das reale Fernsehen? Selbiges könnte man sich fragen, wenn man die akustischen Statements zu den Geschehnissen auf dem Eis in den einzelnen Drittelpausen zu hören bekommt. Im besten Englisch lassen hierbei die beiden Kommentatoren Randy Hahn und Drew Remenda jede wichtige Situation der vergangenen zwanzig Spielminuten nochmals Revue passieren. Einfach nur begeisternd.
Begeistern kann aber auch die Detailliebe, mit welcher die Entwickler teilweise ans Werk gegangen sind. Da schiebt der Schiedsrichter ein aus der Verankerung gesprungenes Tor wieder in die korrekte Position zurück oder voll animierte Fans springen bei einem Treffer im Jubelrausch von ihren Sitzen. Gerade solche Kleinigkeiten können ein enormes Flair erzeugen.
NHL 2K9
Wie bereits eingangs erwähnt sollen 1400 neue Bewegungen ins Spiel integriert worden sein. Wenn dies wirklich so ist, dann hätte ich leider eine deutliche Kritik an den Publisher: statt Neuerungen zu implementieren, hätte ihr mal lieber das bestehende verbessert. Richtig, jetzt sind wir beim Negativen in punkto Technik, eigentlich nur in punkto Grafik, angekommen. Beginnen wir mit den Animationen. Aus der ¾-Kamerasicht, die spielbarste der zu wählenden, sehen selbige ja noch einigermaßen passabel aus - aber eben nur aus dieser Entfernung. Wehe es kommt ein Close-Up oder eine Zwischensequenz, dann setzt die große Ernüchterung ein. Hölzerne, nicht im Entferntesten flüssige Bewegungsabläufe sind dann die Regel. Einige Animationen sehen sogar richtig lächerlich aus. Beispiele gefällig? Jubelszenen mit plötzlichen Armzuckungen, Spieler hockt sich wie ein Roboter auf die Strafbank, unrealistisches Gleiten auf dem Eis - vor allem von den Schiedsrichtern -, abrupte Richtungswechsel der Spieler. Und diese Liste könnte noch um einiges erweitert werden. Sicher, manche Replays, besonders die "Über-Tor-Wiederholungen", sehen mit den butterweichen Animationen der Torhüter dann wieder richtig toll aus, können aber trotzdem nicht über die sonstigen Unzulänglichkeiten der Grafik hinwegtäuschen.
NHL 2K9
Technik ist aber nicht nur Grafik, Technik ist auch Sound. Und hier liefert Take2 ganze Arbeit ab. Neben den bereits erwähnten Kommentatorenduo, das nicht nur in den Pausen, sondern auch während des gesamten Matches einen guten Job macht, und den sehr realistisch Stadionsprechern, kann vor allem die integrierte Musik begeistern. Und auch zum schmunzeln anregen. Wenn bei einem der diversen Kämpfe bzw. nach dem Verhängen einer Strafzeit plötzlich "Bad Boys" der Reggae-Band Inner Circle aus den Lautsprechern dröhnt, kann man sich meist ein Grinsen nicht verkneifen. Und weil wir gerade beim Thema Musik sind. Besonders nett ist auch das Feature, dass ihr euch euren ganz eigenen Arena-Sound kreieren dürft. D. h. einfach eure musikalischen Favoriten auf die Festplatte gezogen, noch schnell das "Wann spielen" zuordnen und schon wird eure Mannschaft ganz speziell vorgestellt. Ein wirklich nettes Gimmick.
Apropos Gimmick. Ebenfalls ganz nett ist ein bisher noch unerwähntes Minigame. Innerhalb der Drittelpausen habt ihr die Möglichkeit ein Zamboni, eine Eisaufbereitungsmaschine, zu fahren und so die Spielfläche in einer vorgegebenen Zeit von den Schäden des vergangenen Drittels zu befreien. Aber wie bereits angedeutet über den Status Spielerei kommt das Ganze natürlich nicht heraus. Deutlich wichtiger ist da schon, dass der Titel, bis auf die Kommentatoren, komplett auf Deutsch ist. Ein Service, den man nicht oft genug erwähnen kann - vor allem weil viele Publisher mittlerweile ganz darauf verzichten.
