Unser Retro-Special zu Need for Speed Underground 2
Special
Der Arcade-Racer Underground 2 gilt bis heute als einer der besten Need-for-Speed-Titel überhaupt. Auto-Tuning, illegale Straßenrennen und kein Tempolimit ließen 2004 die Herzen der Rennspiel-Serie höherschlagen. Aber hat der Racer sich auch gut gehalten oder ist 16 Jahre nach dem Release der Lack des Fan-Lieblings ab?
Mit Need for Speed schaffte EA eine Videospielreihe, die sowohl Höhenflüge als auch Tiefenrausche durchmachte. Fast jeder Spieler hat wohl mal einen Teil der Rennspielserie in den Fingern gehabt und verbindet seine ganz eigenen Erinnerungen und Erfahrungen mit den Racern. Da überrascht es nicht, dass die Meinungen zum Thema "das beste Need for Speed" teilweise weit auseinanderdriften. Den ersten Teil der Reihe entwickelte EA Canada im Jahre 1994 zusammen mit dem US-Amerikanischen Automagazin "Road & Track". Deren Redaktion versorgte EA damals mit den Daten echter Autos zu deren virtuellen Kopien und legte damit den Grundstein für die neue Rennspielreihe, die sich im ersten Teil noch wie eine Simulation spielte.
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Ab dem zweiten Titel entschied EA sich, mehr auf Arcarde-Gameplay zu setzen, weswegen Need for Speed heute wohl kaum als realistische Rennsimulation bekannt ist. Die naheliegenderen Assoziationen mit der Erfolgsreihe sind illegale Autorennen, Verfolgungsjagden und Autotuning. Das war zum einen aber nicht immer so und variiert zum anderen auch von Titel zu Titel. Erst Need for Speed: Underground von 2003 führte als siebter Teil der Reihe ausgiebiges Tuning ein (das bis dato dem Ableger NFS Porsche vorbehalten blieb), verzichtete dafür aber gänzlich auf Polizeieinsätze.
Mit Underground wollte EA auf der Erfolgswelle von The Fast and the Furious mitschwimmen und entlieh sich dort viele spielerische Ideen. Das Auto-Line-up besteht daher überwiegend aus asiatischen Rennflitzern, Drift und Drag Races gesellen sich zu den üblichen Rennmodi, hübsche, leicht bekleidete Damen stehen an den Startlinien und ein fetziger Soundtrack sorgt für Dauerbeschallung. Zusammen ergibt das eine herrlich illegale Rennszene. Als weithin beliebtestes Need for Speed gilt Underground aber trotzdem nicht. Erst Underground 2 gewann im Jahre 2004 die Mehrheit der Spielerherzen für sich und gilt bis heute gemeinhin als der Höhepukt der gesamten Serie. Aber ist er denn tatsächlich nach wie vor die Arcade-Offenbarung, als den ihn viele Fans in ihren Erinnerungen abgespeichert haben?
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Worum es geht
Quelle: PC Games
Rachel ist eine Freundin Samanthas aus dem ersten Teil und begleitet euch das gesamte Spiel als Mentorin und Managerin.
Wie in allen anderen Autorennspielen auch fahrt ihr in Need for Speed Underground 2 (jetzt kaufen ) Rennen, mit der Vorgabe, möglichst als erstes über die Ziellinie zu brettern. Die über Comicpanele erzählte Handlung spielt sechs Monate nach jener des ersten Teils, in welcher der Protagonist zuletzt von einem Hummer H2 gerammt wurde (einer echt fetten Karre). Diese Art der Präsentation ist definitiv Geschmacksache, auch nach 16 Jahren überrascht auf jeden Fall die gute Vertonung des spaßigen Racers. In einer neuen, erneut fiktiven Stadt namens Bayview trefft ihr nun auf Caleb Reece, den Fahrer des besagten Unglücksbringers. Der will die lokale Rennszene unter seine Gewalt bringen, indem er Sponsorenverträge manipuliert. Im Laufe des Spiels tretet ihr gegen mehrere Mitglieder seiner Gang "The Wraiths" an, unter anderem gegen Nikki Morris, die nach mehrmaliger Niederlage gegen euch auf eure Seite wechselt.
Am Ende dürft ihr euch sogar mit Caleb Reese persönlich messen, um ein für alle Mal klar zu stellen, wer der beste Fahrer ist. Zu Anfang des Spiels weiß man davon aber noch nichts, sondern wird zunächst von einer offenen Spielwelt begrüßt. Erstmals startet ihr nicht von eurer Garage aus irgendwelche Rennen, sondern bewegt euch frei in der Stadt Bayview. Gemütliche Spaziergänge wie in GTA könnet ihr nicht machen, denn ihr sitzt dauerhaft am Lenkrad eures Wagens. Allerdings verfügt ihr zunächst nicht über eure eigene Karre, denn die ist im letzten Teil ja zu Schrott gefahren worden und offensichtlich hat der Protagonist sich bis zu Beginn des Spiels noch kein neues besorgt. Zum Glück bekommt ihr zum Einstieg einen Wagen von der mysteriösen Rachel geliehen und dürft damit zum nächsten Autohändler düsen, wo ihr einen Neuen erwerbt. Mit Rachels aufgemotzter Tuningkiste - einem Giftgrünen Nissan 350Z - kann man übrigens optional drei Rennen fahren, bevor man sich für immer von dem Auto verabschiedet und sich einen einfarbigen, ungetunten Serienwagen von der Stange kauft
Quelle: PC Games
Die Story ist in NfS Underground 2 eher nebensächlich. Die Präsentation über Comicpanele ist zwar Geschmacksache, aber dennoch ein nettes Beiwerk.
It's all about the money
Zwischen Toyota, Nissan, Mazda und vielen weiteren Herstellern wählt man aus mehreren Wagen aus. Die Auswahl zu Beginn ist auf ziemlich kümmerliche Gefährte beschränkt, diese tun aber für den Anfang ihren Dienst. Da ohne Geld eh nichts geschraubt werden kann, muss man in der offenen Stadt das nächstbeste Rennen starten und kann spätestens nach ein paar Anläufen den ersten Sieg einsacken. Eure Fahrkünste sind für den Erfolg leider nicht immer entscheidend. Die Rennen werden mitten in der Stadt und dem entsprechenden Stadtverkehr ausgetragen. Da manche Wege nicht vorher einsehbar sind, gehören gelegentliche Verkehrsunfälle fest zur Spielerfahrung.
Quelle: PC Games
Ins Spiel schafften es hauptsächlich die Wagen asiatischer Hersteller. Neben wenigen europäischen Autos müssen sich die Japaner aber nicht verstecken.
Das fehlende Schadensmodell gereicht einem hier zum Vorteil, sonst wäre der Lack sonst wohl dauerhaft zerkratzt. Schafft man ein Rennen nicht beim ersten Anlauf, ist das kein Problem. Man kann alle Rennen sooft neustarten, wie man will - ohne Konsequenzen behält man so problemlos die 100-prozentige Siegesquote und streicht immer die maximale Gewinnsumme ein. Das schwer verdiente Geld fließt in diverse Motorupdates, die angesichts der stärker werdender Konkurrenz und der Anforderungen der verschiedene Wettkampftypen dringend notwendig sind. In Drift-Rennen slidet man um den Sieg, Street X (Street Cross) verlangt dem Spieler sehr enge Kurvenfahrten ab und in Geländewagenrennen rollen SUVs zwar nicht sonderlich wendig, aber doch schnell durch die Straßen von Bayview. Auch Rundkurse, Sprints und Turniere gesellen sich zum Rennrepertoire. Besonders herausfordernd sind Outruns. Während der freien Fahrt kann man getunte Fahrzeuge überholen und sie herausfordern. Der Vordermann gibt den Weg durch die Stadt an, hat aber erst gewonnen, wenn er seinen Gegner ganze 300 Meter hinter sich lässt. Im Gegensatz zu offiziellen Rennen, kann man hier nicht Neustarten, wenn man in einen Baum kracht, was absolute Konzentration voraussetzt.
Die richtige Atmosphäre
Quelle: PC Games
Bei Drag-Rennen geht es auf gerader Strecke nur ums Schalten und die Geschwindigkeit. Ohne Nitro-Einspritzung sieht man in diesem Modus ganz schön alt aus.
Richtiges Fast-and-the-Furious-Feeling bekommen wir aber erst bei Drag-Rennen: Auf gerader und recht kurzer Strecke muss man im richtigen Moment schalten, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen. So richtig wird das erst was, sobald man seine Nitro-Einspritzung benutzt, einen herrlichen Geschwindigkeitsrausch, der das eine oder andere Mal den Sieg ausmacht. Als erstes Rennen eignet sich Drag aber nicht, denn das Nitro-System muss man wie alles andere auch zunächst für viel Geld einbauen lassen. Ein Auto komplett neu auszustatten, ist insgesamt recht teuer. Da kommen Sponsorenverträge, bezahlte Auto-Fotoshootings und geheime hochdotierte Rennen sehr gelegen. Letztere werden nicht auf der Karte angezeigt. Stattdessen wird man während der freien Fahrt durch die Stadt kontaktiert: Der Anrufer nennt uns ein Gebiet, in dem wir den Startpunkt des Rennens erst suchen müssen. Ähnlich dazu muss man auch Karosserie- und Tuningshops anhand eingefärbter Straßenlichter erst finden, bevor sie auf der Karte markiert werden.
Zum Glück gibt es jeden Ladentyp mehrmals, immer mit dem gleichen Sortiment. Die verfügbare Karte erweitert sich im Laufe der Handlung so weit, dass man am Ende ein recht großes Gebiet befahren muss, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Die abwechslungsreichen Gebiete lassen dabei immer mehr Lust als Frust aufkommen. Schließlich hat Underground 2 viele liebevolle Details in seiner Spielwelt verbaut. Befahren wir die Jackson Hights, gucken wir vom höher gelegenen Wohngebiet auf die wunderschöne, ausgeleuchtete Stadt hinunter und am Himmel fliegt ab und zu ein Flugzeug vorbei. In Coal Harbor sehen wir Fabriken und den Hafen und im Stadtinneren sind wir umringt von Hochhäusern oder Hotels. Der ein oder andere Ruckler wird an dieser Stelle geflissentlich ignoriert.
Quelle: PC Games
Obwohl der Ausblick über Bayview atemberaubend schön ist, sind die verwaschenen Texturen heute grausig anzuschauen.
Autos, Autos, Autos
Quelle: PC Games
Je mehr optische Upgrades ihr kauft, desto mehr Style-Punkte erhaltet ihr. Habt ihr genug, landet euer Auto auf dem Cover eines Magazins oder einer DVD.
Wir verzichten an dieser Stelle darauf, einen detaillierten Überblick über alle fahrbaren Untersätze des Spiels zu schreiben. Die Zahl von rund 30 Autos aus Underground 2 wirkt aber lächerlich gering, gerade im Vergleich mit dem neuesten Teil der Serie, Need for Speed: Heat. Der erschien 2019 und brachte nahezu 130 detaillegetreue Nachbildungen von originalen Sportwägen mit sich. Auf dem Gamecube fiel und fällt die geringe Menge an Autos aber nicht ins Gewicht und schließlich kann man sich sowieso einen Wagen nach ganz eigenen Vorstellungen erschaffen. Wie schon erwähnt, schafften es ab Undergound zahlreiche Tuning-Optionen in die Serie, deren Anzahl sich im zweiten Teil noch einmal verdoppelte. Front, Heck, Kotflügel und, und, und ... Wenn man etwas am Auto verändern will, dann tut man das. Auch eine ordentliche Lackierung und schicke Muster dürfen nicht fehlen. Ja, sogar Werbeaufkleber kann man sich an die Tür pappen.
Quelle: PC Games
Wenn ein Fotograf euch ruft, dann habt ihr oft nur eine gewisse Zeit, um durch die Stadt zum Treffpunkt zu rasen. Dafür werdet ihr entsprechend belohnt.
Je protziger der Schlitten dann aussieht, desto mehr Style-Punkte vergibt das Spiel. Für jeden Style-Stern, den ihr so sowie durch Siege bei bestimmten Rennen erhaltet, erwartet euch ein Termin bei einem Fotografen, der euer Auto auf DVD- und Magazincover bringt. Eine Hifi-Anlage im Kofferraum und eine Hydraulikaufhängung sorgen für den nötigen Feinschliff, um ordentlich protzen zu können. Weniger auffällig, aber nicht minder wichtig, sind die Funktionsupgrades. Nicht nur am Motor lässt sich schrauben, sondern auch Reifen, Fahrwerk und allerlei andere Systeme des Autos können aufgerüstet werden, um schneller, höher, weiter zu kommen als die KI-Konkurrenz. Um das Ganze abzurunden, kann man für jede Art von Rennen ein eigenes Feintuning vornehmen. Neben Justierung der Stabilisatoren, Dämpfung und Federung, passt ihr die Motorleistung bei verschiedenen Drehzahlen an und wägt ab zwischen Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung. Ob das sinnvoll ist, was ihr da verstellt, testet ihr noch während des Tunings auf verschiedenen Teststrecken. Wer später ein anderes Auto fahren will, muss das mit Liebe angepasste Auto aber nicht aufgeben: Je weiter man in der Story kommt, desto mehr Garagenstellplätze erhält man. Die Autos werden zudem von Sponsoren bezahlt, sodass euer mühsam erspartes Geld ausschließlich ins Tuning fließen kann.
Der Motor schnurrt
Ab Need for Speed Underground engagierte EA den Komponisten und Sounddesigner Charles Deenen für die Rennspiel-Serie. Nachdem er bereits an The Fast and the Furious gearbeitet hatte, sorgte er nun dafür, dass die Autos in Need for Speed nicht etwa möglichst realistisch, sondern besonders schnell und kraftvoll klangen. So nutzte man damals nicht nur originale Motorengeräusche für den passenden Sound, sondern auch Tiergebrüll, das bearbeitet als neue Tonspur über das Motorengeheul gelegt wurde. Dabei kamen Bären, Leoparden und neben den bereits genannten Tigern auch Schweine zum Einsatz. In Undergound 2 schnurrt, knurrt und quickt der Motor also nicht nur sprichwörtlich. Das Endergebnis kann sich allemal hören lassen. Zum Motorengeräusch gesellt sich ein famoser Soundtrack. Lil Johns Get Low aus dem ersten Underground wurde noch getoppt von der Raiders-on-the-Storm-Version, die Snoop Dogg für das Spiel aufnahm. Der Liedmix aus Hip-Hop und Rock hatte es schon damals in sich und ruft heute eine Woge von Erinnerungen wach. Davon mal abgesehen, begeistert die Funktion, einzelne Songs aus der Playlist auszuschließen. Denn trotz vieler fantastischer Songs ist man so nie gezwungen, den einen, verhassten Titel zu ertragen.
Nur auf dem Sofa
Quelle: PC Games
Die KI des Spiels ist alles andere als freundlich. So versucht sie nicht nur, euch zu rammen, sondern räumt sich auch gegenseitig aus dem Weg. Freie Fahrt voraus!
Anno dazumal war Online-Multiplayer noch eine selten genutzte Funktion in Konsolenspielen und zumindest auf dem Gamecube fehlte dieses Feature in Underground 2. So musste sich unsereins eine begrenzte Anzahl an Mitfahrern nach Hause einladen. Im Splitscreen-Modus wurden nicht nur Rennen gefahren, sondern es wurde sicherlich auch die eine oder andere Freundschaft beendet. Viel zu verführerisch war und ist es, seinen Gegenspieler aus der Bahn zu rammen, der daraufhin mit Karacho gegen eine Wand donnert. Selbst wenn man fair spielen will, erinnert die KI einen ständig daran, dass man nicht mit Omi beim Nachmittagskränzchen sitzt. Drängeln, hinten auffahren, rammen: All das gehört zum guten Ton in Need for Speed.
Entstaubt und geladen
Quelle: PC Games
Die virtuelle Straßenszene wird abgerundet durch hübsche Frauen, die euch über die Startlinie winken.
Wie also hat sich Need for Speed Underground 2 gehalten, nun, da wir nicht nur auf unzählige nachfolgende Need-for-Speed-Teile, sondern auch auf tolle Arcade-Racer wie Forza, Burnout und Midnight Club Zugriff haben? Überraschend gut! Die Steuerung ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber nachdem wir einige Bekanntschaften mit der Wand und anderen Autos gemacht hatten, war das gute Fahrgefühl von einst bald wieder da. Auf der Karte suchen wir fröhlich nach Rennen und sind plötzlich mittendrin im bekannten Underground-2-Vibe. Ein leicht bekleidetes Mädchen schwingt die Startflagge, Reifen quietschen auf dem Asphalt und ein rockiger Soundtrack lässt unser Herz höherschlagen. Ja, all das überzeugt auch heute noch.
Manche Spielelemente mögen altbacken wirken, die Technik ist natürlich ordentlich veraltet und die einst gefühlt gewaltige Welt ist bei genauerer Betrachtung ganz schön übersichtlich. Das ist aber schlussendlich egal, denn sobald das Gummi am Asphalt glüht, macht Underground 2 vor allem eines: Richtig, richtig viel Spaß. Und das ist ja wohl das Wichtigste.
