Nintendo: Nachruf: Satoru Iwata - Präsident, Entwickler, GAMER

Special Sandro Odak
Nachruf: Satoru Iwata ist tot.
Quelle: Nintendo

Satoru Iwata, der Präsident von Nintendo, ist verstorben. Mit ihm verliert die Gamesbranche einen großen Geschäftsmann und Visionär, Nintendo einen geliebten Anführer und die Welt einen passionierten Gamer. Ein Nachruf.

Satoru Iwata ist tot. Der Langzeitpräsident von Nintendo war ein Sinnbild für die Gamesbranche und wie wir sie uns wünschen. Entscheidungen traf bei Nintendo ein passionierter Gamer. Einer, der sich nach oben gearbeitet hat. Iwata begann in den 80ern direkt nach dem Studium bei Nintendo-Entwickler HAL Laboratory als Programmierer zu arbeiten. Mit eigenen Projekten und Programmcodes schuf er sich schnell einen Namen und stieg in der Karriereleiter auf. Nach dem Ausscheiden von Alt-Präsident Hiroshi Yamauchi wurde er der erste Präsident von Nintendo, der nicht aus dem Gründer-Clan stammt.

Wo bei Konkurrenten Optimierer und Zahlenschieber an der Spitze von börsennotierten Unternehmen saßen, regierte in Japan einer, der Entscheidungen mit Herz und Bauchgefühl traf. Wichtig war ihm die Qualität seiner Spiele, nicht die reine Mathematik. Einmal soll er auf die Frage, weshalb Nintendo nicht Stellen einspart und Leute entlässt, gesagt haben, dass Angst vor Jobverlust kein guter Motivator für einen kreativen Spieleentwickler sei. Es war nicht die einzige Kritik an dem Mann, den einige auch zu jung für die Rolle hielten.

Es war mir noch nie peinlich zu sagen, dass Kinder unsere Produkte mögen. Im Gegenteil, es erfüllt mich mit Stolz. Denn Kinder beurteilen ein Produkt mit ihrem Instinkt. - Satoru Iwata, 2005Als Nintendo noch rund lief, wurde er dennoch mit viel Lob überhäuft. Nintendo DS und Nintendo 3DS gelten genauso wie die Wii zu Nintendos großen Erfolgen der Neuzeit. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war Satoru Iwata zu jeder Zeit. Doch als Nintendo ins Strudeln geriet und für kurze Zeit Verluste abschrieb, wurden Stimmen von Gegenspielern laut. Investoren forderten von ihm, kurzfristige Übergangslösungen zu finden. Free2Play sollte her, bessere Grafik, Mobile Games. Am Ende sollte er sogar zurücktreten, Platz machen für einen vorgeblichen Modernisierer.

Doch Iwata blieb standhaft. Er argumentierte, dass hingezimmerte, kurzfristige Lösungen zwar das nächste Quartalsergebnis beschönigen könnten, die Zukunft des Unternehmens aber gefährden würden. Stattdessen blieb er lieber sich selbst und Nintendo treu. Erst in diesem Jahr hat Nintendo angefangen, Free2Play-Spiele für den 3DS zuzulassen - da war der Trend mit Pay2Win schon fast wieder begraben. Iwata behielt mit seinem Pro-Gamer-Kurs recht: Seit dem letzten Quartal schreibt Nintendo wieder schwarze Zahlen.

Grips statt Grafik: Iwata erkannte das Potenzial der Wii Bewegungssteuerung und nahm Nintendo aus dem 'Wettrüsten' der Konsolentechnik heraus. Ergebnis: 105 Millionen verkaufte Einheiten! Quelle: Nintendo Grips statt Grafik: Iwata erkannte das Potenzial der Wii Bewegungssteuerung und nahm Nintendo aus dem "Wettrüsten" der Konsolentechnik heraus. Ergebnis: 105 Millionen verkaufte Einheiten! Spieler rund um den Globus waren zwar nicht immer einverstanden mit dem Kurs, den Nintendo einschlug. Familienfreundlich gab sich Nintendo, mehr auf Gameplay als auf Technik fokussiert. Und das, obwohl man in den 80ern und 90ern noch zu den High-End-Marktführern gehörte. Doch selbst unter Kritikern war Iwata beliebt. Er zählt zu den großen Visionären der Gamesbranche; war einer, der auch über den Tellerrand gucken konnte und trotzdem sagte "Nein, wir machen das den anderen nicht einfach nach." Und einer, der Spaß verstand. Zusammen mit Amerika-Chef Reggie Fils-Aime war er sich trotz seines hohen Standes nicht zu schade, um seinen Kunden in lustigen Direct-Videos auf Augenhöhe zu begegnen. Wo andere auf pompöse, Hollywood-gleich inszenierte Blockbuster setzten, stand der Nintendo-Chef mit Handschuhen im eigenen Büro und präsentierte unaufgeregt seine Produkte.

Mit Satoru Iwata verliert die Branche einen großen Geschäftsmann und Visionär, Nintendo einen geliebten Anführer und die Welt einen passionierten Gamer. Das sagte er einst selbst über sich: "Auf meiner Visitenkarte bin ich der Firmenpräsident. In meinem Kopf bin ich Spielentwickler. Aber in meinem Herzen bin ich Gamer."

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